Finanzielle Probleme und zwei Abgänge wegen schwerer Differenzen: Wer ist der Mann, der im Steinacher Gemeindehaus festgenommen wurde?

Es ist nicht das erste Mal, dass der beschuldigte Gemeindeschreiber von Steinach wegen schwerwiegender Probleme seinen Arbeitsplatz Knall auf Fall verlassen muss.

Andri Rostetter
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In Steinach war der Beschuldigte als Gemeindeschreiber tätig. (Archivbild: Hanspeter Schiess und Benjamin Manser)

In Steinach war der Beschuldigte als Gemeindeschreiber tätig. (Archivbild: Hanspeter Schiess und Benjamin Manser)

Der Mann, Jahrgang 1967, stieg direkt nach seinem HSG-Studium beim Rechtsdienst der St. Galler Staatskanzlei ein. Ab 2001 war er Leiter der Koordinationsstelle für Aussenbeziehungen sowie Sekretär der Ostschweizer Regierungskonferenz. 2008 führte er die Staatskanzlei ad interim, nachdem der bisherige Staatssekretär Martin Gehrer in die Regierung gewählt worden war. Wie Recherchen unserer Zeitung zeigen, kämpfte der Festgenommene während dieser Zeit mit massiven finanziellen Problemen.

Gleichzeitig kam es zwischen ihm und mehreren Mitarbeitern zu schweren persönlichen Differenzen, worauf der Kanton ihn zum Abgang zwang. In der Folge blieb er während elf Monaten ohne feste Anstellung.

Vater von schulpflichtigen Kindern

Auf Anfang 2013 fand er eine neue Stelle als Gemeindeschreiber von Romanshorn. Dort blieb er nicht lange. Ende 2014 gab er dem Stadtrat seine Kündigungsabsichten bekannt. Die Rede war von persönlichen Differenzen mit dem damaligen Stadtpräsidenten David H. Bon.

Die offizielle Version lautete anders: «Wie (...) schon im Anstellungsverfahren offen kommuniziert hatte, war für ihn immer klar, dass die Stelle in Romanshorn mit all ihren spannenden Aufgaben nur einen Zwischenschritt in seiner Karriere bedeuten würde», hiess es in einem Communiqué.

Im Sommer 2015 wechselte er nach Steinach als Gemeindeschreiber. Zwischenzeitlich versuchte er es mit einer politischen Laufbahn. Von 2000 bis 2004 präsidierte er die CVP der Stadt St. Gallen, 2016 kandidierte er für das St. Galler Stadtparlament. Gewählt wurde er nicht. Der Festgenommene ist verheiratet und Vater von zwei schulpflichtigen Kindern.

Kinderpornografie: Kein Einzelfall in der Ostschweiz

In den vergangenen Jahren gab es in der Ostschweiz immer wieder Fälle öffentlich bekannter Personen, die sich wegen Kinderpornografie oder sexueller Handlungen mit Minderjährigen vor Gericht verantworten mussten. Anfang 2019 legte ein St. Galler CVP-Kantonsrat alle seine politischen Ämter nieder. Der 37-jährige Familienvater und ausgebildete Lehrer hatte in Chatrooms Kontakt zu minderjährigen Frauen, verschickte dabei intime Bilder und nahm vor einer Webcam sexuelle Handlungen an sich vor. Einer der drei Kontakte gab sich schliesslich als verdeckter Ermittler der Polizei zu erkennen. Der ehemalige Kantonsrat wurde daraufhin wegen mehrfach versuchter sexuellen Handlungen mit Minderjährigen und mehrfacher Pornografie zu einer bedingten Geldstrafe von 18'000 Franken und einer Busse von 3600 Franken verurteilt.

Der frühere Gemeindepräsident von Berneck erhielt 2017 eine unbedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten. Der FDP-Politiker hatte im Internet Hunderte Bilder und Videos mit minderjährigen Mädchen in aufreizenden Posen sowie sexuell motivierte Gewaltdarstellungen heruntergeladen. Dazu kamen Gewaltfantasien mit Kindern, die er mit einem Gleichgesinnten in einem Chat austauschte. Die Gefängnisstrafe wurde zu Gunsten einer Therapie aufgeschoben.

Etwas weiter zurück liegt der Fall eines ehemaligen Frauenfelder Schulpräsidenten. Der damalige Präsident der Thurgauer Grünen wurde im Jahr 2003 wegen mehrfacher Kinderpornografie zu vier Wochen Gefängnis bedingt und 2000 Franken Busse verurteilt. Die Schweizer Strafverfolger kamen ihm auf die Spur, weil er auf einer amerikanischen Website mit seiner Kreditkarte für kinderpornografische Bilder bezahlte hatte. Bei der landesweiten Operation Genesis wurden 2003 über 1000 Kinderporno-Konsumenten aufgedeckt. Im Jahr 1998 wurde ein Primarlehrer aus Heiden verhaftet. Der damals 29-Jährige hatte in der Schule und in seiner Wohnung mit sechs Knaben zwischen 12 und 14 Jahren rund 200 sexuelle Handlungen begangen, diese zum Teil auf Videokassetten aufgezeichnet und zehn Standbilder im Internet veröffentlicht. Er wurde vor dem Ausserrhoder Kantonsgericht wegen sexueller Handlungen mit Kindern sowie Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Zudem wurde eine psychotherapeutische Behandlung angeordnet.

Ebenfalls grosses Aufsehen erregte im Sommer 2018 die Verhaftung eines St.Galler Kita-Betreuers. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-jährigen Mann vor, mehrere Buben missbraucht zu haben. Dabei filmte er seine Taten und stellte die Videos ins Netz. Der Kita-Betreuer soll zudem Zehntausende Bilder mit Kinderpornografie gehortet und im Darknet verbreitet haben. (mge)

Sexuelle Handlungen mit Kindern: Steinacher Gemeindeschreiber bis 15. Januar in Untersuchungshaft +++ Als Tennisclub-Präsident soll er keinen Kontakt zu Junioren gehabt haben

Die Kantonspolizei St.Gallen hat am Mittwoch den Gemeindeschreiber von Steinach verhaftet. Der Mann wurde wegen Verdachts auf sexuelle Handlungen mit Kindern inhaftiert. Das Zwangsmassnahmengericht hat nun entschieden, dass der Beschuldigte bis mindestens 15. Januar in U-Haft kommt.
Rudolf Hirtl, Rossella Blattmann, Alexandra Pavlovic

Bernecker Gemeindepräsident vor Gericht: Blick in Abgründe

Es war harte Kost, die Richter, Staatsanwältin, Verteidiger und Prozessbesucher am Mittwoch am Kreisgericht Rheintal zu verdauen hatten. Der frühere Gemeindepräsident von Berneck musste sich für seine Internet-Verfehlungen verantworten - und leistete Abbitte.
Daniel Walt