Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Glanzvoller Salon, schäbiger Estrich: Ein Rundgang durch das St.Galler Kirchhoferhaus

Das Kirchhoferhaus an der St.Galler Museumsstrasse soll sich nach und nach wieder für die Bevölkerung öffnen. Der Stadtbaumeister erzählte auf einer Führung über die Geschichte und Zukunft der Villa.
Roger Berhalter
Glanzvoller Salon: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der öffentlichen HSG-Vorlesung im Musikzimmer des Kirchhoferhauses. (Bild: Michel Canonica)

Glanzvoller Salon: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der öffentlichen HSG-Vorlesung im Musikzimmer des Kirchhoferhauses. (Bild: Michel Canonica)

Im Salon ist der Glanz von früher noch spürbar. Parkettboden, schwere Vorhänge, Kristallleuchter, Wände und Decke kunstvoll verziert. «Hier konnte sich das mondäne St.Gallen zeigen», sagt Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner. Er steht vor rund 20 Interessierten im Musikzimmer des Kirchhoferhauses und zeigt alte Grundrisse und Überbauungspläne.

Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner erklärt anhand von alten Plänen die Geschichte der Stadtvilla. (Bild: Michel Canonica)

Stadtbaumeister Hansueli Rechsteiner erklärt anhand von alten Plänen die Geschichte der Stadtvilla. (Bild: Michel Canonica)

«Wenn die Stadt baut – Strategien, Konzepte, Wettbewerbe» heisst Rechsteiners öffentliche Vorlesungsreihe an der Universität St.Gallen. An diesem Donnerstagabend steht das Kirchhoferhaus an der Museumsstrasse im Zentrum. Jene Stadtvilla nach französischem Vorbild, die heute zum Kunstmuseum gehört. Manchmal ist sie öffentlich zugänglich, in Zukunft soll das öfter der Fall sein. Das frühere Wohnhaus des Stickereibarons Paul Kirchhofer (1825–1903) soll der Bevölkerung wieder offen stehen.

Die Decke im Musikzimmer ist wie ein Himmel gemalt. (Bild: Michel Canonica)

Die Decke im Musikzimmer ist wie ein Himmel gemalt. (Bild: Michel Canonica)

Eine Sanierung der 1876 gebauten Villa steht schon lange auf der Traktandenliste der Stadt, ist aber immer wieder verschoben worden. Nach einer Pinselsanierung Anfang 2016 stehen nun zwei Stockwerke für die Kunstvermittlung des Kunstmuseums zur Verfügung. Im Erdgeschoss, wo früher die Kirchhofers wohnten, können heute Kinder basteln und malen. Die Badewanne wurde zur Waschstation für Pinsel umfunktioniert, an grossen Tischen können sich die Kleinen gestalterisch austoben.

Schäbiger Estrich: Das oberste Geschoss des Kirchhoferhauses ist offensichtlich sanierungsbedürftig und wird derzeit nicht genutzt. (Bild: Michel Canonica)

Schäbiger Estrich: Das oberste Geschoss des Kirchhoferhauses ist offensichtlich sanierungsbedürftig und wird derzeit nicht genutzt. (Bild: Michel Canonica)

Eine solche aktive Nutzung sei heute durchaus willkommen, sagt Hans­ueli Rechsteiner. Er erinnere sich aber noch an Zeiten, als das Betreten der Parkettböden nur mit Filzpantoffeln erlaubt war. Lange diente das Gebäude als historisches Museum.

Der Stadtbaumeister erwähnt auf seinem Rundgang mehrfach die sogenannte Purifizierung des Kirchhoferhauses. Aus heutiger Sicht könnte er auch von Verschandelung sprechen. Die architektonischen Eingriffe in den 1960er-Jahren waren nämlich drastisch. Viele Schnörkel wurden entfernt, der Balkon abgeschlagen, die Wandmalereien mit grauer Farbe überstrichen. Es war die Zeit, als historische Gebäude weniger gefragt waren und «in jeder Altstadt-Häuserzeile ein modernes Einkaufszentrum gebaut wurde», sagt Rechsteiner. «Aus heutiger Sicht betrachten wir das als Verlust.»

Blick ins grosszügige Treppenhaus. (Bild: Michel Canonica)

Blick ins grosszügige Treppenhaus. (Bild: Michel Canonica)

Zur Sanierung der Villa und des Kunstmuseums sagt der Stadtbaumeister auf dem Rundgang nichts Neues. Man sei daran, den Siegerentwurf aus dem Architekturwettbewerb in ein Projekt umzusetzen. Bald soll ein Projektierungskredit ins Stadtparlament kommen. Das Kirchhoferhaus soll in Zukunft wieder seiner ursprünglichen Form entsprechen. So wie vor der Purifizierung oder Verschandelung. Darüber hinaus sind laut Rechsteiner keine grösseren Eingriffe geplant. «Das Haus wird so bleiben, wie es ist. Besser gesagt: Es wird wieder so werden, wie es einmal war.»

Experimentieren im Labor

Das Kirchhoferhaus ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich. Dennoch können Interessierte die Stadtvilla besichtigen. Zum Beispiel jeden ersten Sonntag im Monat von 10 bis 14 Uhr, im «Offenen Kunstlabor»: Ausgehend von aktuellen Ausstellungen im Kunstmuseum können die Teilnehmer etwas gestalten und experimentieren. Eine Anmeldung ist nicht nötig, alle Altersklassen sind willkommen (Kinder bis sechs Jahre in Begleitung Erwachsener). Das nächste Kunstlabor findet morgen Sonntag statt. Für Kinder ab sechs Jahren gibt es zudem den «Kinder Kunst Klub», nächstes Mal am Mittwoch, 22. Mai, 14–16 Uhr. Am internationalen Museumstag vom 19. Mai ist das Kirchhoferhaus von 10–17 Uhr ebenfalls zugänglich.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.