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Gegentribüne: Dem FC St.Gallen fehlen Spieler für magische Momente

Das Abstiegsgespenst scheint vertrieben, aber das Spiel gegen Lugano und im Prinzip die ganze Saison hat gezeigt, dass dem FC St.Gallen Spieler mit besonderen Fähigkeiten fehlen. Zudem haben die Luganesi einmal mehr gezeigt, dass sie schlechte Gewinner sind.
Fredi Kurth
Einer der wenigen St.Galler, welcher Betriebstemperatur erreichte: Goalie Dejan Stojanovic. (Bild: freshfocus)

Einer der wenigen St.Galler, welcher Betriebstemperatur erreichte: Goalie Dejan Stojanovic. (Bild: freshfocus)

Die Partie im Tessin verlief so wie alle Spiele zwischen diesen beiden Teams in dieser Saison. Die aktivere Mannschaft findet keinen Weg vor dem gegnerischen Tor, dem Konterteam genügt eine durchschnittliche Leistung. Und das war aus St.Galler Sicht aus drei Gründen ärgerlich:

  1. Das Spiel Luganos ist wie kaum ein anderes der Super League vorhersehbar (ausser vielleicht jenes von St.Gallen).
  2. Mit dem ersten Schuss der Tessiner – dem Freistosstor von Alexander Gerndt – war die Niederlage, so schien es zumindest, beschlossene Sache.
  3. Es war nicht zu erkennen, dass die Espen aus den bisherigen Spielen gegen die Tessiner irgendwelche Lehren gezogen hat.

Lugano spielt, was es kann

Der FCSG versucht den schwierigen Fussball, Lugano den einfachsten. St.Gallen versucht, selber kreativ zu sein, was ihm auch diesmal gründlich misslang. Lugano wartet auf Kontergelegenheiten – und dazu muss man nicht viel beitragen. Die kommen von alleine. Allerdings bedient sich Luganos Trainer Fabio Celestini eines Rezepts, welches auf die Spieler massgeschneidert ist.

Sie beherrschen das Konterspiel wie kein zweites Team (Luzern ausgenommen). St.Gallen arbeitete derweil wieder fleissig an seinem Eckballverhältnis. Von vier Cornern in der ersten Halbzeit waren drei eminent gefährlich; dies aber für die St.Galler selber: Die anschliessenden Gegenstösse säten Panik in der Espen-Abwehr.

Einer wurde besonders vermisst

Das Spiel im Tessin hat gezeigt: Es fehlt dem FC St. Gallen an Spezialisten; einem Spieler, der Standards gefährlich werden lässt, an einem Knipser, der auch mal aus keiner Chance trifft, an Kopfballexperten – ich erinnere mich nur an ein einziges Kopftor, von Cedric Itten gegen Xamax. Lang, lang ist’s her.

Es fehlt an einem Spieler, der den entscheidenden Pass spielen kann und an einem, der auch aus der zweiten Linie mal trifft oder aus dem Lauf heraus präzis flanken kann. Einen hätten wir, der einige dieser Fähigkeiten in sich vereint, der im Tessin an allen Ecken vermisst wurde und auch nächste Saison vermisst wird.

«Ein Nachfolger von Tranquillo Barnetta ist nicht in Sicht.»

Natürlich fällt die Absenz solcher Qualitäten gegen eine Mannschaft wie Lugano besonders auf, weil aus Kombinationen heraus wenig möglich ist. Gegen diesen Beton tut sich jede Mannschaft schwer, auch YB war vor wenigen Wochen froh, als es an gleicher Stelle in letzter Sekunde noch das 1:0 erzielen konnte. Luganos Spieler hatten sich bei einem Eckball das erste Mal in grosser Zahl nach vorne gewagt – und YB eröffnete sich die erste Gegenstoss-Situation.

St.Gallen stark als Mannschaft

Aber natürlich weiss sich St. Gallen gegen andere Gegner auch zu helfen, im Teamverbund. Bemerkenswert wie oft neben Barnetta auch Bakayoko und Kutesa an den Toren beteiligt waren, Ashimeru taucht in der Statistik als Assistgeber und Torschütze auf. Und auch gegen Lugano war am Donnerstag nicht alles schlecht. St.Gallen war in der Rückwärtsbewegung solider als noch im Herbst im Cornaredo (1:3-Niederlage), liess fast nur jene Konter zu, die sich aus der Aufholjagd heraus ergaben. St.Gallen ist in der Rückrunde defensiv solider geworden, auch weil es den Hurrastil angepasst hat.

