Genügend Trinkwasser und mehr Fernwärme in St.Gallen

Trotz Hitzesommer stand 2018 in St.Gallen immer genug Wasser zur Verfügung. Dies geht aus dem Geschäftsbericht der Stadtwerke hervor. Ausserdem wurde im vergangenen Jahr die Fernwärme um mehr als 3000 neue Haushalte ausgebaut.

David Grob
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Die Fernwärmezentrale Waldau ist ein wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts 2050. (Bild: Hanspeter Schiess (12. Dezember 2018))

Die Fernwärmezentrale Waldau ist ein wichtiger Bestandteil des Energiekonzepts 2050. (Bild: Hanspeter Schiess (12. Dezember 2018))

Rund 6,2 Millionen Kubikmeter Wasser haben die St. Gallerinnen und St. Galler im vergangenen Jahr verbraucht. Dies sind 20000 Kubikmeter mehr als 2017. Der Sommer 2018 mit Rekordhitze und lang anhaltender Trockenheit stellte viele Städte und Gemeinden vor Probleme bei der Wasserversorgung. Nicht so St. Gallen. Zu keiner Zeit habe es im Sommer Einschränkungen gegeben, heisst es im Geschäftsbericht fürs vergangene Jahr der St. Galler Stadtwerke.

«Die Versorgung war stets sichergestellt», sagt Peter Jans, der als Stadtrat der Direktion Technische Betriebe vorsteht, zu der auch die St. Galler Stadtwerke gehören. Zwischen 25000 und 26000 Kubikmeter Wasser haben die St. Gallerinnen und St. Galler an einem Sommertag 2018 verbraucht. Zum Vergleich: Im Rekordsommer 2003 hatte der tägliche Wasserverbrauch nochmals höher gelegen, nämlich bei rund 33000 Kubikmetern.

Der Grund für die sichere Trinkwasserversorgung: Die Stadtwerke beziehen ihr Trinkwasser aus dem Bodensee. Das Seewasserwerk Frasnacht der regionalen Wasserversorgung St. Gallen AG kann dem See täglich bis zu 70000 Kubikmeter entnehmen. Dieses Seewasser wird für 13 Ostschweizer Gemeinden aufbereitet. Auf das Quell- und Grundwasser im Stadtgebiet wird hingegen nur noch im Notfall zurückgegriffen. Zu wenig davon stehe zur Verfügung, heisst es im Geschäftsbericht.

Fernwärme ist gefragt

Auch bei der Fernwärme hat die Stadt zugelegt. Rund zwölf Prozent mehr Wärme haben die St. Galler 2018 gegenüber dem Vorjahr bezogen. So hatten die Stadtwerke einen Anstieg von 121000 auf rund 136000 Megawattstunden zu verzeichnen. Der Grund liegt im Ausbau des Fernwärmenetzes. Die Zahl der Haushalte und Betriebe, die mit Fernwärme versorgt werden, ist im vergangenen Jahr von 12067 auf 15724 gestiegen – das ist eine Zunahme um rund 30 Prozent oder um mehr als 3000 Haushalte. «Dies hat vor allem mit dem Ausbau in Quartiere östlich der Altstadt Richtung Heiligkreuz zu tun», sagt Jans.

Die Erweiterung Richtung Osten bedingte aber gewissen Vorarbeiten: Die Stadtwerke schreiben im Geschäftsbericht:

«Der Ausbau verlangt nach einer höheren Transportkapazität von der Fernwärmezentrale Waldau in Richtung Stadtzentrum.»

Zu diesem Zweck wurde im Sommer 2018 ein Engpass an der Zürcher Strasse im Lachen-Quartier beseitigt, indem über eine Länge von 600 Metern eine neue Leitung verlegt wurde. Dadurch könne die Stabilität des Fernwärmenetzes auch bei steigender Nachfrage gewährleistet werden, heisst es im Geschäftsbericht.

Der Ausbau ist ein wichtiger Teil des städtischen Energiekonzepts 2050, mit dem erneuerbare Energien gefördert werden und eine effizientere Nutzung angestrebt wird. Ein Teil der produzierten Wärme stammt aus der Fernwärmezentrale Waldau, die Anfang 2017 in Betrieb genommen wurde und die der erste Hochbau des Energiekonzepts ist.

Auch bei der Elektrizität sind 2018 die Zahlen leicht gestiegen. 501 Gigawattstunden Strom haben die Kundinnen und Kunden der St. Galler Stadtwerke im vergangenen Jahr bezogen. 2017 waren es 493 Gigawattstunden, also acht weniger.

Stadtwerke liefern 2018 weniger Erd- und Biogas

Rückläufig waren 2018 bei den St. Galler Stadtwerken einzig die Zahlen bei Erd- und Biogas. Um knapp 60000 Megawattstunden ist der Bezug durch die Verbraucher gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen; er ist von 1,14 auf 1,08 Millionen Megawattstunden gesunken. Gleichzeitig konnten die Stadtwerke die Zahl der Lecks in den Gasleitungen «deutlich senken», wie dem Geschäftsbericht 2018 zu entnehmen ist.

