Gerichtsfall
DNA-Spuren belasten ihn: 36-Jähriger muss wegen Einbruch in Mehrfamilienhaus in Gossau das Land verlassen

Ein Mann hat sich vergeblich gegen den Vorwurf gewehrt, einen Einbruch begangen zu haben. Das Kantonsgericht St.Gallen ist von seiner Schuld überzeugt. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten und eine Landesverweisung von fünf Jahren.

Claudia Schmid
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Im Januar 2018 wurde in ein Mehrfamilienhaus in Gossau eingebrochen.

Im Januar 2018 wurde in ein Mehrfamilienhaus in Gossau eingebrochen.

Symbolbild: Kantonspolizei St.Gallen

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den bosnischen Staatsbürger wegen zwei Einbrüchen in Gossau angeklagt. Bereits das Kreisgericht St.Gallen sprach ihn Mitte 2019 vom Vorwurf des ersten Einbruchs frei. Beim zweiten sah es aber die Schuld als erwiesen an, verurteilte ihn zu einer unbedingten Freiheitsstrafe und sprach eine Landesverweisung aus. Gegen dieses Urteil erhob der Beschuldigte Berufung und beteuerte am Kantonsgericht St.Gallen seine Unschuld.

Konkret ging es darum, dass ihm ein Einbruchdiebstahl in einem Mehrfamilienhaus an der Isenringstrasse in Gossau angelastet wurde. Der Täter war in einer Januarnacht 2018 über ein Fenster in die Kellerräumlichkeiten eingedrungen, hatte ein Auto in der Tiefgarage aufgebrochen und den Wagen schliesslich mit Öl übergossen, um Spuren zu verwischen.

Die Untersuchungsbehörden sicherten am Einstiegsfenster DNA-Spuren des Beschuldigten. Ausserdem fanden sie in einem Abfallcontainer in der Nähe der Liegenschaft ein Vierkanteisen. Sie vermuteten, dass damit das Auto aufgebrochen worden war.

Mit Freunden im Ausgang unterwegs

Im Berufungsverfahren am Kantonsgericht St.Gallen betonte der Mann mehrmals, er sei absolut unschuldig. Zur Tatzeit sei er gar nicht in Gossau, sondern bis in die frühen Morgenstunden mit Kollegen im Ausgang unterwegs gewesen. Seine damalige Freundin hatte bei der Polizei allerdings zu Protokoll gegeben, er habe ihr in einer Handynachricht geschrieben, er sei nachts um 1.30 Uhr nach Hause gekommen.

Die Freundin sei sehr eifersüchtig gewesen, weshalb er ihr verheimlicht habe, dass er sich mit seinen Kumpels sicher bis 4 oder 5 Uhr morgens in einem Nachtclub aufgehalten habe, begründete er die Handynachricht. Weshalb seine DNA-Spuren beim Kellerfenster gefunden worden seien, könne er sich nicht erklären. Er vermute aber einen Racheakt, weil er bei den Thurgauer Strafbehörden gegen einen Bekannten ausgesagt habe. Er selber wurde im Juli 2019 im Nachbarkanton rechtskräftig verurteilt.

Arbeitsstelle und Freundin verloren

Auch für einen elektronischen Türöffner, einen Schlüsselbund und zwei weitere Kabaschlüssel, die zu Häusern im Zentrum von Gossau gehörten und in seiner Wohnung gefunden wurden, hatte der Beschuldigte eine Erklärung. Er habe auf der Strasse einen Holztisch mitgenommen, an dem ein Zettel mit der Aufschrift «gratis abzugeben» geklebt habe. Später habe er dann in der Schublade des Tisches die Schlüssel gefunden. Die Anklage hatte vermutet, die Schlüssel könnten für weitere Einbrüche vorgesehen sein.

Der Verteidiger forderte einen Freispruch von Schuld und Strafe und eine Genugtuungssumme von über 13'000 Franken. Sein Mandant habe durch die zu Unrecht erlittene Untersuchungshaft seine Arbeitsstelle und seine Freundin verloren. Die Beweise gegen ihn seien viel zu schwach für eine Verurteilung. Es sei nicht erwiesen, dass das gefundene Vierkanteisen tatsächlich das Tatwerkzeug sei.

Fünf Jahre Landesverweisung

Da Handyfotos vom Ausgang mit den Kumpels existierten, sei hingegen sein Alibi hieb- und stichfest. Sehr unwahrscheinlich sei, dass sich sein Mandant nach dem stundenlangen Feiern im Nachtclub in den frühen Morgenstunden auf Einbruchstour begeben habe. Bezüglich der gefundenen DNA-Spuren sprach der Verteidiger ebenfalls von einem möglichen Komplott. Es könne durchaus sein, dass ihn ein ehemaliger Komplize habe anschwärzen wollen.

Das Kantonsgericht St.Gallen war von der Schuld des Mannes überzeugt und verurteilte ihn wegen Diebstahls, qualifizierter Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Es verhängte eine Freiheitsstrafe von sieben Monaten und eine Landesverweisung von fünf Jahren. Der Beschuldigte hat rund 20'000 Franken an die Kosten für die Untersuchungs- und Gerichtsverfahren zu zahlen.