Gemeindepolitik
«Müssen endlich Prioritäten ändern»: Gossauer Parlament genehmigt 2,15-Millionen-Kredit für Kindergarten-Neubau und stimmt auch Fotovoltaikanlage zu

Der neue Kindergarten Haldenbüel soll eine Fotovoltaikanlage erhalten. Dies hat das Gossauer Stadtparlament am Dienstagabend beschlossen, nachdem es einige Diskussionen und auch Verwirrungen gegeben hat. Der Stadtrat sprach sich gegen die Anlage aus.

Perrine Woodtli
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Das Gossauer Stadtparlament tagt jeweils im Fürstenlandsaal.

Das Gossauer Stadtparlament tagt jeweils im Fürstenlandsaal.

Benjamin Manser (12. Januar 2021)

Nach zweimonatiger Pause hat sich am Dienstagabend wieder das Gossauer Stadtparlament im Fürstenlandsaal getroffen. Die Traktandenliste ist mit vier Traktanden überschaubar. Parlamentspräsident Matthias Ebneter (Flig) sagt denn auch gleich zu Beginn, dass es sich um eine kurze Sitzung handeln dürfte.

27 Parlamentarierinnen und Parlamentarier sind anwesend. Entschuldigt haben sich Silvia Galli Aepli (FDP), Markus Bernhardsgrütter (CVP) und Markus Rosenberger (SVP).

Fotovoltaikanlage für 32'000 Franken

Als Erstes widmen sich die Parlamentarierinnen und Parlamentarier dem Kindergarten Haldenbüel. Dieser weist nach 56 Jahren erheblichen Erneuerungsbedarf auf. Der Stadtrat beantragt deshalb einen Kredit von 2,15 Millionen Franken für einen eingeschossigen Neubau.

Die parlamentarische Baukommission unterstützt die Anträge des Stadtrates. Auch wenn man der Meinung sei, dass die Kosten hoch seien, sagt Baukommissionspräsident Thomas Künzle (SVP). Diese erklärten sich vor allem durch die Verschiebung des Gebäudes. Die Baukommission beantragt zusätzlich, dass unter Einhaltung des Gesamtbudgets auf dem Dach des Neubaus eine Fotovoltaikanlage erstellt wird. Die Kosten belaufen sich laut Künzle auf rund 32'000 Franken.

Gegen diesen Zusatzantrag spricht sich der Stadtrat aus. Die Anlage wäre nicht wirtschaftlich. Ökologische, architektonische und denkmalpflegerische Überlegungen würden für ein begrüntes Flachdach sprechen.

Der neue Kindergarten soll in den Haldenbüel-Hang eingebettet werden, wodurch Kirche und Schulhaus im Ortsbild besser zur Geltung kommen.

Der neue Kindergarten soll in den Haldenbüel-Hang eingebettet werden, wodurch Kirche und Schulhaus im Ortsbild besser zur Geltung kommen.

Visualisierung: PD

Der Stadtrat und das Hochbauamt haben die Installation einer Fotovoltaikanlag sorgfältig geprüft, sagt Stadträtin Gaby Krapf. Die Anlage würde jährlich knapp 8000 Kilowattstunden Strom produzieren. Rund die Hälfte würde der Kindergarten verbrauchen. Die restlichen 4000 Kilowattstunden, die ins Netz eingespiesen werden, entsprechen laut Krapf etwa einem Jahresbedarf für eine vierköpfige Familie.

Gaby Krapf, Gossauer Stadträtin.

Gaby Krapf, Gossauer Stadträtin.

PD

Aufgrund dieser «doch sehr bescheidenen Stromproduktion» und des «massiven Eingriffs in das geschützte Ortsbild» verzichte der Stadtrat auf eine Anlage. Man habe sich stattdessen für die wertvolle Biodiversität auf dem Dach entschieden, sagt Krapf. Auch diese gehöre in die Klimadebatte.

Stadt soll mit gutem Beispiel vorangehen

Diese Argumente führen zu einer Diskussion. Man müsse endlich lernen, Prioritäten zu ändern, sagt Stefan Harder (Flig). Und weiter:

«Was nützt uns ein ungetrübter Blick auf eine denkmalschutzwürdige Kirche, wenn das Klima im Eimer ist?»

Die Stadt müsse als gutes Beispiel vorangehen – «auch wenn es vielleicht nicht so schön aussieht». Es sei ein schlechtes Zeichen, wenn damit argumentiert werde, dass Kleinstanlagen wegen der Rendite nicht aufgestellt werden, sagt Werner Bischofberger (SP). «Was ist das für eine Botschaft an die privaten Hausbesitzer mit ihren Kleinstanlagen?»

Auch die FDP-Fraktion unterstütze eine Anlage trotz kleinem Ertrag, sagt Sandro Contratto (FDP). Die öffentliche Hand müsse zeigen, dass es ihr ernst sei mit der Energiestrategie. Für Florin Scherrer (CVP) überwiegen die Vorteile einer Fotovoltaikanlage ebenfalls deutlich. In seiner Fraktion gebe es unterschiedliche Meinungen dazu.

