Genuss
Zu Tisch: Indische Götter und Gewürze im St.Galler Restaurant Samosa

Seit 15 Jahren wärmt Ganesh Bredeka Herz und Magen seiner Gäste. Mit ehrlicher indischer Küche und ebenso bunten Geschichten.

Melissa Müller
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Vater und Sohn: Ganesh Bredeka (rechts) und Sunil bewirten die Gäste gemeinsam.

Vater und Sohn: Ganesh Bredeka (rechts) und Sunil bewirten die Gäste gemeinsam.

Bild: Tobias Garcia

Wer das indische Restaurant Samosa an der Engelgasse in St.Gallen besucht, betritt eine andere Welt: «Little India» steht an der Wand. «Herzlich willkommen», begrüsst der stets gut gelaunte Wirt Ganesh Bredeka seine Gäste, mit denen er per Du ist.

Seit 15 Jahren führt er das Lokal. Sein Sohn Sunil, der das Lokal übernehmen darf, serviert ein köstliches Mango-Lassi (4 Franken), aus sonnengelben reifen Früchten gemixt. Bredeka importiert die Mangos aus Indien und friert sie ein, um sie stets griffbereit zu haben.

Am Tisch nebenan sitzt die frisch gewählte Stadtpräsidentin

Schallendes Gelächter hallt durchs Restaurant. Der Chef und sein Koch klopfen Sprüche in der offenen Küche. Die heitere Stimmung überträgt sich auf den Gast, der mittags nicht überlegen muss. Denn es gibt nur zwei Menus, ein vegetarisches (17 Fr.) und eins mit Fleisch (19 Fr.). Hier weiss man, was man bekommt: Reis mit mehreren Gemüsevarianten. Das schätzt auch die neue Stadtpräsidentin, die ebenfalls hier ihre Mittagspause verbringt, wie der Wirt erfreut bemerkt.

Der Teller ist grosszügig gefüllt bis an den Rand: In der Mitte eine Portion Basmatireis, drum herum pikante grüne Bohnen, Kohlrabi an einer roten Sauce und ein Linsen-Daal mit Kokosmilch von angenehmer Schärfe.

Auch Veganer finden hier ihr Glück

Dazu gibt's eine Raita, ein Dip auf der Basis von Joghurt und Gurken, der bei indischem Essen traditionell serviert wird. Eine Raita löscht jedes Chili-Feuer. Ein Bibliothekar, der hier Stammgast ist, schwärmt:

«Die Raita von Ganesh ist einfach perfekt; schön ausgewogen, ohne zu viel Knoblauch.»

Doch auch wegen der familiären Atmosphäre kehre er mindestens einmal die Woche im «Samosa» ein. Für Veganer gibt es eine Raita aus Sojamilch. Ganesh hat einige Stammgäste des Vereins Vegallen, die sich rein pflanzlich ernähren. «Das ist ein Trend, der mir entgegenkommt.»

Der Chef hält das Angebot bewusst einfach, ohne Etepetete. Abends gibt's auch Tandoori Chicken, Samosas und Pakoras, und die Speisen werden in silbernen Schalen serviert.

Der bald 63-Jährige bleibt trotz wirtschaftlich schwieriger Zeit und Kurzarbeit bei Laune. Da viele Gäste ausbleiben, will er vermehrt Produkte aus eigener Herstellung verkaufen, wie Chutneys und Gewürzmischungen.

Der Wirt ist auch ein Märchenonkel

Der gelernte Landwirt, der seit 1981 in St.Gallen lebt, verwickelt einen gern in ein Gespräch. Der Wirt ist hier auch ein bisschen ein Märchenonkel. Jede indische Gottheit habe ein Tier: Krishna hat eine Kuh, der Elefantengott Ganesha eine Maus.

Der Wirt ist hier auch ein bisschen ein Märchenonkel. Jede indische Gottheit habe ein Tier: Krishna hat eine Kuh, der Elefantengott Ganesha eine Maus. Auch über Gewürze weiss der bald 63-Jährige viel zu erzählen. Asa Foetida, auch Teufelsdreck genannt, sei sein Lieblingsgewürz. Der Mann, der Pflanzensamen sammelt, lässt die Gäste Moringakerne degustieren. «Da, wo ich aufgewachsen bin, gab es keinen Zucker. Darum kauten wir als Kinder Moringa­samen.» Beisst man hinein, entfaltet sich ein bitterer Geschmack, der dann ins Süssliche kippt und wie Süssholz schmeckt. So wird eine Mittagspause unverhofft zur kulinarischen Entdeckungsreise.

Restaurant Samosa

Engelgasse 20, 9000 St.Gallen,

Mo bis Di: 11:30–14 Uhr, 
Mi bis Sa: 11:30–14 Uhr und 18 -22 Uhr

Telefon: 071 222 43 21 und 079 600 07 31

www.samosa.ch