Gegner legen Visualisierung vor: So könnte der A1-Zubringer bei Goldach aussehen

Der Verein «Kein 3. Autobahnanschluss in Goldach» hat am Montagnachmittag mit einer Begehung am Hohrain seine Kampagne gegen den A1-Anschluss lanciert. 3-D-Visualisierungen sollen die Bevölkerung aufrütteln und die massiven Eingriffe in Stadt und Land aufzeigen.

Rudolf Hirtl
Drucken
Teilen
Lukas Reichle (links) und Felix Gemperle haben beim Hohrain in Goldach die Schneise sichtbar gemacht, die ein Autobahnzubringer verursachen würde. (Bild: Rudolf Hirtl)

Lukas Reichle (links) und Felix Gemperle haben beim Hohrain in Goldach die Schneise sichtbar gemacht, die ein Autobahnzubringer verursachen würde. (Bild: Rudolf Hirtl)

Ein Autobahnanschluss im Gebiet Witen bei Goldach? Nein, sagt das Komitee um Felix Gemperle und Lukas Reichle. Denn der Autobahnanschluss werde das Verkehrsproblem in der Region Rorschach nicht lösen, aber massive Eingriffe ins Siedlungsgebiet nach sich ziehen. Spätestens - nachdem die Vergabe des Carl-Stürm-Preises («Tagblatt» vom 16. Mai) an den Verein IG mobil 30000 Franken in die Kasse der Befürworter gespült hat, war klar, dass auch die Gegner eines zusätzlichen Autobahnanschlusses zwischen Buriet und Meggenhus ihre Bemühungen intensivieren müssen.

Tunnelausgang Industriestrasse Rorschach

Der Verein «Kein 3. Autobahnanschluss» ist vor Ort in die Abstimmungskampagne gestartet. Im Restaurant Hohrain, also dort, wo einer von zwei Tunnels den Verkehr zur Autobahn hoch schleusen soll, begrüssen Reichle und Gemperle die Medienvertreter.

Vergleichbar mit den Sünden der Sechzigerjahre

Abgestimmt wird in Rorschach und Goldach voraussichtlich am 24. November. Beim Bund hat dieses Grossprojekt oberste Priorität: Es steht in der A-Liste für Massnahmen zur Förderung von Agglomerationen in der Periode 2019 bis 2022. Für Lukas Reichle ein irrwitziges und vor allem unnützes Unterfangen. Er ist der Meinung, dass das Strassennetz in der Agglomeration Rorschach auch die künftige Verkehrsmenge auffangen kann. Dazu brauche es lediglich Unterführungen

Tunneleingang Sulzbergstrasse Goldach

«Die Behörden haben über das Projekt bis heute nur sehr oberflächlich und einseitig informiert. Es fehlen klare Fakten, um einen echten Diskurs zu führen. Vielen Menschen ist gar nicht klar, welche gigantischen Verschneidungen in der Landschaft durch den A1-Zubringer entstehen.» Felix Gemperle betont zwar, dass Dominik Gemperli, Gemeindepräsident von Goldach und Vorsitzender von «Autobahnanschluss Plus» offen kommuniziere, pflichtet aber seinem Mitstreiter bei. «Es ist wichtig, dass wir aufzeigen, wie die Realitäten wirklich sind, der Stimmbürger soll wissen, zu was er Ja oder Nein sagt.» Helfen sollen dabei auch 3-D-Visualisierungen, die zeigen, wie die Tunneleinfahrten die Gebiete Industriestrasse in Rorschach und Hohrain in Goldach verändern werden.

Die Visualisierungen zeigen Bilder von massiven Eingriffen in Stadt und Land, ver-gleichbar mit den Sünden der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts.

«Wir haben für diese Visualisierungen den aktuellen Planungsstand auf den Ebenen Gemeinde, Kanton und Bund abgeholt. Sie zeigen also sehr nahe an der Realität, wie es bei einer Umsetzung eines zusätzlichen Autobahnanschlusses aussehen würde», so Reichle. Verkehrsplanerisch sei das Projekt nicht zu rechtfertigen, zeigen sich die beiden überzeugt. «Es gäbe auch andere Ansätze, doch Alternativen wurden leider gar nie geprüft. Für ein 200-Millionen-Franken-Projekt ist das Ganze schlicht unseriös analysiert und geplant», sagt Gemperle.

Der Trauerflor soll die Bevölkerung wachrütteln

Draussen vor dem «Hohrain» steckt ein grosses «Nein»-Plakat im Boden. Mit schwarzen Bändeln versehene Absperrungen sollen sichtbar machen, wie Ein- und Ausfahren die Landschaft verschandeln werden. «Der Trauerflor soll symbolisieren, dass dieses Naherholungsgebiet unwiederbringlich zerstört wird», sagt Gemperle und Reichle ergänzt: «Der A1-Zubringer soll vom stillen Behördenprojekt an die Öffentlichkeit gebracht werden. Geschehen soll dies mit Visualisierungen, professionell gestalteten, grossformatigen Plakaten und Standaktionen in Rorschach und Goldach.»

Keine gleich langen Spiesse

Dem Verein stehen dafür 30000 Franken an Mitgliederbeiträgen und Sponsorengeldern zur Verfügung. «Soviel, wie die IG mobil von der Stürm-Stiftung erhalten hat», stellt Gemperle konsterniert fest und hofft, dass noch mehr Geld hereinkommt. Gemperle und Reichle kritisieren, dass weder vom Kanton noch vom Bund bis zur Abstimmung im November detaillierte Pläne zu erwarten seien. «Das ist mit Sicherheit nicht der richtige Weg. In einem Land mit Öffentlichkeitsprinzip ist das nicht verständlich.»