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Interview

«Als Gemeindepräsident brauchst du eine dicke Haut und einen breiten Rücken»: Steinachs Gemeindepräsident steht noch einmal im Rampenlicht

Roland Brändli fiebert dem Jubiläums-Festspiel entgegen, bei dem er selber auf der Bühne stehen wird. Aus der Politik zieht sich der Steinacher Gemeindepräsident auf Ende Jahr seinen Kindern zu liebe zurück.
Interview: Rudolf Hirtl
Roland Brändli auf der Seebühne Steinach, die eigens für das Jubiläums-Festspiel gebaut wurde. (Bild: Rudolf Hirtl)

Roland Brändli auf der Seebühne Steinach, die eigens für das Jubiläums-Festspiel gebaut wurde. (Bild: Rudolf Hirtl)

Auf Ende Jahr tritt Steinachs Gemeindepräsident Roland Brändli (47) zurück. Eigentlich wollte er dies erst auf Ende 2020 tun, doch er hat gespürt, dass es für die Entwicklung des Dorfes nicht gut ist, wenn zu lange unklar ist, wie es weitergeht. Er hat daher seinen Rücktritt vorverschoben, um den Weg freizumachen. Und, weil er seine Kinder aus dem Schussfeld nehmen will.

Sie sind seit zwölf Jahren Gemeindepräsident von Steinach, haben zweimal die Wiederwahl geschafft, obwohl sie von der Gegnerschaft in Misskredit gebracht wurden und nun, nachdem alles bestens zu laufen scheint, treten Sie zurück. Wieso dieser Entscheid in Raten?

Roland Brändli: Nach zwölf Jahren Politik und im Alter von beinahe 50 Jahren stellt man sich schon die Frage, was passiert mit dem Leben noch. Und weil man in diesem Amt viel mit negativer Kritik konfrontiert ist, bekommt man schon das Gefühl; jetzt ist es langsam genug.

War also die Zeit vor drei Jahren, als eine Interessensgemeinschaft im Dorf versuchte, Ihre Wiederwahl zu verhindern, der Grund für Ihren Rücktritt?

Nein, das war nicht ausschlaggebend. Natürlich musste ich vor allem während der Wahlkämpfe einiges einstecken, ich habe aber auch sehr viele schöne Momente erlebt. 90 Prozent der Arbeit war für mich sehr erfüllend.

Wieso ziehen Sie sich denn nun aus der Politik völlig zurück?

Für die Kinder ist es nicht gut, wenn sie der Öffentlichkeit ausgesetzt sind. Aus diesem Grund war für mich und meine Frau Petra klar, dass ich mich aus der Politik zurückziehe, wenn unsere Kinder ins schulpflichtige Alter kommen.

Bezüglich Ihrer Nachfolge haben Parteien den Wahltermin im kommenden September kritisiert, können Sie das nachvollziehen?

Der Gemeinderat ist der Meinung, dass jene Personen, die sich eine Kandidatur überlegt haben, dies schon länger wissen. Durch meinen vorzeitigen Rücktritt auf Ende dieses Jahres, ursprünglich war er ja auf Ende 2020 gedacht, beschleunigt sich das Ganze etwas. Dies kann aber auch eine positive Dynamik auslösen. So oder so bleibt genug Zeit, um die Wahl vernünftig abzuwickeln.

Was sind die vorhin von Ihnen erwähnten schönen Momente?

Sicher die Projekte, die ich mit meinen Leuten im Gemeindehaus aufgleisen und umsetzen konnte. Es ist befriedigend, wenn man in der Gemeinde etwas Positives bewirken kann. Zu Amtsbeginn übernimmt man erst mal, was die Vorgänger in die Wege geleitet haben. Zum Beispiel die neue Haltestelle der Bahn. Es geht vor allem darum, sich einzuarbeiten. Ab den zweiten vier Jahren fängt man dann an, selber Wirkung zu erzielen, und in der dritten Legislatur ist man voll im Schuss. Man kennt alles, weiss, wo die richtigen Ansprechpartner sind, man kann schnell und effizient arbeiten.

Welche Projekte wollen Sie bis Ende Jahr noch erledigen oder in die Wege leiten?

Die Ausschreibung für den Landverkauf im Zentrum soll erarbeitet werden. Abschliessen können wir die Erneuerung des Richtplanes, und am Laufen ist das Mitwirkungsverfahren beim Zonenplan inklusive Hochhaus. Weiter arbeiten wir am Planungskredit für die Turnhalle, die Sanierung der Steinach und natürlich ist der absolute Höhepunkt dieses Jahr, das Festspiel «WasserLand – ein Sommernachts-Sturm» zum 1250Jahr-Jubiläum der Gemeinde.

Zur Person

Roland Brändli (47) ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er war von 2004 bis 2007 Gemeinderat in Wattwil. Seit 1. Oktober 2007 ist er Gemeindepräsident von Steinach. Er ist eid. dipl. Sportlehrer, hat das Grundstudium Wirtschaft und Recht abgeschlossen, besitzt das
höhere Lehramt für Berufsschulen in
allgemeinbildenden Fächern und die Fachexpertenausbildung Geräte- und Kunstturnen. Von 1992 bis 1999 war er Militärpilot und ist dabei unter anderem den «Tiger» ( F5) geflogen.

