Gemeinden und Städte gehen auf Hauskauf

Thal und Goldach haben kürzlich Liegenschaften erworben. Auch andere Gemeinden und Städte in der Region Rorschach tun dies, um die bauliche Entwicklung im Dorf zu steuern.

Rudolf Hirtl
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Wo im Frühling 2015 noch die «Arena» stand, sind heute im Buriet/Thal unter anderem Grossverteiler, Gewerbe und die Feuerwehr zu finden.

Wo im Frühling 2015 noch die «Arena» stand, sind heute im Buriet/Thal unter anderem Grossverteiler, Gewerbe und die Feuerwehr zu finden.

Bild: Rudolf Hirtl

Auch wenn die Entscheidung mit 1229 zu 1004 Stimmen relativ knapp ausfiel, Thals Stimmberechtigte haben dem Gemeinderat am Wahlsonntag vom vergangenen November die Erlaubnis erteilt, das Areal der ehemaligen Cristal Karton AG für 9,5 Millionen Franken zu erwerben. Die beiden Grundstücke im Dorfzentrum umfassen 10122 und 487 Quadratmeter Land.

Den Kauf des Areals strengte die Gemeinde an, um die Entwicklung im Dorfzentrum selber bestimmen zu können und eine Nutzung in die Wege zu leiten, die auf die angrenzenden Wohnbauten angepasst ist. Ausserdem dienen die Büroräumlichkeiten im Obergeschoss während der Umbauarbeiten im Rathaus der Gemeindeverwaltung als Übergangslösung.

Kauf des Arena-Areals ist eine Erfolgsgeschichte

Mit ähnlich grosser Kelle hatte der Gemeinderat im März 2015 das Arena-Areal im Buriet gekauft. Für die 43641 Quadratmeter Bauland samt Grossdiskothek genehmigte das Stimmvolk mit klarem Mehr einen 9,3-Millionen-Franken-Kredit. Der Gemeinderat Thal sprach damals von einer strategisch wichtigen Liegenschaft. Vor allem auch für einheimische Gewerbebetriebe, die sich vergrössern wollten. In der ersten Dezemberwoche 2019 wurde die letzte verfügbare Parzelle auf dem Areal verschrieben. Für den Gemeinderat haben sich Kauf und Wiederverkauf also in jeder Hinsicht gelohnt. «Nicht zuletzt auch deshalb, weil dadurch ein Bordell im mittlerweile abgerissenen Restaurant Rank verhindert wurde», sagt der ehemalige Thaler Gemeindepräsident Robert Raths und fügt an: «Beim Arena-Projekt wird zumindest ein Nullsummenspiel, aber eher ein kleiner Gewinn herausschauen.» Und auch in seiner neuen Funktion als Stadtpräsident von Rorschach setzt er weiter auf strategische Liegenschaftskäufe. Die Stadt müsse aber nicht selber als Käufer auftreten. Die enge Zusammenarbeit mit Investoren, wie es in der Vergangenheit in Rorschach geschehen sei, könne genauso fruchtbar sein und ermögliche es dem Stadtrat, die Entwicklung zu steuern.

Ab zwei Millionen Franken an die Urne

Die Gemeinde Goldach hat erst im vergangenen Dezember zu einem Preis von einer Million Franken die Liegenschaft an der Hauptstrasse 5 gekauft. Das Grundstück liege – insbesondere im Hinblick auf die Neugestaltung der Hauptstrasse – an einer strategisch wichtigen Lage. Zudem gehörten der Gemeinde bereits die beiden Nachbarliegenschaften Blumenstrasse 1 und 3. Langfristig ergebe sich in diesem Gebiet also die Möglichkeit einer Neuentwicklung analog der Zentrumsüberbauung, begründet der Gemeinderat den Kauf.

Es ist nicht die einzige Liegenschaft, die der Gemeinde gehört. Laut Gemeindeschreiber Richard Falk sind es 16, unter anderem das Haus Mühlegut (Alterswohnungen), die Villa am See (Gourmetrestaurant), das Ferienhaus in Ladir oder das Gmünderhaus. Bis eine Million Franken (aber höchstens zwei Millionen im Jahr) kann der Gemeinderat direkt ausgeben. Über einer bis zwei Millionen Franken gilt das fakultative Referendum und bei einem Kaufpreis von über zwei Millionen Franken muss das Projekt an die Urne. «In der Regel ist eine gewisse gewerbliche Nutzung gewünscht», sagt Falk. Ausserdem könnten, wenn nötig, Leitplanken mittels Sondernutzungsplänen gesetzt werden. Bei Projekten wie beispielsweise der Zentrumsüberbauung würde ein Architekturwettbewerb lanciert, wobei das Siegerprojekt auch umgesetzt werden müsse. Der Gemeinderat habe ausserdem die Möglichkeit, ein Rückkaufsrecht einzubauen.

Besserer Platz für den Dorfladen

Der Gemeinderat Tübach hat in der Vergangenheit zwei Häuser an der Schulstrasse gekauft, um Sozialhilfebezüger und Asylbewerber unterzubringen. «Aktuell diskutieren wir im Gemeinderat, ob wir das Erdgeschoss des neuen Mehrfamilienhauses auf der Zentrumswiese kaufen sollen, um dort beispielsweise einen Dorfladen zu ermöglichen», sagt Gemeindepräsident Michael Götte.

Kaufen werde der Rat aber nur dann, wenn klar sei, was tatsächlich mit den Räumlichkeiten passieren soll; etwa ein Mieter gefunden werde. Da das Erdgeschoss als Finanzvermögen verbucht würde und unter dem Strich sogar ein Ertrag zu erwarten sei, könnte über den Kredit von drei Millionen Franken an der Bürgerversammlung bestimmt werden.