Die Verantwortlichen führen dies auf regelmässige Kontrollen und rasch ausgeführte Unterhaltsarbeiten zurück. Ausserdem wurden an vier neuralgischen Punkten im Gasnetz Druckmesser installiert, um mögliche Druckabfälle online zu überwachen. «Dies ist insbesondere im Winter hilfreich, wenn das Netz stark beansprucht wird», heisst es im Geschäftsbericht dazu.

Finanziell haben die Stadtwerke 2018 leicht unter dem Vorjahresergebnis von 12,8 Millionen Franken abgeschlossen. Der Gewinn lag im vergangenen Jahr noch bei 11,4 Millionen. Die flüssigen Mittel sind von rund 13,9 Millionen Franken 2017 auf noch rund 8,2 Millionen gesunken. Das Eigenkapital ist gemäss Geschäftsbericht von 45 auf 53 Millionen Franken gestiegen.


  • Strom Mix: Mit dem Verkauf der «St. Galler Strom»-Produkte erwirtschaften die Stadtwerke Mehreinnahmen, die sie laut eigenen Angaben in den Bau von Anlagen für ökologisch sinnvoll produzierte Energie investieren. Konkret geht es um rund drei Millionen Franken, die pro Jahr zweckgebunden für den Ausbau der ökologischen Stromproduktion eingesetzt werden. Dadurch gestaltet sich der St.Galler Strom-Mix umweltverträglicher, weil immer mehr Strom aus erneuerbarer und ökologisch sinnvoller Produktion zur Verfügung steht. An der neuen Zusammensetzung der Stromprodukte zeigt sich, dass sich dieses Vorgehen lohnt: Gesamthaft gesehen ist der Anteil an erneuerbarer Energie gestiegen. (dwi)
  • LED-Strassenleuchten: Im Sommer 2018 haben die Stadtwerke an der Oberstrasse 60 neuartige LED-Strassenleuchten installiert. Sie sind in der Lage, Funksignale zu empfangen und zu senden sowie untereinander zu kommunizieren. So können einzelne oder gruppierte Leuchten ein- und ausgeschaltet oder die Lichtstärke bei Bedarf variiert werden. Weiter wird die Lichtintensität automatisch an das Verkehrsaufkommen angepasst, sodass sich der Energieverbrauch und die Lichtemissionen auf ein Minimum reduzieren, wenn nachts nur wenig Verkehr herrscht. Während des Pilotprojekts wird die intelligente Strassenbeleuchtung überprüft. Bewährt sie sich, wird sie gemäss Geschäftsbericht an weiteren Orten installiert. (dwi)
  • Kinderspital: Richtig gelagerte Medikamente sowie Muttermilch sind für das Kinderspital St. Gallen von enormer Wichtigkeit. Im Jahr 2018 haben die St.Galler Stadtwerke gemäss Geschäftsbericht die Kühlschränke und Tiefkühler des Spitals mit Sensoren und Funksendern ausgerüstet, damit die Temperaturüberwachung künftig effizienter funktioniert. Im Falle einer kritischen Temperaturveränderung erhält ein Techniker automatisch einen Alarm via SMS und kann sofort reagieren. Möglich macht dies das Long Range Wide Area Network (LoRaWAN), das die Stadtwerke flächendeckend in der Stadt aufgebaut haben. Beim sogenannten Smartnet handelt es sich laut SGSW um ein strahlungsarmes Funknetz. (dwi)
  • Solarstrom:  Möglichst viel Strom aus der Fotovoltaikanlage im eigenen Haus nutzen zu können, war nicht ganz einfach. Anfang 2018 hat sich dies gemäss der Stadtwerke geändert: Der Bund ermöglicht neu den Zusammenschluss zum Eigenverbrauch (ZEV). Er ermöglicht Liegenschaftseigentümern, den auf dem eigenen Dach produzierten Solarstrom anderen Bewohnern der Liegenschaft zur Verfügung zu stellen. Als Folge haben die Stadtwerke Lösungen lanciert, um Interessierte bei der Gründung und der Verwaltung eines ZEV zu unterstützen. Ein ZEV profitiert von den Erfahrungen der Stadtwerke: Pro Jahr verarbeiten diese Messdaten von 70'000 Zählern, welche die Grundlage für 360'000 Rechnungen sind. (dwi)
  • Druckerhöhung: Eine höhere Flexibilität beim Transport und eine Verbesserung der Versorgungssicherheit: Die Druckerhöhung von einem auf fünf Bar macht das Gasnetz der St.Galler Stadtwerke fit für die Zukunft, wie diese in ihrem Geschäftsbericht für das Jahr 2018 schreiben. Die Umsetzung dieses Grossprojekts habe bereits mehrere Jahre in Anspruch genommen; nun befinde sich das Vorhaben aber auf der Zielgeraden. Im vergangenen Jahr haben die Stadtwerke den Druck zwischen Bildweier und Vonwil erhöht, wie sie schreiben. Zudem konnten sie wichtige Vorarbeiten für die letzte Hauptetappe der Druckerhöhung leisten, nämlich jene auf der Hauptachse zwischen Vonwil und Schellenacker. (dwi)