Sie engagieren sich persönlich für dieses Jubiläums-Festspiel. Am 8. August hebt sich der Vorhang auf der Seebühne erstmals, wie ist Ihre Gemütslage wenige Tage davor?

Ich freue mich extrem auf diese Premiere. Einerseits natürlich wegen des Stücks selber, weil es wirklich grossartig ist, und andererseits haben sich beispielsweise der gesamte Stadtrat von St.Gallen, vier Regierungsräte und nahezu alle Regionsgemeindepräsidenten angemeldet. Dies ist wirklich eine sehr schöne Wertschätzung. Ausserdem strahlt das Festspiel eine positive Stimmung ins ganze Dorf aus.

Wie läuft denn der Vorverkauf?

Der Vorverkauf für die 14 Aufführungen läuft gut, wir sind ungefähr im Durchschnitt. Bis jetzt sind etwas über 30 Prozent der Tickets verkauft. Am liebsten hätten wir natürlich, wenn alle Vorstellungen ausverkauft wären. Erfahrungsgemäss zieht der Verkauf gegen Ende an, darauf bauen wir.

Was können Besucher vom Festspiel erwarten?

Sehenswert ist es nicht nur für Steinacherinnen und Steinacher. Das musikalische Festspiel wurde speziell für das 1250-Jahr-Jubiläum geschrieben. Es ist professionell besetzt und spielt auf einer wirklich spektakulären Seebühne. Nur schon das Ambiente direkt am Seeufer ist den Eintritt wert. Das Ganze spielt zur Zeit des Klosterbruchs, bekannt als St.Galler Krieg. Das Publikum erfährt viel über die Geschichte, wobei St.Gallen und Rorschach eine entscheidende Rolle spielen.

Stehen Sie auch auf der Bühne?

Ja. Ich bin als Laienschauspieler und bei der Akrobatikgruppe Steinach engagiert. Wir spielen die Schiff-Ablader.

Zurück zur Politik, die Bürgerversammlung hat im Frühling gegen den Willen des Gemeinderates eine Steuerfussreduktion beschlossen. Hat Sie das geärgert?

Ich hätte zwar persönlich noch damit gewartet, dennoch finde ich den Bürgerentscheid eine gute Sache. Es erhöht den Druck für uns, noch besser auf das Geld zu schauen. Und ich denke, dies ist möglich. Ich hätte auch Lust gehabt, diese Vorgabe bis zur nächsten Bürgerversammlung umzusetzen, um zu zeigen, dass es tatsächlich geht.

An der Bürgerversammlung wurden auch eine Fotovoltaikanlage und der Batteriespeicher abgelehnt. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Die bisher von uns eingeschlagene Stossrichtung als Energiestadt ist gut und richtig. Wir haben aber auch gemerkt, dass die Leute teilweise etwas überdrüssig sind in Sachen Fotovoltaik. Manchmal war es gegenüber anderen Themen der Gemeinde vielleicht etwas zu viel des Guten.

Fakt ist aber, dass die Welt vor die Hunde geht, wenn wir nicht besser auf sie aufpassen.

Natürlich machen wir uns im Gemeinderat auch Gedanken über die Klimaerwärmung und begrüssen Initiativen für einen Schutz der Umwelt. Aber es braucht vor allem von oben, vom Bundesrat, aber auch von den grossen Industrienationen Anreize, um wirklich etwas bewirken zu können.

Das Ende Ihrer Amtszeit naht, wie sind Ihre Gedanken dazu?

Ich freue mich auf die restlichen Monate. Es sind überraschend viele Leute auf mich zugegangen und haben gesagt, dass sie meinen Rücktritt bedauern. Selbst im Laden an der Kasse haben mich Menschen angesprochen. Das ist eine schöne Bestätigung und Motivation für meine bisherige und meine restliche Arbeit.

Als Gemeindepräsident haben Sie keinen goldenen Fallschirm, erhalten keine Rente wie etwa ein Bundesrat. Wie geht es nachher weiter, haben Sie keine Existenzängste?

Es gäbe eine Abwahlversicherung, die habe ich aber nicht. Ich habe einfach mich, das muss genügen (lacht). Ich habe ein schönes Büro, einen guten Lohn, coole Aufgaben und ein super Team – also sozusagen ein gemachtes bequemes Nest. Nun reisse ich mich bewusst aus dieser Komfortzone heraus. Ich weiss noch nicht, wie meine Zukunft aussieht. Ich bin selber gespannt, was ich in einem Jahr mache.

Sie haben einiges aushalten müssen, was sagen Sie Leuten, die selbst in die lokale Politik einsteigen wollen?

Unbedingt machen. Als Gemeinderat ist man ja nicht so sehr im Schussfeld. Da kann man nur gewinnen, lernt vieles über die Gemeinde und kann auch etwas bewirken. Wenn es Kritik gibt, dann richtet sich diese ja in erster Line an den Gemeindepräsidenten, aber das ist ja nicht nur in Steinach so. Ich habe schon in der Vergangenheit erwähnt, als Gemeindepräsident musst du zwei Fähigkeiten haben; eine dicke Haut und einen breiten Rücken, damit alle darauf einschlagen können. Und dennoch: Gutes für die Allgemeinheit zu bewirken, ist eine tolle Aufgabe.

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