Gerichtsfall
Frauen belästigt, geohrfeigt, angespuckt und gebissen: St.Galler Kreisgericht schickt 31-Jährigen für 14 Monate ins Gefängnis

Ein Somalier hat unter Alkoholeinfluss drei Frauen und einen Mann belästigt und geschlagen. Zudem zerstörte er die Ausseneinrichtung einer Bar und versuchte, einen Bus zu starten. Er muss für 14 Monate ins Gefängnis. Des Landes verwiesen wird er aber nicht.

Claudia Schmid
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Das Kreisgericht St.Gallen sprach den Beschuldigten unter anderem der mutwilligen Belästigung, der einfachen Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs schuldig.

Das Kreisgericht St.Gallen sprach den Beschuldigten unter anderem der mutwilligen Belästigung, der einfachen Körperverletzung und des Hausfriedensbruchs schuldig.

Bild: Hanspeter Schiess

Die Staatsanwaltschaft hatte den vorbestraften Beschuldigten wegen zahlreicher Tatbestände angeklagt. Sie beantragte am Kreisgericht St.Gallen eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, eine Busse von 2000 Franken und eine Landesverweisung von zehn Jahren.

An der Gerichtsverhandlung wurde der Beschuldigte zu den Straftaten befragt, welche die Anklage ihm vorwarf. Die erste ereignete sich im November 2019. Der Beschuldigte sprach in der Nähe des Hauptbahnhofes in St.Gallen früh am Morgen eine 17-jährige Frau an und wollte von ihr wissen, wie alt sie sei, ob sie Kinder habe und ob sie verheiratet sei.

Sie entgegnete ihm, sie sei verlobt und lief weiter. Der Beschuldigte folgte ihr, hielt sie am Handgelenk fest und sagte zu ihr: «Nein, Du gehst nicht, Du bleibst jetzt bei mir.» Die junge Frau konnte seine Hand abschütteln und weglaufen. Zu diesem Vorwurf erklärte der Mann, er könne sich nicht mehr daran erinnern, da er zu betrunken gewesen sei.

Er verlangte Bier in einem noch geschlossenen Lokal

Unmittelbar nach dem Vorfall betrat der Mann eine Café-Bar und verlangte von der Mitarbeiterin des Cafés ein Bier. Sie sagte ihm, das Lokal sei noch geschlossen, worauf er ihr zwei Ohrfeigen verpasste. Danach packte er sie laut Anklageschrift hinter der Theke am Hals, drückte zu, spuckte ihr ins Gesicht und sagte zu ihr:

«Wenn ich wollte, könnte ich dich vergewaltigen.»

Der Beschuldigte gab zu, der Frau zwei Ohrfeigen gegeben zu haben, jedoch bestritt er die weiteren Angriffe. Am Abend des gleichen Tages hielt sich der Beschuldigte in einer anderen Bar auf. Dort begab er sich zu einem an der Bar stehenden Mann, formte seine Hände zu einer Pistole und drohte ihm, er werde ihn töten. Später schlug er ihm die Faust ins Gesicht. Das Opfer erlitt eine Platzwunde.

Am nächsten Morgen ging der Somalier auf die Terrasse der noch geschlossenen Bar und zerschlug die Verglasung der Rattanmöbel und beschädigte Gasheizstrahler, Stühle, Tische und zwei Überwachungskameras. Es entstand Sachschaden von 6000 Franken.

Er sei rund drei Tage betrunken gewesen

Einige Tage später stieg der Mann in einen Bus der VBSG ein und begann mit einem Fahrgast zu streiten. Die Chauffeurin ging zu den beiden Streitenden und forderte sie auf, je an einem Ende des Busses Platz zu nehmen, sodass sie ungestört in Richtung Bahnhof fahren könne. Der Beschuldigte setzte sich hingegen auf den Fahrersitz des Busses, versuchte, den Bus zu starten, nahm das Steuerrad in die Hände und hämmerte auf den Knöpfen des Armaturenbretts herum.

Als die Chauffeurin den Schlüssel aus der Zündung nehmen wollte, biss ihr der Beschuldigte in den linken Unterarm, boxte ihr mindestens einmal gegen den Körper, schlug ihr ins Gesicht und spuckte sie an. Er sei rund drei Tage lang besoffen gewesen und erinnere sich nicht mehr genau an den Vorfall, erklärte dazu der Angeklagte.

Anklage verlangt fakultative Landesverweisung

Im Weiteren hielt er sich nach der bedingten Entlassung aus dem Strafvollzug im Mai 2019 nicht an die Bewährungsauflagen. Nach einer fürsorgerischen Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik tauchte er zudem für einige Zeit unter. Obwohl sich der Beschuldigte keiner sogenannten Katalogtat schuldig gemacht hatte, verlangte der Staatsanwalt eine fakultative Landesverweisung.

Der Beschuldigte sei notorisch straffällig geworden, habe für jeden Vorwurf eine Entschuldigung oder Erklärung und zeige keine echte Reue. Der Verteidiger beantragte eine ganze Reihe von Freisprüchen, eine teilbedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr und eine Busse von 300 Franken. Auf jeden Fall sei von einer Landesverweisung abzusehen. Die Wegweisung nach Somalia sei für seinen Mandanten nicht zumutbar, da die Situation dort prekär sei und er keine Verwandten mehr dort habe.

Gericht sieht von Landesverweisung ab

Zudem beabsichtige der Beschuldigte, nach Frankreich auszureisen, da eigentlich das Nachbarland für das Asylverfahren zuständig sei. Das Kreisgericht St.Gallen fällte einige Freisprüche, sprach ihn aber der mutwilligen Belästigung, der einfachen Körperverletzung, der Tätlichkeiten, des Hausfriedensbruchs, der Sachbeschädigung, der Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte sowie der Missachtung von Bewährungshilfe oder Weisungen schuldig.

Es verurteilte ihn unter Einbezug einer früheren Reststrafe zu 14 Monaten Gefängnis und zu einer Busse von 800 Franken. Auf eine Landesverweisung verzichtete das Gericht.

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