Glamour statt Gipsverband: Das St.Galler Kinderspital will mit erster Galanacht Geld sammeln

Das Ostschweizer Kinderspital sammelt an einer Galanacht Spenden. Vorerst für die Ausstattung des Neubaus.

Diana Hagmann-Bula
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Junge Patienten benötigen eine besondere Behandlung und Infrastruktur. Geld dafür sammelt das Ostschweizer Kinderspital auch an einem Galaabend.

Junge Patienten benötigen eine besondere Behandlung und Infrastruktur. Geld dafür sammelt das Ostschweizer Kinderspital auch an einem Galaabend.

Bild: Urs Bucher

An diesem Abend geht es nicht um Knochenbrüche, Infektionen oder andere Kinderkrankheiten. An diesem Abend tauchen auch keine Menschen in weissen Kitteln auf. Stattdessen Abendkleider und Krawatten, wohin man blickt. Trotzdem steht an diesem Abend das Ostschweizer Kinderspital im Mittelpunkt. Es lädt für einmal ins Hotel Einstein zum Galaanlass statt ins Behandlungszimmer.

Die Kispi-Night vom 7. März ist ausverkauft. Das zeigt: Der Wille, einer Institution zu helfen, die sonst stets anderen hilft, ist gross. An der Kispi-Night soll gelacht, gefeiert, getanzt, vor allem aber Geld gesammelt werden. Für ein Spital, das wie andere Schweizer Kinderspitäler Finanzierungsprobleme hat.

«Stiftung steht nun dazu, dass sie Geld braucht»

Zwar beklagt sich Arno Noger, Präsident der Stiftung Ostschweizer Kinderspital, immer wieder über nichtkostendeckende Tarife.

«Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie brauchen eine besondere Behandlung. Das kostet.»

Die Differenz übernehmen die Träger. «Momentan sind das zwischen neun und zehn Millionen Franken jährlich», sagt Noger. Das Geld, das die Kispi-Night einbringt, fliesst in einen anderen Bereich, in dem die Stiftung Bedarf hat: in die Ausstattung des Neubaus auf dem Kantonsspitalareal. «Das Geld für den Bau hat das Volk mit seinem Ja gesprochen. Einrichtung und Mobilien waren ausgenommen», sagt Noger. Die Kosten dafür: 35 Millionen Franken. Der Kanton hat ein Darlehen von 12,5 Millionen Franken gesprochen, den Rest muss die Stiftung decken. Auch deshalb hat sie vor einem Jahr ein Fundraising gestartet, nun kommt die Kispi-Night dazu. «Auf Spender durften wir schon immer zählen. Neu gehen wir sie aktiv an. Lange hat man sich nicht getraut, in öffentlichem Interesse private Unterstützer zu verpflichten. Ein Paradigmenwechsel!»

Mona Vetsch und Wein für 400 Franken

100000 bis 120000 Franken verspricht sich Noger von dem Galaanlass. Daraus liessen sich Mehrkosten, die bei der kindergerechten Einrichtung des neuen Spitals entstehen, finanzieren. Mobile Leuchten, vielleicht Aquarien. Oder die Gartenzimmer. Dabei handelt es sich um zweistöckige Aufenthaltsräume, «die Luft im Innern bieten, weil es keine Balkone mehr geben wird». 400 Franken kostet einer der 220 Plätze am Galaabend. Essen, Getränke, Unterhaltung, alles inbegriffen.

Die Hälfte des Eintrittspreises geht ans Kinderspital. Durch den Abend führt Fernsehmoderatorin Mona Vetsch. Eine Auktion soll die Kasse klingeln lassen: Versteigert werden eine 400fränkige Sechsliterweinflasche, die Freudenmöwe, eine Plastik von Sabeth Holland, ein Collier oder eine VIP-Loge am CSIO. Auf die Idee des Events haben Noger Bekannte gebracht. St.Galler, die regelmässig zum Kispi-Ball in Zürich eingeladen sind, und fragten: Warum gibt es das hier nicht? «Wir wollten den Anlass nicht einfach kopieren, sondern etwas St.Gallisches daraus machen.» Will heissen: kleiner, feiner. Tanz zur Musik der Band Live Jazz, auch treten die Dai Kimoto Swing Kids und die Streetbeat Dance Company auf.

Noch ehe die erste Kispi-Night vorbei ist, steht fest, dass es eine zweite geben wird. Am 7. März 2021. Und danach Jahr für Jahr eine Ausgabe. «Vielleicht sammeln wir noch einmal für die Ausstattung des Neubaus. Irgendwann aber auch für anderes Wichtiges», sagt Noger. Für die Onkologie. Oder für Palliative Care. «Es muss sich in den Köpfen festsetzen, dass es sie nicht nur am Ende des langen Lebens braucht, sondern auch bei unheilbar kranken Kindern.» Man verdrängt es, weil es traurig macht. Zuerst wird nun mal angestossen.