Glosse

«Salzkorn»: Vom Ausräuchern und guten Düften

Um die bösen Geister der Coronakrise zu verbannen, besinnt man sich gern auf Althergebrachtes. Wie auf den uralten Brauch des Räucherns.

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Es duftet nach Kräutern, sanfte Gesänge lullen einen ein, Edelsteine glitzern. Ein spiritueller Laden in der St.Galler Altstadt wird seit der Coronakrise überrannt. Esoterik ist so salonfähig geworden wie Birkenstocksandalen und Vollbart.

Und da die Wissenschaft ausser Masken und Desinfektionsmittel noch nicht viel bietet, um die unsichtbare Bedrohung zu bekämpfen, besinnt man sich gern auf Althergebrachtes, um Geister zu verbannen. Zum Beispiel auf den uralten Brauch des Räucherns. Der aufsteigende Rauch soll Räume reinigen und Krankheiten von Haus und Stall fernhalten. In allen Kulturen, vom Appenzellerland bis in den Orient, wird seit Jahrtausenden geräuchert.

Auch die katholische Kirche spricht die Sinne mit Weihrauch und Myrrhe an. Das fehlt jetzt, da die Gottesdienste virtuell stattfinden. Es ist keine schlechte Idee, sich die Düfte in die gute Stube zu holen, wird ihnen doch eine bewusstseinserweiternde Wirkung zugeschrieben: Weihrauch enthält Wirkstoffe, die Angstzustände und Depressionen lindern sollen.