Meteorologe zum März-Wetter am Bodensee: «Gefährlich wird es, wenn die Obstbäume blühen»

Die Vegetation ist vier bis sechs Wochen im Vorsprung. Laut OT-Meteorologe Christoph Frauenfelder wäre ein Spätfrost heikel für blühende Obstbäume oder Reben.

Rudolf Hirtl
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Geht es nach dem wärmsten Februar seit Messbeginn auch im März weiter mit dieser enormen Wärme?

Christoph Frauenfelder: Der Trend scheint augenfällig, doch zwei Monate hintereinander eine so grosse Temperaturabweichung von 5 Grad ist unwahrscheinlich. Wohl sprechen wir von einer Erhaltungsneigung des Wetters. Wenn wir zum Beispiel das heutige Wetter für morgen voraussagen, haben wir bereits eine Trefferquote von 65 Prozent.

Christoph Frauenfelder

Christoph Frauenfelder

Bild: PD

Ähnlich verhält es sich mit den Monatswerten. Einem wesentlich zu warmen Monat folgt meist ein weiterer zu warmer Monat. Eine erste Zwischenbilanz (1. Dekade) attestiert dem März jetzt schon einen Temperaturüberschuss.

Kommt noch ein Märzenwinter ins Unterland? Wir hatten ja kaum Winter?

Der Winter ist noch nicht ausgestanden. Im März 2006 gab es am Bodensee auch noch 40 Zentimeter Schnee. Doch wenn wir einen Blick auf die nächsten zwei Wochen werfen, so ist kein Wintereinbruch in Sicht.

Wie steht es mit der Vegetation, drohen Spätfroste?

Der warme Winter bliebt nicht ohne Auswirkungen auf die Vegetationsentwicklung. Sie weist derzeit einen grossen Vorsprung von vier bis sechs Wochen auf. Und dieser vergrössert sich weiter. Gefährlich wird es, wenn die Obstbäume und die Reben blühen und Fruchtstände angesetzt haben. Dann könnte der Fruchtansatz erfrieren. Solches erlebten wir Ende April 2017, als die Temperaturen nach einer klaren Nacht auf -5 Grad sanken.

Wie hat sich das Märzenwetter entwickelt?

In jüngster Zeit ist der März wärmer, sonniger und trockener geworden. Hin und wieder bringt der erste Frühlingsmonat bereits kräftige Frühlingsgewitter. Dahinter folgen bei langem Aufklaren vielfach frostige Nächte. Trockene Witterung ist aber in der Landwirtschaft erwünscht, denn: «Märzenstaub bringt Frucht und Laub.» Die Saat gedeiht besser.