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Gewerbe in Not: Wohnungen verdrängen Werkstätten in der Region Rorschach

In Rorschacherberg weichen Industrie- und Gewerbeflächen Wohnungen. Wenn Unternehmer einen passenden Ort finden, können sie die Mieten kaum zahlen. Auch in der Hafenstadt verschärft sich das Problem.
Jolanda Riedener
Marco Riedener braucht mehr Platz für seinen Betrieb. Weil er in Rorschacherberg nicht fündig wurde, zieht er weg. (Bild: Jolanda Riedener)

Marco Riedener braucht mehr Platz für seinen Betrieb. Weil er in Rorschacherberg nicht fündig wurde, zieht er weg. (Bild: Jolanda Riedener)

Rorschacherberg gilt als Top-Wohnlage. Die Aussicht auf den See, eine ruhige Nachbarschaft und die hohen Miet- und Eigentumspreise richten sich an Besserverdienende. Gleichzeitig ist der Leerwohnungsbestand in der Gemeinde hoch: Die Leerwohnungsziffer beträgt 5,34 Prozent und ist sogar die höchste im Kanton St. Gallen. Diese Entwicklung macht den Gewerbetreibenden in Rorschacherberg zu schaffen. Insbesondere Handwerker finden erst gar keinen Wohnraum oder sie können die steigenden Mieten nicht mehr zahlen.

Ende April verlässt Marco Riedener, Inhaber der Rima Innenausbau, Rorschacherberg. Angefangen hat er als Einmannbetrieb. Inzwischen ist die Lokalität an der St. Anna-Schloss-Strasse 4 für das wachsende Geschäft mit sechs Mitarbeitern zu klein. Einen neuen Standort ausserhalb der Gemeinde hat er bereits in Aussicht. «Wohneigentum ist lukrativer, das kann ich ja nachvollziehen», sagt Riedener. Er selbst ist in Rorschacherberg aufgewachsen und wohnt auch heute dort: «Es ist alles ziemlich überteuert hier. Das einheimische Gewerbe hat es schwer.»

Beim Forstunternehmen Gebrüder Fuchs rechnet man ebenfalls damit, früher oder später eine neue Lösung suchen zu müssen. «Noch ist es nicht akut. Vermutlich werden aber an unserem Standort Wohnungen gebaut», sagt Martin Fuchs, er führt mit seinem Bruder Franz das Forstunternehmen im Neuhaus, oberhalb des Zentralfriedhofs. Die Gebrüder Fuchs halten die Augen aber offen nach einem geeigneten Ort, wo sie Maschinen einstellen und unterhalten können.

Lange Suche nach zahlbaren Gewerbeflächen

Überlegungen für die Zukunft macht sich auch Christoph Sigrist von der Fitzi Gartenbau AG. Er ist Mieter des Betriebs, der in der Bauzone steht. Einen Kauf der Liegenschaft kann er sich deshalb aus Kostengründen gar nicht vorstellen.

Auch Bauernhöfe haben die Gewerbetreibenden ins Auge gefasst: Ein Anwohner habe schon mehrere Anfragen für den Stall erhalten. Dieser sei derzeit aber nicht zu vermieten, da dort Hühner gehalten werden.

Das Problem ist auch dem Präsidenten des Rorschacherberger Gewerbevereins André Eberhard bekannt. «Wenn immer möglich, versuchen wir, Flächen fürs Gewerbe zu vermitteln», sagt er. Einfach sei das aber nicht. Ein Patentrezept hat auch der Gewerbeverein nicht.

Dass Rorschacherberg immer mehr zur Schlafgemeinde verkommt, lässt Rorschacherbergs Gemeindepräsident Beat Hirs nicht gelten. «Wir sind eine Wohngemeinde», sagt Hirs. Immerhin gut 2000 Personen arbeiten in Rorschacherberg (Stand 2016), Rorschach zählt 5499 Beschäftigte. Historisch verfüge Rorschacherberg nicht über grosse Industriegebiete, einzig auf dem Kopp-Areal oder bei der Starrag.

«Dass direkt am See Wohnen attraktiver ist, liegt auf der Hand»

sagt Hirs. Dennoch setzte man sich fürs hiesige Gewerbe ein. Beim Pfadiheim habe man der Stadt Rorschach ein Grundstück abkaufen wollen, um Gewerbe- und Wohnbau zu realisieren. «Wir hätten es begrüsst, Arbeitsplätze zu schaffen, Rorschach wollte den Boden aber lieber an die Selektivbau AG verkaufen», sagt Hirs. Weitere Erleichterungen sieht die Revision der Ortsplanung vor: In Gebieten mit viel Verkehr wolle man, wenn möglich, im Erdgeschoss Gewerbeflächen und im Obergeschoss Wohnungen realisieren.

Auch in Rorschach werden weiter Wohnungen gebaut

Nicht nur am Berg sind Gewerbeflächen rar, auch in der Hafenstadt haben es Unternehmer im Handwerksektor schwer. An der Löwenstrasse zum Beispiel müssen gleich mehrere Betriebe einem Neubau weichen. Darunter Andreas Fuchs. Im März 2019 muss der Inhaber von Fuchs Rasenmäher und Motorgeräte das Feld räumen. Als regional tätiges Unternehmen sei eine gewisse Nähe zum Kunden erforderlich. «Wohnungen sind ja gut, aber irgendwo müssen die Leute auch noch arbeiten und Geld verdienen», sagt Fuchs. Auch die Kanalprofis nebenan sind betroffen und müssen ihren Standort wechseln.

In der dicht besiedelten Hafenstadt stehen zwar einige Ladenlokale leer, an Räumen fürs Gewerbe und die Industrie mangelt es aber offenbar. Abhilfe schaffen könnte die geplante Überbauung auf dem einstigen Feldmühle-Areal. Die Firma Steiner plant dort neben Wohnungen auch Gewerbeflächen. In welcher Art und in welchem Umfang diese entstehen, ist gemäss Beat Käser, Projektmanager der Steiner AG noch Gegenstand der aktuellen Entwicklung.

Hinweis

Marco Riedener, der im Artikel vorkommt, ist nicht mit der gleichnamigen Autorin verwandt.

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