Gegen das Hochwasser: Der Mörschwiler Näppenschwilerbach bekommt für sieben Millionen ein neues Bett

Immer wieder ist Wasser aus dem unterirdischen Bachlauf an die Oberfläche getreten. Dem wird nun ein Ende gesetzt.

Johannes Wey
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Über die Wiese und die Strasse läuft das Wasser bei Starkregen in die Riederen.

Über die Wiese und die Strasse läuft das Wasser bei Starkregen in die Riederen.

Nik Roth

Das Gras steht hoch auf der Wiese südwestlich des Mörschwiler Weilers Riederen. Der erste Schnitt ist noch nicht erfolgt. Auf den Bach, der hier fliesst, weist nur ein Schachtdeckel hin, unter dem die Eindolung verläuft.

Hanspeter Koller weist auf die Kuppe:

«Wenn es sehr stark regnet, bildet sich dahinter ein Weiher. Und wenn der überläuft, kommt das Wasser hier herunter.»
Hanspeter Koller.

Hanspeter Koller.

Nik Roth

1,5 Kilometer kosten über sieben Millionen

Koller von der Wälli AG Ingenieure ist Projektleiter für die Sanierung des Näppenschwilerbachs. Sie erstreckt sich über rund 1,5 Kilometer, auf einem knappen Drittel davon wird der Bach offengelegt.

Rund 7,3 Millionen Franken kostet das Projekt, 4,3 Millionen davon muss die Gemeinde tragen. Den Rest steuern Bund und Kanton bei.

Bis Ende Jahr dürfte der Löwenanteil der Arbeiten abgeschlossen sein, so dass 2021 im Wesentlichen noch Umgebungs- und Instandstellungsarbeiten anfallen.

Fit für ein Unwetter, wie es nur alle 100 Jahre vorkommt

Der Bach soll dann genügend Kapazitäten aufweisen, um einem hundertjährlichen Ereignis, einem Unwetter wie es statistisch nur alle 100 Jahre zu erwarten ist, beizukommen. In der Riederen, wo es 2002 grosse und seither immer wieder kleinere Schäden gegeben hat, muss die Eindolung dafür 6,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schlucken können, sagt Koller.

2002 trat der Bach über die Ufer, hier im unteren Dorfabschnitt beim Weiler Näppenschwil.

2002 trat der Bach über die Ufer, hier im unteren Dorfabschnitt beim Weiler Näppenschwil.

PD
«Es ist klar, dass die heutige 30-Zentimeter-Röhre dem nicht beikommt.»

Deshalb wird die Eindolung da, wo der Bach unter der Erde bleibt, auf 1,40 Meter erweitert, mit 16 Zentimetern dicken Betonröhren. Vom Bauplatz bei der Schreinerei Bock wird sich dafür eine Spezialmaschine ins Quartier bohren. Die bisherige Röhre wird weiterhin das Meteorwasser aus dem Siedlungsgebiet von der Güterstrasse aufnehmen.

Ein zweiter Arm wird im Feld auf der gegenüberliegenden Strassenseite münden, da wo die Kibag eine Aushubdeponie plant. Dort kommen bei einem hundertjährlichen Ereignis weitere 1,5 Kubikmeter pro Sekunde zusammen, woran sich die geforderte Kapazität von acht Kubikmetern und mehr für die unteren Bachabschnitte bemisst.

Von dieser Grube aus wird sich die Spezialmaschine der Rorschacherstrasse entlang nach unten und dann nach oben bohren.

Von dieser Grube aus wird sich die Spezialmaschine der Rorschacherstrasse entlang nach unten und dann nach oben bohren.

Nik Roth

Im Zweischichtbetrieb abwärts

Zunächst, und das schon in wenigen Wochen, wird sich der Bohrkopf aber der Rorschacherstrasse entlang nach unten winden. Auf diesem Abschnitt, mit 450 Metern der längste, werden täglich zwei Schichten gefahren. Denn wenn die Maschine zu lange still steht, erhöht sich die Gefahr, dass sie nicht mehr reibungslos anläuft, wie Koller erklärt. Acht bis zehn Meter soll der Bohrkopf so jeden Tag zurücklegen und vorzu die drei Meter langen Rohrelemente einbringen.

Ans Tageslicht kommt der Bach erst auf einem kurzen Stück auf Höhe der neuen Überbauung Schöntal und führt dann - unterbrochen von unterirdischen Abschnitten, am namensgebenden Weiler Näppenschwil vorbei.

Das Bachbett nimmt Gestalt an

Dort unten sind die Bauarbeiten schon weit fortgeschritten. Beim Wasserbau arbeitet man sich grundsätzlich von unten nach oben vor, erklärt Hanspeter Koller.

Das neue Bett des Näppenschwilerbachs nimmt entlang der Rorschacherstrasse Gestalt an.

Das neue Bett des Näppenschwilerbachs nimmt entlang der Rorschacherstrasse Gestalt an.

Nik Roth

Schon fast idyllisch ist die Landschaft trotz Baupiste, Maschinen und Männern in Orange auf Höhe des Weilers Näppenschwil. Es herrscht eine trügerische Ruhe - nach Regenfällen sind aufgrund der Nässe nicht alle Arbeiten möglich. Ein Frosch hüpft durch das feuchte Gras, während wenige Meter weiter ein Arbeiter an einem Übergang werkelt.

Weil die alte Eindolung leckgeschlagen ist, fliesst hier schon etwas Wasser im neuen Bachbett.

Weil die alte Eindolung leckgeschlagen ist, fliesst hier schon etwas Wasser im neuen Bachbett.

Nik Roth

Während hier im Landwirtschaftsland nur ein kleiner Steg nötig ist, haben die Wellstahltunnels weiter oben einen Durchmesser von 2,5 Metern. Das hat nicht nur mit der Wassermenge zu tun, die sie fassen müssen, wie Koller erklärt:

«Kleintiere benutzen den Tunnel eher, wenn er grösser und heller ist.»
Die Bachdurchlässe müssen auch Kleintieren als Korridor dienen.

Die Bachdurchlässe müssen auch Kleintieren als Korridor dienen.

Nik Roth

Für sie haben die Tunnels eigens einen Absatz. Der Bachgrund wird auch im Tunnel naturnah mit Kies gestaltet und das Gefälle muss immer auch den Fischen eine Passage ermöglichen.

Die alte Eindolung dient während der Bauarbeiten noch dazu, das Bachwasser abzuleiten. Sie soll später abgebrochen oder verfüllt werden. An einer Stelle auf dem untersten Abschnitt der Sanierung ist sie leckgeschlagen, weshalb hier schon ein wenig Wasser im neuen Bett fliesst. Es gibt nur eine leise Ahnung von den Massen, die der Näppenschwilerbach schon bald wird schlucken können.

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