Gegen das Gossauer Altersheim-Provisorium regt sich Widerstand - Stadträtin Helen Alder Frey wittert ein gezieltes Manöver

Anstatt ein Provisorium zu bauen, sollen private Heime die Bewohner des «Espels» in Gossau aufnehmen.

Johannes Wey
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Gegen den Anbau an das Betagtenzentrum Schwalbe regt sich Widerstand. Bild: Ralph Ribi (10. Oktober 2019)

Gegen den Anbau an das Betagtenzentrum Schwalbe regt sich Widerstand. Bild: Ralph Ribi (10. Oktober 2019)

Einen guten Monat, nachdem die Sana Fürstenland AG die Schliessung des Pflegeheims Espel angekündigt hat, mischt sich die IG für ein optimiertes Pflegeheim (Igop, siehe Kasten) wieder in die Diskussion ein: Bevor das Parlament einen Beitrag von drei Millionen Franken an einen vorübergehenden Anbau zum Pflegeheim Schwalbe spreche, soll es prüfen, ob die Plätze des Espels bis zum Bezug eines neuen Pflegeheims nicht von privaten Betrieben abgedeckt werden könnten. Das fordert die IG in einem Schreiben an die Mitglieder des Stadtparlaments und des Stadtrats.

Weil sich der Neubau auf dem Andreasareal seit Jahren verzögert, sieht sich die Sana Fürstenland AG gezwungen, das marode Espel zu schliessen. Die Bewohner sollen in einen provisorischen Anbau bei der «Schwalbe» ziehen.

Private stehen in den Startlöchern

Die privaten Pflegeheime in Gossau hätten die Bereitschaft signalisiert, die 37 Plätze innert nützlicher Frist bereitzustellen. Damit würde die Sana Fürstenland AG eine Million und die Stadt Gossau als Mehrheitsaktionärin drei weitere Millionen Franken sparen, sagt Marius Thürlimann von der IG. Für die Bewohner wäre diese Lösung kostenneutral, da auch diese Heime vom Kanton anerkannt und damit ergänzungsleistungskonform seien.

«Der städtische Beitrag von drei Millionen Franken wäre für die Katz.»
Marius Thürlemann, IG optimiertes Pflegeheim (Bild: PD)

Marius Thürlemann, IG optimiertes Pflegeheim (Bild: PD)

Die Igop glaube zudem, dass sich die Module, aus denen das Provisorium gebaut werden soll, kaum wieder verkaufen liessen. Allerdings ist genau dieser Rückkauf bereits Teil der Ausschreibung, die derzeit läuft.

Politischer Prozess bietet mehrere Möglichkeiten

Die vorberatende Kommission (VBK) für den Beitrag über drei Millionen Franken hat die Arbeit bereits aufgenommen. Stadtrat und Sana Fürstenland hoffen, dass das Geschäft am 5. November ins Stadtparlament kommt.

Sandro Contratto (Bild: PD)

Sandro Contratto (Bild: PD)

«Wir werden sehen, wie die VBK entscheidet», sagt Sandro Contratto. Er hat das Schreiben der Igop mitverfasst und ist Präsident der FDP-Fraktion. Als solcher sitzt er auch im Parlamentspräsidium, das die Traktandenliste der Sitzungen festlegt. Er hoffe, dass bis zur Sitzung weitere Abklärungen getroffen werden. Ansonsten könne er sich vorstellen, auf eine Verschiebung des Geschäfts hinzuwirken. Das könne im Präsidium oder im Parlament sein. Die Stellungnahme der FDP-Fraktion ist aber noch offen, da die Fraktion noch keinen Entscheid gefällt hat.

Wegfall von Pflegeplätzen würde Loch in Kasse reissen

Stadträtin Helen Alder Frey kann den Vorschlägen der Igop nichts abgewinnen.

«Es läuft ein Verdrängungskampf mit dem Ziel, die Sana Fürstenland AG zu schwächen.»

Als sich abzeichnete, dass der Betrieb im Espel nicht mehr länger aufrechterhalten werden könne, habe man auch eine ersatzlose Schliessung geprüft. Damit würde man den Auftrag aus der Volksabstimmung 2013 nicht erfüllen, sagt Alder. «Die Sana ist an den Volksentscheid gebunden.» Zudem müssten rund 50 Personen entlassen werden, um dann hinsichtlich der Eröffnung eines neuen Heims mit viel Aufwand ein neues Team zusammenzustellen.

Helen Alder (Bild: Michel Canonica)

Helen Alder (Bild: Michel Canonica)

Mit der Zusammenlegung in einem Provisorium plant die Sana Fürstenland AG ihrerseits den Abbau von zehn bis zwölf Stellen und jährliche Einsparungen von rund einer Million Franken. «Gerade deswegen ist die Lösung mit dem Provisorium so bestechend, weil man die Betriebe schon jetzt zusammenlegen kann», sagt Alder.

Würde man hingegen eine Übergangslösung mit privaten Heimen suchen, dann müsste die Sana Fürstenland AG zu Gunsten der Privatunternehmen auf die 49 Pflegeplätze verzichten, die das Espel heute auf der kantonalen Pflegeheimliste einnimmt. «Das würde der Sana Fürstenland ein Loch von mindestens 700000 Franken jährlich in die Kasse reissen», sagt Alder.

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