UNVERSTÄNDNIS
«Ich bin sprachlos ob dieser Zensur»: Für die Gemeinde Mörschwil ist die Illustration einer Frau am Bügelbrett «sexistisch» – das stösst nicht bei allen auf Verständnis

Die St.Gallerin Franziska Portmann hat beschlossen, neben ihrem Job im Gesundheitswesen einen Bügelservice zu starten. Dafür wollte sie im Mitteilungsblatt der Gemeinde Mörschwil werben. Ihr Inserat stiess allerdings auf Empörung und wurde verweigert.

Rosa Schmitz
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Das Inserat von Franziska Portmann wurde von der Redaktorin des Mitteilungsblattes der Gemeinde Mörschwil verweigert.

Das Inserat von Franziska Portmann wurde von der Redaktorin des Mitteilungsblattes der Gemeinde Mörschwil verweigert.

Bild: PD

Eine Frau am Bügelbrett: Dieses Bild löste diese Woche in Mörschwil Aufruhr aus, wie «Die Ostschweiz» am Donnerstag berichtete. Das Inserat stammt von Franziska Portmann. Die St.Gallerin hat vor kurzem beschlossen, neben ihrem Job im Gesundheitswesen ein eigenes kleines Business aufzuziehen: einen Bügelservice für Leute mit wenig Zeit oder die nicht selbst bügeln wollen. Dafür wollte sie im Mitteilungsblatt der Gemeinde Mörschwil werben – mit einer Illustration im Stil der 1960er-Jahre. Die Gemeinde lehnte das Inserat aber ab. Eine so traditionelle Darstellung einer Hausfrau verstosse gegen die Richtlinien.

Andreas Müller, Franziska Portmanns Partner, sagte zur «Die Ostschweiz»:

«Ich bin sprachlos ob dieser Zensur.»

Er habe ihr Vorhaben mit einem Inserat unterstützen wollen und kürzlich alte Haushaltswerbungen gesehen, die ihm gefielen. Daraufhin bat er seine Tochter, die von Beruf Grafikerin ist, eine Anzeige zu gestalten. Vor einer Woche reichte Müller dann die Vorlage per E-Mail zur Veröffentlichung ein.

Richtlinien nicht überprüfbar

Die Herausgeber des Mitteilungsblattes teilten die Begeisterung der Familie allerdings nicht. «Aufgrund unserer internen Richtlinien können wir das Inserat in diesem Design leider nicht berücksichtigen», schrieb eine Sachbearbeiterin am Mittwoch zurück. Müller, etwas benommen, hat daraufhin nachgehakt.

«Am Telefon wurde mir gesagt, dass die Darstellung einer Hausfrau heute offensichtlich ein sittliches Unding darstelle.»

Überprüfen konnte Müller die Richtlinien der Gemeinde nicht. Und auch sonst niemand. Denn sie sind nirgendwo festgehalten, stellte «Die Ostschweiz» fest. «Es existieren keine schriftlichen Publikationsrichtlinien, die wir Ihnen zustellen könnten», zitiert das Onlineportal die Gemeindepräsidentin Martina Wäger und die Redaktorin des Mitteilungsblattes. Solche brauche es ihres Erachtens auch nicht, heisst es weiter.

«Jedes Inserat wird im Einzelfall beurteilt.»

Nicht publiziert würden aber insbesondere diskriminierende, sexistische oder rassistische Inserate. Die beiden Frauen waren auf Anfrage des «St.Galler Tagblatts» nicht verfügbar.

Gemeinde hält Ablehnung für vertretbar

Im Mörschwiler Gemeindehaus wird gemäss «Die Ostschweiz» allerdings ganz konkret von einem Fall von Sexismus gesprochen: «Die abgebildete Frau zeigt eine Hausfrau im Stile der 1960er-Jahre – und damit in jener Zeit, in welcher die Frau zu Hause hinter den Herd beziehungsweise das Bügelbrett gehörte», heisst es weiter. Die Illustration verfestige nach Ansicht der Gemeinde die typische Rollenverteilung und werte die Frau «als Arbeiterin im Haushalt» ab. Vor allem der Slogan: «Damit Ihnen mehr Zeit für die wichtigen Dinge bleibt», sei aus Sicht der Gemeindepräsidentin und der von ihnen gefragten Personen sexistisch. Und die Ablehnung des Inserates nach Dafürhalten der Gemeinde daher vertretbar.