Ein Schlussrang in der grossen Masse

Nun steuern die St.Galler mit einem Heimspiel gegen die Young Boys (28 Siege in 34 Spielen) und dem Auswärtsspiel beim FC Zürich (bisher 10 von 12 möglichen Punkten an den FCSG) dem Saisonende entgegen. Der Barrageplatz ist nur dann noch möglich, wenn Xamax daheim gegen Lugano und in Basel gewinnt, St.Gallen zweimal verliert und dabei die im Moment um sechs Treffer bessere Tordifferenz einbüsst.

Gleichzeitig muss es von Sion (GC auswärts und Thun zuhause) überholt werden. Dieses Szenario ist in einer verrückten Meisterschaft nicht ganz auszuschliessen. Doch ist ein internationaler Platz ebenso noch möglich wie ein Platz zwischen Stuhl und Bank. Wie auch immer: Der FC St.Gallen nimmt dann eine Position ein, die seinem Leistungsformat während der ganzen Saison entspricht. Er taucht unter in der grossen Masse, die von Rang drei bis neun reicht.

Aufgefallen

(th) Aus St.Galler Optik gehört der FC Lugano in dieser Saison sicher nicht zu den Sympathieträgern der Super League, aus bekannten Gründen. Doch auch aus objektiver Warte werden die Tessiner immer wieder mal auffällig. So handelt es sich um die Mannschaft mit den meisten gelben Karten. Ihre destruktive Spielweise kommt zudem in der Resultatstatistik zum Ausdruck: 10 Siege, 14 Unentschieden, 10 Niederlagen, mit Abstand am meisten Unentschieden, der FC St.Gallen verzeichnet bloss sechs.

Das wäre auch nicht zu beklagen; Konterfussball ist ein legitimes Stilmittel. Doch wehe der Gegner wagt ebenfalls einen Gegenangriff, dann wird er gnadenlos attackiert, das endet – so auch am Donnerstag – fast immer mit einem Foulspiel, Höhepunkt diesmal die Attacke von Domen Crnigoj gegen Majeed Ashimeru in der 92. Minute. Luganos Gerndt hatte danach die Unverschämtheit, im Interview den Schiedsrichter als den zwölften Mann der St.Galler zu bezeichnen. Der Tumult an der Seitenlinie machte sich schlecht in einer Zeit, da sich vor allem Hooligans daneben benehmen. Drunter und drüber war es in Lugano auch gegangen, als sich Jean Pierre Nsamé am 24. Februar erfrecht hatte, für YB nach 94 Minuten den Siegtreffer zu erzielen.

Aufgefallen 2.0

(th) «Als das Espenlaub zu zittern aufhörte»: So lautete die Schlagzeile in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 21. Oktober vergangenen Jahres. Sie erregte natürlich die Aufmerksamkeit eines FC-St.Gallen-Anhängers, und er erfuhr viel ihm Unbekanntes über den Baum, der vor wenigen Jahren erst wieder zwischen Kellenberger-Areal und Espenmoos-Sportplatz angepflanzt worden war. Die Espe ist im Grunde eine Pappel, auch Zitterpappel genannt, weil sich in ihrer mächtigen Krone zitterndes Espenlaub bewegt. Der längere Artikel erzählt die Geschichte von acht Espen, die zu tiefen DDR-Zeiten auf sandigem, mecklenburgischen Boden mühsam herangezüchtet worden waren. Eine von ihnen wurde vor zwei Jahren von einem der heftiger werdenden Herbststürme umgeworfen. Da mussten nun auch die andern sieben Exemplare daran glauben. «Zu gefährlich», befand ein Beamter. Die Espen hatten als Flachwurzler zu wenig halt auf dem Sandboden. «Wer hat sie nur hierher gesetzt?», fragte der junge Mann. Die Bäume verschwanden, doch die weit verbreiteten Wurzeln erwiesen sich als hartnäckig. Kleine Espenhaine schossen wieder hoch, die Espen sind nicht unterzukriegen. Ein schönes Bild. Auch der FC St. Gallen ist nach vier Abstiegen seit 1970 immer wieder hochgeschossen, schon in der darauffolgenden Saison. Wer zittert jetzt noch vor dem Barrageplatz?

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