Glosse
Salzkorn: Johlende Kids und Promis unter Palmen

Eine Fahrt mit dem Postauto kann in Zeiten von Corona ziemlich beklemmend sein.

Melissa Müller
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Illustration: Corinne Bromundt

Eine Postautofahrt ist dieser Tage nichts für schwache Nerven. Eine Kinderschar stürmt in den Bus. Sie johlen herum und werfen ihre nassen Rucksäcke auf einen Haufen. Eingequetscht wie in einer Sardinenbüchse, stellt man sich vor, wie einen unsichtbare Aerosole attackieren.

Die innere Coronapolizistin wird in Alarmbereitschaft versetzt. Erst recht, als ein Passagier dann auch noch seine Maske abnimmt, sich schnäuzt und in ein Sandwich beisst. Man wendet den Blick ab, auf den Bildschirm hinter dem Chauffeur. Was die Sache nicht besser macht.

Eine Bikinischönheit flimmert über die Mattscheibe, sie chillt an einem Karibikstrand. Eine der vielen Influencerinnen, die gerade so tun, als ob es kein Corona gebe. Und mit Ferienfotos den Neid der Daheimgebliebenen auf sich ziehen. Auch Pop-Titan Dieter Bohlen liess seine Fans kürzlich wissen, dass es ihn in ein Luxusresort auf den Malediven verschlagen hat. Derweil empfiehlt der Bundesrat, weiterhin auf nicht dringliche Auslandreisen zu verzichten. Was wohl nur fürs Fussvolk gilt.