Glockenschlag
Wenn es um 1 Uhr Mitternacht schlägt: Glocken der Kathedrale St.Gallen hinken eine Stunde hinterher

Die Glocken schlugen am Dienstag mit einer Stunde Verspätung von den Türmen der Kathedrale. Laut Dompfarrer Beat Grögli war eine Panne dafür verantwortlich. Diese passierte, als die Glocken nach einer Opernaufführung von «Notre Dame» wieder manuell in Betrieb gesetzt werden mussten.

Christina Weder
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Während der Opernaufführung «Notre Dame» müssen die Kirchenglocken schweigen. Beim manuellen Wiedereinschalten am nächsten Tag kam es zu einer Panne.

Während der Opernaufführung «Notre Dame» müssen die Kirchenglocken schweigen. Beim manuellen Wiedereinschalten am nächsten Tag kam es zu einer Panne.

Bild: PD

Wer heute Dienstag nur auf den Stundenschlag der Kathedrale St.Gallen hörte, nicht aber auf die Uhr schaute, kam zu spät. Die Turmuhren zeigten zwar die richtige Uhrzeit an, doch der Glockenschlag hinkte eine Stunde hinterher – und dies über Stunden. Um 1 Uhr in der Früh schlug es vom Turm her Mitternacht; um zwölf Uhr mittags waren elf Schläge zu hören.

Beat Groegli, Dompfarrer.

Beat Groegli, Dompfarrer.

Bild: Michel Canonica

«Es handelt sich um eine Panne», sagt Dompfarrer Beat Grögli am Dienstagnachmittag auf Anfrage. Die Domsakristane würden den Fehler noch gleichentags beheben und Uhrzeit und Glockenschlag wieder aufeinander abstimmen.

Der Dompfarrer setzt die Panne in Zusammenhang mit den St.Galler Festspielen, die in diesen Tagen über die Bühne gehen. Während der Opernaufführungen zu «Notre Dame», die auf dem Klosterplatz stattfinden, muss der Glockenschlag jeweils auf Geheiss der St.Galler Festspiele ausgesetzt werden.

Uhrwerk und Glocken müssen manuell angeschoben werden

An den Tagen, an denen die Oper auf dem Programm steht, werden Uhrwerk und Glockenschlag deshalb um 19 Uhr arretiert. Zwölf Stunden später müssen sie von den Domsakristanen wieder manuell angeschoben werden. Laut Grögli ist das eine aufwendige Angelegenheit. Beim letzten Mal sei dabei wohl etwas schiefgelaufen. Er vermutet, dass nicht nur das Pendel des mechanischen Uhrwerks angehalten, sondern auch am Glockenschlag-Rad gedreht wurde. «Das mechanische Uhrwerk ständig an- und abzustellen, tut dem Ganzen nicht gut», sagt der Dompfarrer.

Es ist nicht der einzige Grund, weshalb er der Ausschaltung des Glockenschlags während der Opernaufführungen kritisch gegenübersteht. Die St.Galler Festspiele nähmen gerne das einzigartige Ambiente des Stiftsbezirks in Anspruch, sagt Grögli. Für ihn gehöre der Glockenschlag der Kathedrale aber eindeutig zu diesem Ambiente dazu.

«Dass er während der Opernaufführungen verstummen muss, ist meiner Meinung nach nicht konsequent.»

Für die St.Galler Festspiele dagegen geht es darum, dass die Opern nicht von den Glockenschlägen unterbrochen oder gestört werden. Das Ausschalten der Glocken während der Generalproben und Aufführungen sei anlässlich der ersten Festspiele vor 15 Jahren geregelt worden, sagt Beda Hanimann, Medienverantwortlicher des Theaters St.Gallen auf Anfrage. Seither werde das so gehandhabt.

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