Gesellschaftsspiel
Ein Spiel aus 36 Holzklötzen: Der HPV Rorschach hat ein 3D-Leiterlispiel entwickelt

Der HPV Rorschach hat ein neues Gesellschaftsspiel produziert. Die ersten 100 Stück sind bereits angefertigt. Die Teile werden in der hauseigenen Werkstatt von Menschen mit Beeinträchtigung hergestellt.

Rita Bolt
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Das Spielfeld setzt sich aus Holzklötzen zusammen. So kann jedes Spiel anders gestaltet werden.

Das Spielfeld setzt sich aus Holzklötzen zusammen. So kann jedes Spiel anders gestaltet werden.

Bild: Tobias Garcia

«Unser Spiel kann dem Niveau der Spielenden angepasst werden», sagt Guido Scherzinger, Produktionsleiter im HPV Rorschach, der die Idee zu diesem 3D-Gesellschaftsspiel hatte. Das Spiel hat 36 unterschiedliche Holzklötze: Grosse und kleine, mit oder ohne Leiter, mit unterschiedlich tiefen Löchern und sogar mit einer Höhle; dieser Klotz wird als Verlies bezeichnet.

«Wer im Verlies landet, hat Pech gehabt und muss mit einer neuen Spielfigur von vorne beginnen.»
Guido Scherzinger, Produktionsleiter.

Guido Scherzinger, Produktionsleiter.

Bild: Tobias Garcia

So erklärt Scherzinger lachend die Regeln. Wer hingegen in eines der kleineren Löcher fällt, ist zwar auch verloren, füllt aber das Loch aus und hilft somit den nächsten Spielenden, die auf dieses Feld kommen.

Es ist ein spezielles Leiterlispiel. Das klassische Leiterlispiel wird auf einem flachen Spielfeld gespielt. An mehreren Stellen sind Felder durch Schlangen, Leitern oder andere Zeichnungen verbunden. Weil es sich beim HPV-Spiel um ein dreidimensionales Spiel handelt, wird das Spielfeld zur Spielarena. «Jeder kann sich seine gewünschte Arena aufstellen. In der Spielanleitung gibt es ein Beispiel, wie diese aussehen könnte», ergänzt der Produktionsleiter.

«Je nachdem, wer die Spielenden sind, kann die Arena einfacher oder komplizierter gestaltet werden.»

Das Ziel des klassischen Leiterlispiels und demjenigen des HPV ist das gleiche: Wer es trotz aller Hindernisse zuerst ins Ziel schafft, hat das Spiel für sich entschieden.

Schlangen und Leitern

Das Leiterlispiel kommt ursprünglich aus Indien und heisst dort Moksha Patamu. Später kam es über England als Snakes and Ladders nach Europa. In Deutschland heisst es heute noch Schlangen und Leitern, wobei auch dort die Schlangen häufig durch Rutschen ersetzt wurden. In der Schweiz heisst es Leiterlispiel.

Guido Scherzinger verfolgt mit diesem Spiel aber ein noch höheres Ziel: Dass er seine Mitarbeitenden beschäftigen kann. Es sind Menschen mit einer Beeinträchtigung. «Optimal sind für sie wiederkehrende Arbeiten. Das heisst, wenn sie viele gleiche Teile herstellen können.» Die 36 Klötze seien zwar unterschiedlich gross, aber die Arbeiten blieben sich gleich: Sägen, hobeln, bohren, schleifen. Die Klötze sind aus Buchen- und Birnenholz und farblos geölt. Angeliefert werde der gesägte Baum, alles Weitere werde in der hauseigenen Schreinerei unter der Anleitung von Berufsbildnerin Ramona Weber gemacht.

Die Verantwortlichen präsentieren das neue Spiel. Die Holzbox wird ebenfalls in der Werkstatt hergestellt. Von links: Ivo Herzog, Verkaufsleiter, Guido Scherzinger, Leiter Produktion, und Ramona Weber, Berufsbildnerin.

Die Verantwortlichen präsentieren das neue Spiel. Die Holzbox wird ebenfalls in der Werkstatt hergestellt. Von links: Ivo Herzog, Verkaufsleiter, Guido Scherzinger, Leiter Produktion, und Ramona Weber, Berufsbildnerin.

Bild: Tobias Garcia

Grundauslastung in der Schreinerei sicherstellen

Das «Leiterlispiel» ist eines von mehreren Produkten, das in der Schreinerei hergestellt wird. Gefertigt werden beispielsweise auch Puzzles oder Nachziehtiere. «Wir bemühen uns, die Grundauslastung in der Schreinerei sicherzustellen», sagt der Verkaufsleiter Ivo Herzog. «Damit unsere Mitarbeiter einen sicheren Job haben.» Durch Auftragsarbeiten für Firmen aus Industrie, Gewerbe und Handel sowie für die öffentliche Hand erwirtschaftet der HPV jährlich einen wesentlichen Ertrag. Holzarbeiten gebe es allerdings weniger, umso wichtiger sei die Produktion von eigenen Produkten, wie dem Leiterlispiel. Die Beschäftigung sei die eine Sache. Die andere: «Unsere Leute sind stolz, wenn sie sehen, was sie geschaffen haben. Das steigert auch ihr Selbstwertgefühl», sagt Scherzinger. Bis jetzt wurden 100 Spiele produziert; die Rückmeldungen jener, die schon gespielt haben, seien durchwegs positiv.

Die hölzigen Spielbausteine sind in einer Holzbox versorgt. Diese wird ebenfalls in der eigenen Schreinerei gefertigt. Das fertige Spiel wird unter dem Namen «Leiterlispiel 3D Kreativbox» verkauft. «Kreativbox deshalb, weil sich jede Spielgruppe ihre eigenen Spielregeln machen kann und die Spielarena dementsprechend aufbaut», erklärt Scherzinger. Es könnten beispielsweise Regeln von «Eile mit Weile» oder anderen Spielen einfliessen. Er spiele selber gerne und bevorzuge es, wenn etwas «Action» dabei sei. Die «Leiterlispiel 3D Kreativbox» ist im Laden des HPV in Rorschach oder online erhältlich.

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