«Geht zu weit» oder «Notwendig»? Was St.Galler Passanten von den Bussen für Maskenverweigerer halten

Bundesrat Ueli Maurer verkündete, dass Maskenverweigerer künftig gebüsst werden können. Mit dieser neuen Massnahme trifft die Landesregierung einen wunden Punkt bei Coronaskeptikern. Wir haben Passanten in der St.Galler Altstadt gefragt, was sie von den Bussen und der Maskenpflicht halten.

Tabea Leitner
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Wer in Zukunft ohne Maske durch die volle St.Galler Innenstadt geht, könnte eine Busse von bis zu 300 Franken erhalten.

Wer in Zukunft ohne Maske durch die volle St.Galler Innenstadt geht, könnte eine Busse von bis zu 300 Franken erhalten.

Bild: Benjamin Manser (St.Gallen, 31. Oktober 2020)
Valentin Zurfluh (52), Wittenbach.

Valentin Zurfluh (52), Wittenbach.

Bild: tlf

Valentin Zurfluh hat kein Verständnis für Maskenverweigerer. Der gelernte Pflegefachmann arbeitet nun als Medizinischer Praxisassistent in der Hausarztpraxis seiner Frau. Aus beruflicher Erfahrung weiss er: egal ob jung oder alt – eine Infektion könnte für jeden Menschen gravierende Spätfolgen mit sich bringen. Der 52-Jährige sagt:

«Dieses Risiko dürfen wir nicht eingehen, nur weil gewisse Leute keine Masken tragen wollen.»

Er begrüsst es, dass Maskenverweigerer nun wieder eine Busse bekommen können. Das sei notwendig, wenn beratungsresistente Leute in unserer Gesellschaft lebten. Der Wittenbacher sagt:

«Diese Leute verstehen nicht, dass es bei der Maskenpflicht nicht um Selbstschutz, sondern um einen solidarischen Akt geht.»

«Vielleicht haben sie die Maske vergessen»

Eine weitere Passantin sagt zu den Bussen:

«Damit geht der Bundesrat zu weit.»

Zwar findet es die Rentnerin sinnvoll, dass der Bundesrat eine Maskenpflicht eingeführt hat. Aber sie ist der Meinung, dass jeder Bürger für sein Tun selbst verantwortlich ist.

Sie selbst habe keine Angst, wenn im ÖV eine Person ohne Maske in ihrem Abteil sitze. So sagt sie: «Ich glaube nicht, dass ich von dieser einen Person angesteckt werde, obwohl noch 20 andere Leute im gleichen Wagen sind.» Für sie wäre es wichtiger, wenn die Polizei direkt den Dialog mit den Leuten suchen würde. Die Rentnerin sagt:

«Vielleicht haben sie die Maske ja einfach zu Hause vergessen und wären froh, wenn ihnen jemand eine geben könnte.»

«Wer sich nicht an die Regeln hält, wird eben bestraft»

James Mihreta ist kein Maskenfan. «Am Anfang hatte ich abends oft Juckreiz im Gesicht, weil ich die Maske den ganzen Tag in der Schule tragen musste», so der Oberstufenschüler. Und dennoch hat er sich schnell an die Maske im Alltag gewöhnt. Der 17-Jährige findet es gut, dass der Bundesrat nun härter durchgreift. Mihreta:

«Ich habe Angst um meine Grosseltern. Alle sollten eine Maske tragen müssen. Auch wenn sie manchmal stört».

Für den St.Galler ist klar: «Wenn man sich nicht an die Regeln hält, dann muss man damit rechnen, dass man dafür bestraft wird.»

Im Frühling wurden bereits einmal Bussen verhängt

Menschen, die an vorgeschriebenen Orten keine Gesichtsmaske tragen, sollen laut dem Bundesrat in Zukunft eine Ordnungsbusse erhalten. Bevor diese Änderung des Covid-19-Gesetzes jedoch in Kraft treten kann, muss das Parlament in der Wintersession ab dem 30. November dem Bundesrat zustimmen. Wenn dies der Fall sein sollte, kann die Polizei künftig an Ort und Stelle bis zu 300 Franken Busse verhängen, wenn die Maskenpflicht nicht eingehalten wird.

Bereits während der ausserordentlichen Lage im Frühling galt eine solche Regelung. Doch mit der Aufhebung des Notrechts konnte die Polizei Maskenverweigerer nicht mehr büssen. Die kantonalen Polizei- und Gesundheitsdirektoren forderten vom Bundesrat, dass sie wieder die Lizenz zum Büssen erhalten.

«Das ist Nötigung»

Luzia Osterwalder (59) , St. Gallen

Luzia Osterwalder (59) , St. Gallen

Bild: tlf

Luzia Osterwalder empfindet es als Nötigung, dass der Bundesrat zukünftig Leute büssen möchte, die sich nicht an die Maskenpflicht halten. Die Naturheilpraktikerin sagt:

«Vor einigen Jahren haben wir noch über das Burkaverbot abgestimmt. Und jetzt verhängt der Bundesrat eine Verhüllungspflicht?»

Die Maskenpflicht sei völlig absurd, so die St.Gallerin. Osterwalder: «Sie hilft den Gesunden nicht, und für die Kranken ist sie schädlich.» Denn die Maske werde nach kurzer Zeit bereits so feucht, dass sich ein optimales Milieu für Bakterien, Pilze und Viren bilde.

Die 59-Jährige findet die Schutzmassnahmen einen Unsinn. Osterwalder: «Der Corona-Graben geht quer durch die Gesellschaft, quer durch Familien.»

«Rebellieren bringt nichts»

Irene Vogel schätzt es, dass der Bundesrat Maskenverweigerer zukünftig wieder sanktionieren möchte. Die 52-Jährige sagt:

«Der Bundesrat würde das nicht machen, wenn sich alle an die Vorschriften halten würden.»

Die Hausfrau findet Coronaskeptiker lächerlich, denn ihrer Meinung nach bringt das Rebellieren nicht viel. «Wenn jeder Bürger einen kleinen Beitrag zur Verbesserung der aktuellen Situation leistet, dann können wir die Krise hoffentlich schnell gemeinsam hinter uns lassen», sagt sie.