Glauben in St.Gallen: Drei Gotteshäuser der Stadt

Die Glaubensvielfalt in St.Gallen ist gross: Islam, Judentum und orthodoxes Christentum sind nur drei davon. Ein kleiner Augenschein aus ihren Gebetshäusern.

Seraina Hess
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Auch in der Synagoge an der Frongartenstrasse tragen Männer eine Kippa, die jüdische Kopfbedeckung.Bild: Urs Bucher (26. August 2012)

Auch in der Synagoge an der Frongartenstrasse tragen Männer eine Kippa, die jüdische Kopfbedeckung.Bild: Urs Bucher (26. August 2012)

Die meisten werden sie wohl übersehen, die Synagoge beim Roten Platz. Eingeklemmt zwischen zwei Gebäuden, verraten nur die verzierten Fenster und die Kuppeln im maurisch-byzantinischen Stil, dass sich darin etwas Prachtvolles verbergen könnte. Wo sonst Mitglieder der etwa 100 Köpfe zählenden Jüdischen Gemeinde St. Gallen Platz nehmen, versammeln sich am vergangenen Donnerstagabend die Teilnehmer des SP-Sommerspaziergangs – Männer allesamt mit Kippa, der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung.

Rabbiner Ben-Chorin erklärt die Synagoge

Die Veranstaltungsreihe der SP widmet sich stets einem Themenschwerpunkt. Gekommen sind die Interessierten diesmal zum «Spaziergang der Religionen». Bekannt als Vermittler zwischen diesen ist Tovia Ben-Chorin. Der 82-jährige Rabbiner, der seit 2016 in St. Gallen lebt und arbeitet, steht für eine liberale Auslegung des jüdischen Glaubens. Im Interview mit der «Ostschweiz am Sonntag» sagte er bei seinem Amtsantritt: «In Israel gelte ich als Ketzer, weil ich alles hinterfrage.» So weit geht er vor den über 50 Zuhörern nicht – vielmehr gibt er Einblicke in die Religion, der in der Schweiz knapp 20000 Personen angehören. Etwa mit der Thora, den fünf Büchern Mose, deren Rollen in einem Schrein gegen Jerusalem gerichtet aufbewahrt werden.
Der nächste Halt beim Friedhof Feldli bedeutet nicht nur ein neues Gotteshaus, sondern eine weitere Religion im Schnelldurchlauf: Gastgeber ist die Griechisch-Orthodoxe Kirche. Ein Raum, der in seiner Aufteilung mit Bänken und Balkon jener der Katholiken gleicht, jedoch noch viel reicher mit goldenen Kronleuchtern und Ikonen – Abbildern von Heiligen – verziert ist. Markanter Unterschied: Der Altarraum ist vom Gemeinderaum durch eine Wand abgetrennt und nur Männern zugänglich, wie Stadtparlamentarier Vica Mitrovic erklärt. Als Mitglied der Serbisch-Orthodoxen Kirche gehört er der grössten orthodoxen Gemeinde der Schweiz an: Sie zählt gut 120000 Mitglieder, die griechische etwa 5000.

Das Opferfest ohne Blutvergiessen

Auch die zweitgrösste Weltreligion fehlt nicht auf dem Spaziergang: Der Islam vertreten durch Imam Efendi Zijad Zuzo. Während die anderen Gotteshäuser auf Prunk setzen, wurde die vor zwei Jahren renovierte Moschee der Bosnisch-Islamischen Gemeinschaft mit schlichtem Teppich ausgelegt, was durchaus sinnvoll ist: Gebetet wird kniend, Schuhe sind verboten. Einziger Schmuck sind die arabischen Schriftzüge an Wand und Decke.
Die Gemeinschaft befindet sich derzeit mitten im Opferfest. «Tiere töten wir hier aber keine, wir respektieren die Gesetze der Schweiz», gibt Imam Zuzo Entwarnung – stattdessen schicke man Spenden in die Heimat.