Gerichtsverhandlung
Er hatte seine Drogensucht mit mehreren Straftaten finanziert: Mann erhält bedingte Freiheitsstrafe von 45 Monaten

Mit Raub, Diebstahl und Drogenhandel hat sich ein knapp 40-jähriger Schweizer seine Sucht finanziert. Nun musste er sich vor dem St.Galler Kreisgericht verantworten. Der Angeklagte war geständig und versicherte, er wolle künftig ein drogenfreies Leben führen.

Claudia Schmid
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Der Beschuldigte brach unter anderem in mehrere Elektronikgeschäfte ein.

Der Beschuldigte brach unter anderem in mehrere Elektronikgeschäfte ein.

Bild: Mareycke Frehner

Dem Beschuldigten wurde vorgeworfen, in den Jahren 2017 bis 2019 eine Vielzahl an Vermögensdelikten begangen zu haben, um seinen Lebensunterhalt und seinen Drogenkonsum zu finanzieren. Die schwersten Straftaten waren drei Raubtatbestände in Elektronikgeschäften in St.Gallen, Gossau und Winterthur, wo er Lautsprecher, Kopfhörer, Laptops und andere Geräte stahl. Als er gestellt wurde, sprühte er mehreren Verkäufern Pfefferspray ins Gesicht. Zwei Verkäuferinnen drohte er, er habe eine Waffe dabei.

Zusammen mit einem anderen Täter beging er fünf Einbrüche im Raum Ostschweiz. Unter anderem suchte er eine Baustelle im Osten der Stadt St.Gallen auf und entwendete Baumaschinen. Hinzu kamen zehn Ladendiebstähle, bei denen er es meistens auf elektronische Geräte abgesehen hatte. Im Zug klaute er einen Koffer von der Gepäckablage. In einem Park und am Bahnhof St.Gallen verkaufte er zudem gestohlene Elektronikgeräte und machte sich damit der Hehlerei schuldig.

Nachdem ihm der Führerausweis entzogen worden war, setzte er sich ans Steuer eines Autos, das mit gestohlenen Kontrollschildern versehen war. Zum Zeitpunkt der Fahrt war er aufgrund Drogenkonsums nicht fahrfähig. Auch machte er sich wegen Konsum und Handel verschiedener Betäubungsmittel strafbar und bewahrte gestohlene Waffen wie meldepflichtige Dolche und Revolver auf.

Ein drogenfreies Leben anstreben

Der Beschuldigte war vollumfänglich geständig und wurde von der Staatsanwaltschaft im abgekürzten Verfahren angeklagt. Er befinde sich derzeit im vorzeitigen Massnahmenvollzug, erzählte er an der Gerichtsverhandlung am Kreisgericht St.Gallen. Er habe sich dort gut eingelebt und verfolge das Ziel, künftig ohne Drogen und Ersatzmittel zu leben. Er hoffe, nach dem Massnahmenvollzug wieder in den ersten Arbeitsmarkt einsteigen zu können.

Sein bisheriges Leben sei strub verlaufen, betonte er weiter. Er habe mit den Straftaten die Drogen finanziert, die er konsumiert habe, weil er im Alltag nicht zurechtgekommen sei. Eigentlich habe er bei den Delikten nie jemandem Angst machen oder Schmerzen zufügen wollen. Leider sei es mit dem Einsatz von Pfefferspray trotzdem dazu gekommen. Dies bereue er sehr.

Sein Verteidiger erklärte, er sei erfreut und zufrieden, dass sein Mandant die Massnahme bereits habe antreten können und sie bisher gut verlaufe. Er sei überzeugt, dass der Beschuldigte einen Schlussstrich unter seine deliktische Zeit setzen und ein gesetzeskonformes Leben führen werde.

Freiheitsstrafe von 45 Monaten

Das Kreisgericht St.Gallen erhob die Anträge der Staatsanwaltschaft zum Urteil. Damit wurde der Beschuldigte des mehrfachen Raubes, des gewerbsmässigen Diebstahls, der mehrfachen Sachbeschädigung, des mehrfachen Hausfriedensbruchs, der mehrfachen Hehlerei, des Fahrens in fahrunfähigem Zustand, des Führens eines Motorfahrzeuges trotz Entzug des Führerausweises, der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz, des mehrfachen Vergehens gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der mehrfachen Übertretung des Betäubungsmittelgesetzes schuldig erkannt.

Er erhielt eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten, wobei die Strafe zu Gunsten einer stationären Suchtbehandlung aufgeschoben wird. Zudem wurde ihm eine Busse von 400 Franken auferlegt. Die Verfahrenskosten, die zu seinen Lasten gehen, betragen rund 50'000 Franken.