«Genug ist genug»: Verwaltungsratspräsidentin Kathrin Hilber und drei weitere Verwaltungsräte der Sana Fürstenland AG verzichten auf Wiederwahl

Jetzt ist klar: An der Generalversammlung von heute Dienstag haben die Präsidentin und drei Verwaltungsräte ihren Verzicht auf eine Wiederwahl für eine weitere Amtsdauer bekanntgegeben. Als Grund nennen sie Misstrauen aus der Gossauer Politik.

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Kathrin Hilber, Verwaltungsratspräsidentin der Sana Fürstenland AG, verzichtet auf eine Wiederwahl.

Kathrin Hilber, Verwaltungsratspräsidentin der Sana Fürstenland AG, verzichtet auf eine Wiederwahl.

Bild: Ralph Ribi

An der Generalversammlung der Sana Fürstenland AG ist es am Dienstag zum erwarteten Beben gekommen: Die frei gewählten Mitglieder des Verwaltungsrats – Präsidentin Kathrin Hilber, Erol Doguoglu, Urs Kempter und Monika Wohler – stellen sich nicht mehr für eine weitere zweijährige Amtsdauer zur Verfügung. Als Grund nennen sie in einer Medienmitteilung Misstrauen gegenüber dem Verwaltungsrat, von dem man aus den Medien erfahren habe.

Die Regierung der Stadt Gossau als Hauptaktionärin hatte zwar sämtliche Verwaltungsratsmitglieder zur Wiederwahl empfohlen. Allerdings dürfte das nicht die einzige Meinung im Stadtrat gewesen

Mitglieder bleiben bis spätestens Ende Jahr

Hilber, Doguoglu, Kempter und Wohler wurden gestern Dienstag dennoch wiedergewählt, wenn auch bis maximal Ende Jahr. «Wir tragen die Verantwortung zugunsten eines geordneten Übergangs für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Nachher übergeben wir den Stab an unsere Nachfolger», erklärt Kathrin Hilber auf Anfrage.

SVP-Ortsparteipräsident Andreas Oberholzer hatte durch die Blume Kathrin Hilbers Rücktritt gefordert.

SVP-Ortsparteipräsident Andreas Oberholzer hatte durch die Blume Kathrin Hilbers Rücktritt gefordert.

PD

Die befristete Wiederwahl sei «einstimmig und mit grossem Dank der Aktionäre» erfolgt. Sie sei froh, herrsche nun Klarheit, aber auch erschüttert über das Misstrauen, dass dem Verwaltungsrat aus der Gossauer Politik entgegengeschlagen habe.

Stadtrat lobt die Abtretenden und die Verbleibenden

In einer Mitteilung lobt der Gossauer Stadtrat die scheidenden Verwaltungsratsmitglieder und namentlich die Präsidentin für ihr Engagement, das weit über das übliche Mass hinausgehe. Und er nimmt erfreut zur Kenntnis, dass die übrigen Verwaltungsratsmitglieder – Stadträtin Helen Alder und Finanzchef Heinz Loretini sowie der Gaiserwalder Gemeindepräsident Boris Tschirky als Vertreter der Minderheitsaktionärinnen – «sich weiterhin uneingeschränkt für die Sache der Sana Fürstenland AG» einsetzten.

«Viel erreicht»

Weiter heisst es im Communiqué der Abtretenden, dass der Verwaltungsrat seit 2013 engagiert daran gearbeitet habe, den angestrebten Neubau im Zentrum und schliesslich als Zwischenschritt das Provisorium bei der Schwalbe umzusetzen. Diese Übergangslösung soll helfen, die Sana Fürstenland AG bis zum Bezug des Neubaus auf eine bessere finanzielle Basis zu stellen.

Die Hoffnungen der Sana Fürstenland AG ruhen auf dem Neubau.

Die Hoffnungen der Sana Fürstenland AG ruhen auf dem Neubau.

PD

«In den letzten sieben Jahren wurde viel gearbeitet, Tausende Stunden ehrenamtlicher Zeit für das künftige Alterszentrum in Gossau geleistet. Trotz Widerständen und Hindernissen auf verschiedenen Ebenen wurde viel erreicht», schreiben die scheidenden Verwaltungsratsmitglieder.

Fehler der Stadt wirken sich auf Sana Fürstenland aus

Die Verantwortung für das blockierte Bauprojekt liege anderswo: «Die Fehler im Baubewilligungsprozess sind bei der Stadt passiert, sie wirken sich aber auf die Finanzen der Sana Fürstenland AG aus», sagt Hilber.

Das öffentlich geäusserte Misstrauen habe eine Plattform für die Verbreitung rufschädigender Unwahrheiten über die Sana Fürstenland und ihre Personen zu verbreiten, schreiben die Verwaltungsräte: «Genug ist genug.»

Ersatz Ende Jahr oder schon früher

Der Stadtrat muss nun gemäss seiner Mitteilung auf Anfang 2021 Ersatz für die scheidenden Verwaltungsratsmitglieder finden. Sollte das schon vorher gelingen, dürften die nun befristet Wiedergewählten ihre Ämter wohl bereits abgeben.

Stadtpräsident Wolfgang Giella, der Gossau als Hauptaktionärin vertritt, war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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