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Geschirr landet im Kehricht: In der Badi Gossau ist das Mehrweggeschirr noch nicht angekommen

In der Badi Gossau werden Wegwerfteller verwendet. Die Stadt kennt kein Reglement zum Mehrweggeschirr.
Laura Widmer
Die neuen Pächter führen das Badirestaurant seit dieser Saison.Bild: Ralph Ribi (19. Juli 2019)

Die neuen Pächter führen das Badirestaurant seit dieser Saison.Bild: Ralph Ribi (19. Juli 2019)

«Fangen Sie hier und heute an und räumen Sie Ihren Abfall weg! Danke», steht auf einer Tafel beim Restaurant im Freibad Gossau. Die neuen Pächter appellieren an das Umweltbewusstsein ihrer Gäste – und sind selbst nicht konsequent.

«Der Sommer bis jetzt war wechselhaft», sagt Thomas Urben, einer der neuen Pächter. Der Mai war verregnet, im Juni war es einige Wochen sehr heiss. Doch Urben ist zuversichtlich. Von den Gästen bekommen die Pächter gutes Feedback, auch die Weisung zur Abfallentsorgung hat keine Probleme gemacht. Im Gegenteil. «Ich sehe eine Besserung», sagt Urben. Vorher habe es viele Gäste gegeben, die alles liegen gelassen hätten. «Dabei ist es ein Selbstbedienungsrestaurant. Dazu gehört auch die Entsorgung.»

Urben ist für die Arbeit vor Ort zuständig, während seine Frau Barbara Maissen sich hauptsächlich um die Buchhaltung kümmert. Das Paar führt nebst dem Badidienst seit vier Wintern das Bergrestaurant Alp Nova in der Lenzerheide mit 18 Mitarbeitern. Zuvor wirtete es über 20 Jahre in Davos.

Wiederverwendbares 
Geschirr ist zu teuer

Auf den Abräumwagen sind die meisten Tabletts leer. Eine benutzte Kaffeetasse, ein Unterteller, aber weder Teller noch Besteck. Die Pächter servieren Pommes frites, Fisch-Knusperli und Badi-Burger auf Wegwerftellern. Diese wandern nach einmaligem Gebrauch in den Abfall. Auch das Ketchup gibt es im Kartonschälchen.

Beisst sich das nicht mit der Forderung an die Gäste, den Abfall der Umwelt zuliebe wegzuräumen? In den «Gossauer Nachrichten» gab es zumindest Kritik. Er habe verschiedene Alternativen angeschaut, sagt Thomas Urben. Glas komme in der Badi nicht in Frage, das sei zu gefährlich. «Für uns ist das wiederverwendbare Geschirr aber leider nicht bezahlbar.» Wenn sich etwas finden liesse, das finanziell machbar sei, wäre er sofort dabei, sagt Urben. «Wir wollen die Pommes frites aber nicht für acht Franken verkaufen müssen.»

Gossau setzt auf 
Freiwilligkeit

In Gossau gibt es keine Auflagen für Veranstalter im Bereich Nachhaltigkeit. Der Stadtrat hat 2009 auf den Erlass eines Reglements verzichtet und setzt auf Freiwilligkeit bei den Veranstaltern. «Auf Empfehlung von Fachleuten», wie Urs Salzmann, Kommunikationsverantwortlicher der Stadt Gossau, sagt. «Damals bestand Kontakt mit den zuständigen Stellen in Zürich, Bern und Basel.» Die Erkenntnis: Freiwilligkeit wirkt mehr. Denn wo es Auflagen gibt, braucht es auch Kontrollen – und Sanktionen, wenn die Auflagen nicht eingehalten werden.

Im selben Jahr beschloss der Stadtrat Gossau, für 2010 und 2011 eine Anschubfinanzierung für ein Mehrwegsystem bei Veranstaltungen auf Gemeindegebiet. Die Zusammenarbeit bestand zwischen den Veranstaltern und Cygnet. Die Firma verkauft oder vermietet Becher, Besteck und Geschirr. Mitentscheidend für den Entschluss war, dass sie ihren Sitz in Gossau (heute Niederwil) hatte.

Die Stadt übernahm für die folgenden zwei Jahre die von Cygnet dem Veranstalter verrechnete Servicepauschale pro Geschirrbox. Das habe gut funktioniert, sagt Geschäftsführer Ernst Brunner. Nach zwei Jahren sei das Budget noch nicht aufgebraucht gewesen. Sechs Veranstalter hätten mitgemacht, einige seien aber nach Ablauf der Finanzierung sofort wieder ausgestiegen. Dabei sei die Miete von Mehrweggeschirr gar nicht unbedingt teurer. «Wenn man alle Faktoren einberechnet, ist es kostenneutral mit hochwertigem Einweggeschirr», sagt Brunner. Aber auch wenn dies nicht der Fall wäre:

«Nachhaltigkeit müsste den Veranstaltern etwas wert sein.»

Mehrweggeschirr 
ist erwünscht

Seit die Anschubfinanzierung ausgelaufen ist, wurde das Thema weder im Stadtrat noch im Stadtparlament aktenkundig, sagt Urs Salzmann. Ein Reglement wurde nicht mehr diskutiert. Bei grösseren Veranstaltungen auf Gemeindegebiet wird der Einsatz von Mehrweggeschirr aber als wünschenswert deklariert.

Auch Ernst Brunner findet es besser, wenn die Veranstalter mit Überzeugung dabei sind, und ist sicher: «Irgendwann kommt der Wandel von selbst.»

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