Gemeinde oder Genossenschaft: Wer soll das Schwimmbad Sonnenrain in Wittenbach künftig führen?

Dieses Jahr entscheidet der Gemeinderat Wittenbach, wie es mit dem Schwimmbad Sonnenrain weitergeht.

Michel Burtscher
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Das Schwimmbad Sonnenrain wurde letztmals in den 1990er-Jahren umfassend saniert.

Das Schwimmbad Sonnenrain wurde letztmals in den 1990er-Jahren umfassend saniert.

Bild: Ralph Ribi

Im Schwimmbad Sonnenrain in Wittenbach trifft man dieser Tage nicht nur Badegäste an, sondern auch Handwerker. Im Gang zwischen dem Hallen- und dem Freibad sowie in den Toiletten werden neue Bodenplatten verlegt. Die alten waren rissig und nicht wirklich rutschfest. Es sei an der Zeit gewesen, sie auszuwechseln, sagt Bruno Brovelli. Er ist Gemeinderat in Wittenbach und gleichzeitig Präsident der Genossenschaft, die das Schwimmbad führt. In dieser Funktion hat er viel zu tun zurzeit.

Bald muss die Genossenschaft das Budget für das Jahr 2020 vorlegen. Das Schwimmbad ist ein unrentabler Betrieb, seit Jahren schon. Überleben kann es nur dank einer Defizitgarantie der politischen Gemeinde. In deren Budget sind für das Schwimmbad dieses Jahr Ausgaben von 531900 Franken vorgesehen. Das sei noch nicht der definitive Betrag, betont Brovelli, denn dieser stehe erst in einem Monat fest. Doch die Grössenordnung dürfte ungefähr stimmen. Er sagt:

«Die finanzielle Lage des Schwimmbads ist unverändert»
Bruno Brovelli, Gemeinderat und Präsident Schwimmbadgenossenschaft

Bruno Brovelli, Gemeinderat und Präsident Schwimmbadgenossenschaft

PD

Dabei hat die Schwimmbadgenossenschaft schon Sparmassnahmen ergriffen. Im Jahr 2016 entschied sie, das Hallenbad an zwei Vormittagen pro Woche für die Allgemeinheit zu schliessen und in dieser Zeit nur noch Schulklassen zuzulassen. So sollten Personalkosten gespart werden, weil es an diesen Vormittagen keine Bademeister mehr braucht. Zudem können Billette seither grundsätzlich nur noch am Automaten gelöst werden. Nicht alle seien glücklich gewesen über diese Massnahmen, erzählt Brovelli, doch sie hätten gewirkt.

100'000 Franken pro Jahr gespart

Pro Jahr konnten rund 100000 Franken gespart werden. An der Höhe des Defizits – und damit den Ausgaben der Gemeinde für das Schwimmbad – hat sich dadurch indes nur wenig geändert. «Das liegt daran, dass wir in den letzten Jahren viel investieren mussten», sagt Brovelli. Das Schwimmbad sei letztmals 1992 umfassend saniert worden, das habe man der Infrastruktur teilweise angemerkt. So mussten etwa die Ausgleichsbecken saniert werden, weil der Beton porös geworden war. Zudem wurden die alten Sprungbretter ersetzt, der Eingangsbereich saniert und das Alarmsystem erneuert.

Die grösseren Investitionen habe man mittlerweile getätigt, sagt Brovelli, kleinere stehen noch auf der Pendenzenliste. Diese sollen gemacht werden, wenn das Geld reicht. Er betont:

«Ohne die Sparmassnahmen hätten wir ein jährliches Defizit von 600000 Franken.»

Finanzielle Entlastung erhofft sich Brovelli vom regionalen Hallenbadverbund, über den schon seit längerer Zeit diskutiert wird. Doch noch ist man nicht so weit (siehe Kasten).

Ende 2021 läuft der Baurechtsvertrag aus

Vorwärts geht es hingegen bei einem anderen Thema, bei dem es um nichts weniger als die Zukunft des Schwimmbads geht. Noch dieses Jahr wird der Gemeinderat entscheiden, wer den Betrieb künftig führen soll. Brovelli arbeitet zurzeit an einem Bericht, der verschiedene Varianten aufzeigt. Dieser soll im Sommer vorliegen. Der Grund für die Überlegungen liegt weit zurück: Nach 50 Jahren läuft Ende 2021 der Baurechtsvertrag zwischen der politischen Gemeinde und der Schwimmbadgenossenschaft aus.

Das «Sonnenrain» wurde in den 1970er-Jahren auf Land der Gemeinde gebaut, das sie im Baurecht an die Genossenschaft abgegeben hatte. Das bedeutet: Der Boden gehört noch immer der Gemeinde. Und mit dem Auslaufen des Baurechtsvertrages könnte das Schwimmbad an sie heimfallen, wie es in der Fachsprache heisst. Bruno Brovelli sagt:

«Wir stehen damit vor der Frage, ob die politische Gemeinde das Schwimmbad künftig selber führen soll».

Der Schwimmbadbetrieb würde damit in die Gemeindeverwaltung integriert. Relevant werde bei diesem Entscheid unter anderem sein, ob und wie viel so gespart werden könnte. Doch es gibt noch andere Möglichkeiten: Laut Brovelli könnte man die Schwimmbadgenossenschaft auch weiterführen. «Man müsste sich dann aber wohl Gedanken machen, in welcher Form», sagt er. Oder die Gemeinde könnte das «Sonnenrain» wie die Elektrizitätswerke als unselbstständige öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechnung führen – wobei Brovelli diese Variante als unwahrscheinlich bezeichnet.