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Grand Casino St.Gallen: Glück ist Ludwig Bergers Geschäft

Zwar leitet Ludwig Berger hoch konzentriert Glücks- und Kartenspiele wie Roulette oder Black Jack. Im Vordergrund steht aber seine Rolle als Entertainer. Der Croupier-Beruf sei nicht nur ein Job, sondern ein Lebensstil.
Seraina Hess
Unterhält Ludwig Berger die Gäste, bleiben sie eher am Tisch. (Bild: Bilder: Benjamin Manser)
Anfänger setzten beim American Roulette auf Schwarz oder Rot, Profis auf ausgeklügelte Kombinationen.
Es geht auf 21: Black Jack ist neben Poker ein Klassiker im Casino.
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Glück ist sein Geschäft

Die Zahl auf der Leuchttafel schnellt in die Höhe. 1647383.50 Franken. So viel beträgt der Jackpot, um den an jenem Donnerstagabend kurz nach 22 Uhr an Automaten in sieben Casinos des Landes gespielt wird. Es ist nur ein paar Monate her, da erlebte Ludwig Berger, wie er hier in St. Gallen von einem Pärchen geknackt wurde. Damals enthielt der begehrte Topf 2,2 Millionen.

Die Beträge, die Berger den Gästen des St. Galler Grand Casinos in Form von Chips auszahlt, sind in der Regel kleiner. Es gibt Roulette-Tische, an denen spielen 18-Jährige um Mindesteinsätze von einem Franken – aber auch solche, an denen Rentner mehrere Hundert Franken auf komplexe Zahlenkombinationen setzen. Die Aufgabe des Croupiers bleibt stets dieselbe, ganz gleich, in welcher Runde. «Das Rechnen verkommt rasch zum Automatismus. Die Kunst des Casinos besteht darin, die Gäste zu unterhalten», sagt der 31-Jährige. «Ob man den Typ Mensch erkennt, die richtigen Gesprächsthemen wählt und die Stimmung trotz Verlusten aufrechterhalten kann: Darauf kommt es in diesem Business an.»

Wie ein Mathetest, bloss mit Applaus

Dem Österreicher, der in Dornbirn lebt, gelingt das offenbar. Seit acht Jahren arbeitet er im Swiss Casino St. Gallen. «Und ja: Dabei handelt es sich um einen richtigen Job, obwohl ich stets gefragt werde, was ich hauptberuflich mache.» Nach der Matura war Berger der Alltag in der Buchhaltung eines Grossverteilers zu unspektakulär, die Zahlen zu abstrakt. Der Eintönigkeit des Alltags entzog er sich durch die dreimonatige Ausbildung zum Croupier im Casino Bregenz. Gelehrt wurden klassische Glücks- und Kartenspiele wie Roulette, Poker und Black Jack, aber auch die Handhabung des Spielmaterials, was sich nun in geschmeidigen Bewegungen beim Verteilen der Karten bemerkbar macht. Der Rest ist Training – nur, dass der Gast nicht mitbekommen darf, wenn konzentriert gerechnet wird. «Es ist wie ein Mathetest. Bloss wird rundherum geklatscht und Musik gespielt», beschreibt Berger die Herausforderung.

Das Showbusiness, wie der Croupier seine Branche nennt, hat ihm zugesagt. Bis heute. Obschon er inzwischen mehrere Funktionen innehat, unter anderem im Eventmanagement. Seit Januar arbeitet Berger nicht mehr nur nachts, wie er es bis dreissig tat. «Der Croupier-Beruf bietet extrem viele Vorteile. Man steht ohne Wecker auf, gestaltet den Tag völlig frei, steht nie im Stau und ist nie auf Öffnungszeiten angewiesen.» Croupier sei nicht nur ein Job. «Es ist ein Lifestyle.» Viele Kollegen möchten ihn nie missen – Berger hingegen entzieht sich ihm auf Raten. Denn da sind eben auch die Nachteile. Freie Wochenenden gibt es pro Jahr etwa zwölf, Freundschaften ausserhalb der Branche sind kaum möglich. «Sobald die Familiengründung ein Thema wird, muss man nach einer Lösung suchen. Wochenlange Nachteinsätze verlangen schon nach einer sehr toleranten Partnerin.»

Respekt davor, den Überblick zu verlieren

Ein Arbeitstag wie dieser beginnt um 17.30 und endet um 2 Uhr. Welcher Tisch Berger zugeteilt wird, hängt von der Anzahl der Gäste ab. Weil das Spiel höchste Konzentration verlangt, werden die Croupiers nach etwa einer Stunde abgelöst. Sie pausieren 20 Minuten, bis es an den nächsten Tisch geht. Dieses Vorgehen dient nicht nur der Erholung der Mitarbeiter: Gäste, die verlieren, projizieren ihr Pech oft auf den Menschen. Der eine Croupier wird zum Sündenbock, der andere hingegen bedeutet neues Glück im Spiel. Trotz Poker-Face nach Las-Vegas-Manier bleibt der Respekt davor, irgendwann den Überblick über das Spiel zu verlieren. Etwa dann, wenn sich um den Roulette-Tisch zwölf Gäste versammeln, mehrere Zahlen setzen und erst recht noch Chips in gleicher Farbe verwenden. «Betrügen will hier kaum jemand. Aber es kann durchaus vorkommen, dass wir Aufnahmen unserer Kameras zu Rate ziehen müssen, wenn mehrere Personen meinen, auf eine bestimmte Zahl gesetzt zu haben.»

Auch der Croupier kann nicht vom Glücksspiel lassen

Drei, vier Mal pro Jahr besucht Berger ein Casino abseits von St. Gallen. Als Gast. Allerdings im nahen Ausland, vor allem daheim in Österreich. Denn Croupiers mit Anstellung in der Schweiz haben privat landesweit keinen Zutritt zu Casinos. Nicht, weil sie im Glücksspiel einen nennenswerten Vorteil hätten, sagt Berger. Das einzige Ass im Ärmel beschränke sich auf die Kenntnis der Wahrscheinlichkeiten: Zum Beispiel, dass im Black Jack drei von zehn Mal eine Karte mit dem Wert 10 gezogen wird. Dank Internet könnte aber jeder zu dieser Information gelangen. «Das Verbot für Croupiers gründet vielmehr auf dem faden Beigeschmack, den es hätte, wenn einer den Jackpot knackte und die Medien davon Wind bekämen.»

Doch auch in Österreich, Deutschland, Monaco und Las Vegas ist das grosse Glück im Spiel bisher ausgeblieben, sagt Ludwig Berger. «Sonst wäre ich trotz der Liebe zum Business wohl hauptsächlich auf der anderen Seite des Spieltisches anzutreffen.»

Spielsucht früh erkennen

Das Casino St. Gallen erfasst jeden Besuch eines Gastes. Wer eine bestimmte Schwelle erreicht, wird von Mitarbeitern angesprochen, um einer eventuellen Spielsucht vorzubeugen. Allenfalls verlangt das Casino eine Bescheinigung der finanziellen Verhältnisse. Spielt der Gast tatsächlich über Budget, ist das Casino verpflichtet, diesen landesweit und auf Wunsch des Betroffenen sogar international zu sperren. In St. Gallen gibt es jährlich etwa 200 Sperrungen. (seh)

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