Kommentar
Gemeindepräsidenten-Wahl in Steinach: Nur einer kommt in Frage

Drei parteilose Kandidaten wollen das Zepter in Steinach übernehmen. Dabei hebt sich Michael Aebisegger von seinen Konkurrenten Roger Keller und Andreas Graf ab.

Jolanda Riedener
Merken
Drucken
Teilen
Am 29. September wählen die Steinacherinnen und Steinacher die Nachfolge von Roland Brändli. (Bild: Rahel Jenny Egger)

Am 29. September wählen die Steinacherinnen und Steinacher die Nachfolge von Roland Brändli. (Bild: Rahel Jenny Egger)

Die Ära Roland Brändli neigt sich nach zwölf Jahren dem Ende zu. Der FDP-Gemeindepräsident gibt das Amt frühzeitig ab. Ursprünglich wollte er bei den Erneuerungswahlen 2020 nicht mehr antreten. Im Mai teilte er mit, er wolle bereits Ende dieses Jahres aufhören. Damit erzürnte er die Ortsparteien. Man habe zu wenig Zeit, um geeignete Kandidaten zu finden, so der Vorwurf. Ist es wichtiger, dass Brändlis Nachfolger pünktlich ins Gemeindehaus einzieht, oder dass die Parteien mehr Zeit für die Kandidatensuche haben? Die Meinungen im Dorf gehen auseinander.

Auch Roland Brändli löste in der Gemeinde widersprüchliche Reaktionen aus. 2016 forderten ihn zwei Kandidaten heraus. Einer von ihnen, Michael Aebisegger, tritt auch bei der jetzigen Ersatzwahl wieder an. Die Ausgangslage und die Motivation sind heute aber andere als noch vor drei Jahren. Nichtsdestotrotz ist Aebisegger dadurch vorbelastet.

Die Ausgangslage

Der amtierende Steinacher Gemeindepräsident Roland Brändli (FDP) tritt nach zwölf Jahren im Amt auf Ende diesen Jahres zurück. Für seine Nachfolge stellen sich die drei parteilosen Michael Aebisegger, Andreas Graf und Roger Keller am 29. September zur Wahl. Die Ortsparteien haben die Kandidaten zu Hearings eingeladen. Sowohl die CVP, FDP, als auch SVP empfehlen den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern Michael Aebisegger zur Wahl. Sollte ein zweiter Wahlgang nötig werden, findet dieser am 17. November statt. (jor)

Neben Michael Aebisegger wollen Roger Keller und An­dreas Graf das Präsidium beerben. Sie alle sind parteilos. Weder CVP, FDP noch SVP haben einen Kandidaten aus den eigenen Reihen vorgeschlagen. Sicher, der Zeitraum für die Kandidatensuche war erdenklich knapp. Dennoch hätten sich die Ortsparteien bereits frühzeitig mit geeigneten Personen befassen können. In der eigenen Partei Nachwuchs zu fördern, braucht Zeit und ist mit viel Arbeit verbunden, aber kein Ding der Unmöglichkeit.

Ein Unbekannter und ein Ur-Steinacher

Obwohl alle Kandidaten um die 50 Jahre alt und parteilos sind, könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Der Toggenburger Roger Keller kennt die Gemeinde und seine Bürger nur durch seine zweimonatige Tätigkeit als Bademeister. Das ist zu wenig. Politische Erfahrung kann er ebenfalls keine vorweisen. Konkrete Ideen und Vorstellungen für die Gemeinde hat Keller nicht, sondern will sich erst mit der Ausgangslage vertraut machen. Dafür habe er ein offenes Ohr für die Steinacher: Sollte er gewählt werden, wolle er sich zuerst mit den Bürgerinnen und Bürgern auseinandersetzen und ihre Meinung einfordern.

Andreas Graf ist durch einige Kandidaturen in verschiedenen politischen Ämtern bekannt. Seine Hartnäckigkeit und Unbeirrbarkeit sind bemerkenswert. Dass er nun auch in seiner langjährigen Wohngemeinde kandidiert, ist jedoch keine grosse Überraschung. Im Gegensatz zu Keller hat Graf einige Vorstellungen und Ideen für seine Gemeinde: Zum Beispiel hochwertigen Wohnraum schaffen, erneuerbare Energien oder die Artenvielfalt fördern. Mit seiner Nähe zu Umweltthemen trifft er den Puls der Zeit. Seine Ablehnung gegenüber jeglichen Parteien ist hingegen hinderlich. Ein Gemeindepräsident muss Gesprächsbereitschaft zeigen, mit anderen Instanzen zusammenarbeiten und Kompromisse eingehen können. Statt Monologe braucht es Dialoge. Diese Bereitschaft hat Andreas Graf bisher nicht gezeigt.

Michael Aebisegger hat wohl die besten Voraussetzungen, als Gemeindepräsident von Steinach gewählt zu werden. Alle drei Ortsparteien der CVP, FDP und SVP schlagen ihn den Stimmbürgern zur Wahl vor. Er wohnt seit 16 Jahren in der Gemeinde. Der Familienvater ist in Steinach verwurzelt und nimmt am Dorfleben teil. Während vier Jahren engagierte er sich bereits im Gemeinderat und während einem Jahr im Schulrat. Dadurch hat er sein Interesse an der Kommunalpolitik bewiesen und kennt die Abläufe.

Aebisegger hat gute Chancen

Seine berufliche Laufbahn kann sich sehen lassen: Als langjähriger Leiter Sachversicherungen bei der Helvetia übernimmt Aebisegger Verantwortung und Führungsfunktionen. Dass er diesen angesehenen Job fürs Präsidium aufgeben will, ist nachvollziehbar. Nicht zuletzt kann er so näher bei seiner Familie sein.

Michael Aebisegger hat seine Hausaufgaben gemacht. Er hat sich mit den Geschäften der Gemeinde auseinandergesetzt und bereits konkrete Vorschläge, die er umsetzen will, sollte er ins Amt gewählt werden. Er äussert beispielsweise die Absicht, vermehrt mit den Nachbargemeinden zusammenzuarbeiten. Das ist bei einer Gemeinde in der Grösse von Steinach durchaus sinnvoll. Ihm liege aber auch viel daran, das Dorf für Jung und Alt attraktiv zu machen und gute Rahmenbedingungen für Vereine zu schaffen. Im Wahlkampf ist Aebisegger seinen Konkurrenten bisher selbstsicher entgegengetreten. Er selbst schätzt seine Chancen sicher nicht als schlecht ein.

Von allen drei Kandidaten ist Michael Aebisegger am besten als Gemeindepräsident von Steinach geeignet. Sollten die Stimmbürger das goutieren, liegt es an ihm, zu beweisen, dass er mehr kann, als seinen Vorgänger zu kritisieren, wie dies noch bei der Wahl vor vier Jahren der Fall war.