Auch die SVP-Fraktion unterstützt den Zusatzantrag. «Für die SVP ist es aber essenziell, dass mit dem heutigen Entscheid nicht automatisch bei allen anstehenden Um- und Neubauten eine Fotovoltaikanlage installiert werden soll», sagt Anita Fürer (SVP). Die Rentabilität und Wirtschaftlichkeit ständen klar im Vordergrund.

Grösser, heller und viel Holz: So soll der Neubau von innen aussehen.

Grösser, heller und viel Holz: So soll der Neubau von innen aussehen.

Visualisierung: PD

Über was wird jetzt abgestimmt?

Zu diesem Zeitpunkt scheint alles klar zu sein. Ein Votum von Florian Kobler (SP) sorgt dann aber für Verwirrung. Er will wissen, ob es auch möglich wäre, die Fotovoltaikanlage auf dem benachbarten Anbau des Schulhauses Haldenbüel zu installieren. Sie habe in der Baukommission auf diese Möglichkeit hingewiesen, sagt Gaby Krapf. Auf dem Schulhausanbau wäre die Fläche grösser als auf dem Kindergarten. «Wir werden das anschauen.»

Erwin Sutter (Flig) will wissen, ob man die Anlage also definitiv auf dem Schulhausanbau installieren könnte. Für ihn sei das entscheidend. Dann würde er beim Kindergarten die Biodiversität in den Vordergrund stellen und sich für eine Fotovoltaikanlage auf dem Schulhaus aussprechen.

Ist es möglich, nun einfach über einen anderen Zusatzantrag abzustimmen? Fragezeichen in den Gesichtern. Das Parlament entscheide heute nicht über eine Anlage auf dem Schulhaus, sondern auf dem Kindergarten, sagt Gaby Krapf. «Wir stellen heute höchstens die Weichen für eine Anlage auf dem Schulhaus.»

Das Parlament zählt 30 Mitglieder.

Das Parlament zählt 30 Mitglieder.

Benjamin Manser (12. Januar 2021)

Florian Kobler (SP) hakt nochmals nach, ob es nicht möglich ist, den bestehenden Antrag einem neuen Antrag gegenüberzustellen. Nach einigen Wortmeldungen und einem Hin und Her ist sich das Parlament schliesslich einig, dass eine Fotovoltaikanlage auf dem Schulhausanbau ein separates Projekt wäre. Werner Bischofberger (SP) schlägt vor, einfach auf beiden Dächern eine Anlage zu installieren.

Das Parlament genehmigt den Kredit von 2,15 Millionen Franken schliesslich einstimmig. Die Kosten werden linear innert 25 Jahren abgeschrieben. Auch die Fotovoltaikanlage auf dem Kindergarten-Neubau wird angenommen, mit 18 Ja-Stimmen gegenüber sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.

Zwei vorberatende Kommissionen eingesetzt

Nach der Diskussion um den Kindergarten geht es zügig voran. Das Parlament setzt einstimmig zwei vorberatende Kommissionen ein. Zum einen für die Verlängerung des jährlichen Beitrages von 150‘000 Franken an den Walter-Zoo bis 2025. Die zweite Kommission wird eingesetzt für die Kreditanträge von 56 Millionen Franken für das erste Modul der Sportwelt Gossau im Areal Buechenwald.

Abschliessend führt das Parlament eine Fragestunde durch. Werner Bischofberger (SP) will wissen, weshalb der Spielplatz in Arnegg bereits im Frühling abgebaut wurde. Dieser muss aufgrund der Überbauung beim Dorfplatz weichen. Gebaut werde aber bis heute nicht, sagt Bischofberger. Der Spielplatz hätte also noch länger genutzt werden können.

Das Bauprojekt sei seit Frühling visiert, sagt Gaby Krapf. «Die Visiere und deren Verankerungen stellen ein Gefahrenpotenzial dar.» Sie weist darauf hin, dass es einen Ersatz beim Volleyballfeld geben wird.

Wolfgang Giella, Stadtpräsident Gossau.

Wolfgang Giella, Stadtpräsident Gossau.

Sabrina Stübi

Florian Kobler (SP) will wissen, ob der Stadtrat bereit sei, sich bei der Kantonsregierung dafür einzusetzen, dass auch die Gossauer Bevölkerung von einem niederschwelligen Impfangebot profitiert. Denkbar wären ein Walk-in-Angebot oder ein mobiler Impfbus.

Man sei mit dem Kanton schon länger im Austausch wegen des Impfbusses, sagt Wolfgang Giella. Die Stadt sei natürlich bereit, ein solches niederschwelliges Angebot in Anspruch zu nehmen. «Ich werde mich dafür einsetzen.» Es brauche dann aber auch ein Konzept, damit das Angebot wirklich genutzt werde.

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