Gletscherschutzmatten sollen Kunstschnee auf dem Bischofsberg retten

Gestern wurden auf dem Bischofsberg ob Heiden 1200 Quadratmeter Gletscherschutzmatten ausgelegt. Skiliftbetreiber Johannes Solenthaler will so den aufwendig produzierten Kunstschnee über die Festtage erhalten. Das Projekt erfolgt in Zusammenarbeit mit der Firma SMI Snow Makers AG aus Thun. Diese war schon an verschiedenen Gletscherschutzaktionen in den Alpen beteiligt. 

Rudolf Hirtl
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Beim Kinderskilift Bischofsberg oberhalb Heiden wird mit einem Flies der Schnee abgedeckt (Bilder: Urs Bucher)

Beim Kinderskilift Bischofsberg oberhalb Heiden wird mit einem Flies der Schnee abgedeckt (Bilder: Urs Bucher)


Für heute und morgen hat Swiss-Meteo auch in der weiteren Region Rorschach Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h angekündigt. «Wenn es tatsächlich derart stürmt, dann ist es hier oben nicht mehr lustig», sagt Johannes Solenthaler und zeigt auf den Skihang am Bischofsberg, der ungeschützt im offenen Gelände liegt.

Seit vergangenem Dienstag bis am Samstag konnte der umtriebige Landwirt seine Schneekanonen laufen lassen. Gegen 2500 Kubikmeter Kunstschnee konnte er so produzieren. Nun wird es aber nicht nur stürmisch, auch die Temperaturen sollen weiter ansteigen, bis auf 12 Grad.

Ökologisch und wirtschaftlich eine Notwendigkeit

Das Vlies wird mit Verbundsteinen beschwert, damit es dem angekündigtem Sturm standhält.

Das Vlies wird mit Verbundsteinen beschwert, damit es dem angekündigtem Sturm standhält. 

Für das auf knapp 1000 Metern Höhe gelegene Schneesportgebiet Bischofsberg sind diese Aussichten eine Katastrophe. Einerseits droht der Schnee, der mit Wasser aus dem eigenen Speicherbecken und ohne jeglichen Zusatz von Chemie hergestellt wurde, zu schmelzen, und andererseits können ohne Piste auch die Skikurse für Anfänger nicht durchgeführt werden. «Wir mussten uns etwas überlegen, denn eine Skischule in der Region Appenzell kann nur mit Schnee funktionieren», sagt Solenthaler, der die einzige lizenzierte Schweizer Skischule im Appenzellerland betreibt.

Die Lösung hofft er nun mit dem Auslegen von 1200 Quadratmetern Gletscherschutzmatten zu finden. Mit derartigen Geotextilien werden in den Alpen schon seit geraumer Zeit Schneedepots geschützt und das Schmelzen von Gletschern im Sommer verlangsamt. «Es ist ein Versuch, ob er funktioniert, werden wir in den kommenden Tagen sehen», so Solenthaler, der diese Schnee-Erhaltungsaktion in Zusammenarbeit mit Marco Bieri von der Firma SMI Snow Makers AG aus Thun lanciert hat.

Marco Bieri, zweifelt allerdings nicht am Gelingen. «Es wird zu hundert Prozent klappen. Ich traue mich das zu sagen, denn wir haben genügend Erfahrung mit diesen Gletscherschutzmatten.»

Vlies schütz Kunstschnee vor Sonne, Wind und Regen

Der Kunstschnee auf dem Bischofsberg könne mit dem mechanisch verfestigten Vliesstoff aus UV-stabilisiertem Polypropylen vor Regen, Sonne und Wind geschützt werden. Dies sei zwar dann schwierig, wenn die Schneeschicht nur dünn sei, doch sei sie wie in diesem Fall einen Meter dick, so entwickle sie eine Eigenenergie, welche die Kühlung unterstütze. Dieselben Materialien hat Marco Bieri unter anderem bei Gletscherschutzprojekten am Rothorn in Zermatt, in Flims/Laax und am Rhonegletscher angewendet.

Der Kinderskilift, die Ski- und Snowboardschule und das Restaurant Skihütte bleiben wegen des angesagten Schlechtwetters bis und mit 24. Dezember geschlossen. Dank des Einsatzes der Gletscherschutzmatten sollten aber die Weihnachtswochenkurse am 27. Dezember wie geplant starten können.

Infos auf www.sssheiden.ch