Für Alters-WG: Genossenschaft kauft Land

Mit der geplanten Hausgemeinschaft für Menschen ab 55 in Gossau geht es vorwärts.

Perrine Woodtli
Hören
Drucken
Teilen
Aus drei Häusern soll die Hausgemeinschaft an der Bedastrasse in Gossau dereinst bestehen.

Aus drei Häusern soll die Hausgemeinschaft an der Bedastrasse in Gossau dereinst bestehen.

Bild: Michel Canonica (5. Januar 2020)

Selbstständig sein, aber trotzdem nicht ganz alleine wohnen. Eine schöne Vorstellung für manche Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Eine Hausgemeinschaft mit Privatsphäre plus Gemeinschaftsräume ist für immer mehr Personen eine Option. In Gossau existiert kein solches Angebot. Noch nicht. Der Verein «Wohnen im Alter» plant eine Hausgemeinschaft an der Bedastrasse für Menschen ab 55 Jahren. Ziel ist ein gemeinnütziges Wohnungsangebot mit erschwinglichen Mietpreisen. Das Projekt solle der Vereinsamung im Alter vorbeugen und die Lücke zwischen dem selbstständigen Wohnen und dem Leben im Altersheim schliessen, sagte Vereinspräsident Heinz Loretini Anfang 2018 dem «Tagblatt».

Neues zu erfahren war seither nichts. Nun aber geht es einen Schritt weiter: Die in Gossau beheimatete Genossenschaft zur Förderung des Wohnungsbaues (GFW) hat der Stadt kurz vor Jahreswechsel das Grundstück an der Bedastrasse abgekauft. Zum Preis macht sie keine Angaben. Weil der Verein «Wohnen im Alter» über keine finanziellen Mittel verfügt, holte er die GFW als Investorin ins Boot. Diese ist nun federführend in diesem Projekt, sagt Stefan Lenherr. Der ehemalige Stadtrat ist sowohl Mitglied im Verein als auch im Vorstand der GFW. Der Verein wirke im Hintergrund mit und komme vor allem dann wieder ins Spiel, wenn die Hausgemeinschaft stehe. Die Idee ist, dass sich der Verein im Haus engagiert und unter anderem Aktivitäten für die Bewohner organisiert.

Suche nach Boden begann schon 2011

Bis der Vertrag zwischen der GFW und der Stadt unterzeichnet werden konnte, verstrichen einige Jahre. Bereits 2011 machte sich der Verein «Wohnen im Alter» auf die Suche nach einer passenden Parzelle. Schliesslich sei man an der Bedastrasse gelandet, sagt Lenherr. Man habe der Stadt das Interesse kommuniziert. Mit diesem war der Verein aber nicht alleine. Direkt neben dem Grundstück liegt der Sitz des kantonalen Baumeisterverbands und dessen Maurerlehrhalle. Laut Lenherr dachte der Verband über eine Arealentwicklung nach und überlegte, einen Teil der freien Parzelle zu erwerben. «Dadurch entstand ein längeres Hin und Her», sagt Lenherr. Der Verein erarbeitete ein Konzept für die Hausgemeinschaft und wartete aber die Pläne des Baumeisterverbands ab.

«Es wäre sinnlos gewesen, alleine weiter zu planen, ohne zu wissen, was auf dem Rest der Parzelle passiert.»

Letztes Jahr habe der Verband dann mitgeteilt, das Land nicht erwerben zu wollen. Der Weg war frei für die GFW, die daraufhin mit der Stadt den Kauf aushandelte.

Neu sollen 30 statt 20 Wohnungen gebaut werden

Obwohl man in den vergangenen Jahren bereits ein Konzept und viel Vorarbeit geleistet habe, handle es sich nun um eine Art Neustart, sagt Lenherr.

«Wegen der neuen Begebenheiten muss der Architekt das Konzept überarbeiten.»

Mit neuen Begebenheiten ist vor allem mehr Platz gemeint. Dachten der Verein und die GFW ursprünglich, dass sie sich die Parzelle mit dem Baumeisterverband teilen, haben sie nun rund 4300 Quadratmeter für sich alleine. Anstatt zwei Häuser mit 20 Wohnungen sind laut Lenherr jetzt drei Häuser mit rund 30 Wohnungen geplant. Vorgesehen sind mehrheitlich 2,5- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen. Wichtig sei «ein guter Mix für Pärchen und für Alleinstehende».

Es gibt bereits Interessenten

«Wann können wir einziehen?» Eine Frage, die Stefan Lenherr immer wieder hört. Man habe schon Interessenten. «Die Leute müssen sich noch gedulden», sagt er. Für ihn ist klar, dass eine solche Wohngemeinschaft für ältere Menschen in Gossau fehlt.

«Das Bedürfnis ist unumstritten. Auch der Stadtrat hat das erkannt.»

Wie lange es noch geht, bis die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen können, sei schwierig zu sagen, sagt Lenherr und verweist auf die Einsprachefrist. Ziel sei es, in diesem Jahr das überarbeitete Konzept durch den Kanton vorprüfen zu lassen und einen Sondernutzungsplan zu erstellen. Im Sommer 2021 soll der Stadtrat den Plan erlassen. Nach einem Mitwirkungsverfahren findet dann die öffentliche Auflage statt. Käme man gut durch diese durch, könnte man Ende 2022 oder Anfang 2023 mit dem Bau beginnen.