Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Gedruckt statt gemalt: Ausstellung in St.Gallen zeigt Carl August Liner als Grafiker

Noch bevor es den Beruf des Grafikers gab, war Carl August Liner (1871-1946) schon als solcher tätig. Eine Ausstellung im Historischen und Völkerkundemuseum in St.Gallen zeigt Druckgrafiken des Künstler. Unter anderem eines der ersten Schweizer Werbeplakate.
Roger Berhalter
Als wäre der Künstler nur kurz weg: Original-Mobiliar von Carl August Liner aus dem «Landhaus Unterrain» in Appenzell, nach St.Gallen ins Historische und Völkerkundemuseum gezügelt. (Bild: Thomas Hary)

Als wäre der Künstler nur kurz weg: Original-Mobiliar von Carl August Liner aus dem «Landhaus Unterrain» in Appenzell, nach St.Gallen ins Historische und Völkerkundemuseum gezügelt. (Bild: Thomas Hary)

Frauen in Trachten, Männer beim Mähen: Carl August Liner (1871–1946) ist vor allem für seine Appenzeller Portraits und Landschaftsbilder bekannt. Doch der Künstler fertigte auch Holzschnitte und Lithografien an, wie die neue Ausstellung «Schlicht und einfach Liner» im Historischen und Völkerkundemuseum zeigt. Der in St.Gallen geborene und später in Appenzell wohnhafte Künstler war ein Pionier der Druckgrafik. Er beschäftigte sich in der Schweiz als einer der ersten damit und druckte auch eines der ersten modernen Werbeplakate der Schweiz, anlässlich des «Culturhistorischen Festzuges» 1899 in St.Gallen. Das Plakat zeigt einen Hunnenkrieger, der dem Betrachter entgegengaloppiert.

Sabine Hügli, Kunsthistorikerin und Gastkuratorin im Historischen und Völkerkundemuseum (Bild: Thomas Hary)

Sabine Hügli, Kunsthistorikerin und Gastkuratorin im Historischen und Völkerkundemuseum (Bild: Thomas Hary)

«Liners Grafiken sind verblüffend modern», sagt Sabine Hügli. Die St.Gallerin hat sich im vergangenen Jahr intensiv mit Liners Druckgrafiken beschäftigt und die Ausstellung in St.Gallen kuratiert. «Bisher gab es keine wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Bilder», sagt die Kunsthistorikerin. Nun liegt erstmals eine Übersicht über Liners Holzschnitte, Lithografien und Radierungen vor. Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erschienen, die veranschaulicht, dass Liner einen wesentlichen Beitrag zur Künstlergrafik im frühen 20. Jahrhundert geleistet hat. Zu einer Zeit, als es den Beruf des Grafikers noch gar nicht gab, war Carl August Liner schon als solcher tätig.

Männer beim Mähen und Sägen: Die Druckgrafiken von Carl August Liner zeigen - so wie viele seiner Zeichnungen und Gemälde - oft Szenen aus dem Appenzeller Bauernalltag. (Bild: Thomas Hary)

Männer beim Mähen und Sägen: Die Druckgrafiken von Carl August Liner zeigen - so wie viele seiner Zeichnungen und Gemälde - oft Szenen aus dem Appenzeller Bauernalltag. (Bild: Thomas Hary)

Von einer Appenzeller Stiftung finanziert

Gleich beim Betreten der Ausstellung blickt man in das Atelier des Künstlers. Eine hölzerne Wohnwand begrüsst die Besucher, auf einem Tischchen liegen halb ausgedrückte Farbtuben, auf der Staffelei steht eine Leinwand bereit. Es wirkt, als hätte Liner seinen Arbeitsplatz gerade eben verlassen. Mobiliar und Material stammen aus dem «Landhaus Unterrain», jenem Bauernhaus in Appenzell, wo Liner von 1907 bis 1930 bauerte, wohnte und künstlerisch tätig war.

Heute verwaltet die Stiftung «Landhaus Unterrain – Carl und Katharina Liner» das künstlerische Werk von Carl Liner senior und junior. Die Stiftung hat nicht nur das Atelier-Inventar und die Kunstwerke zur Verfügung gestellt, sondern auch die einjährige wissenschaftliche Arbeit von Sabine Hügli finanziert, samt Ausstellung und Begleitkatalog.

Postkarten fürs Kinderfest: Mit solchen Gebrauchsgrafiken finanzierte Carl August Liner einen Teil seines Lebensunterhalts. (Bild: Thomas Hary)

Postkarten fürs Kinderfest: Mit solchen Gebrauchsgrafiken finanzierte Carl August Liner einen Teil seines Lebensunterhalts. (Bild: Thomas Hary)

Kinderfest-Postkarten und ein Olma-Plakat

Die Frauen in Trachten, die Männer beim Mähen: Auch sie sind in der Ausstellung zu sehen, allerdings in gedruckter Form. Dazu kommen Gebrauchsgrafiken, mit denen Liner seinen Lebensunterhalt mitfinanzierte: Postkarten für das St.Galler Kinderfest, ein Plakat für das «Eidgenössische Unteroffiziers-Fest» 1911 in St.Gallen, Neujahrskarten und Geburtsanzeigen. Zu sehen ist sogar ein Plakat von 1907 für die Olma, die damals noch «Kantonale landwirtschaftliche Ausstellung» hiess.

Ausstellung bis 14.4.2019, jeweils Di–So, 10–17 Uhr
Vernissage morgen Fr, 18.30 Uhr

Rahmenprogramm: Tanzen, Schnitzen und Drucken

Zur Ausstellung «Schlicht und einfach Liner» im Historischen und Völkerkundemuseum gehört auch ein Begleitprogramm. Kuratorin Sabine Hügli bietet mehrere Führungen an. Am 10. März lädt Dina Langenegger unter dem Motto «Appenzeller Tänze leicht gemacht» zu einer Tanzstunde für die ganze Familie. In Workshops können Erwachsene die Technik des Holzschnitts selber lernen (9. Februar), und Kinder können Weihnachtskarten drucken (15. Dezember). Eine Exkursion führt am 7. April in das «Landhaus Unterrain» in Appenzell. Das ehemalige Atelier- und Wohnhaus von Carl Liner ist normalerweise nicht öffentlich zugänglich.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.