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«Gartenarbeit tut Suchtkranken gut» - Tübacher Mühlhof-Gärtner sagt Tschüss

Während 34 Jahren hat Bruno Ambühl die Bio-Gärtnerei des Mühlhofs geführt. Die Begegnungen im Tübacher Zentrum für Suchttherapie gingen an ihm nicht spurlos vorbei. Nun tritt er in den Ruhestand.
Jolanda Riedener
Im Gewächshaus züchtet Bruno Ambühl Pflanzen – am Donnerstag zum letzten Mal. (Bild: Jolanda Riedener)

Im Gewächshaus züchtet Bruno Ambühl Pflanzen – am Donnerstag zum letzten Mal. (Bild: Jolanda Riedener)

Die Luft ist warm und frisch im Gewächshaus des Tübacher Mühlhofs. Die Sonne scheint durch die Glasfronten ins Innere, wo die ersten Geranien gezogen werden. Seit 34 Jahren pflanzt, bewässert und düngt der 65-jährige Bruno Ambühl hier Setzlinge. Später ziehen er und sein Team das Gemüse auf dem Feld gross. Zum Team gehört Arbeitsagoge Stefan Rüesch und die Klienten des Mühlhofs, einer Institution für Suchtkranke. Fünf bis neun Klienten beschäftigen sich rund 20 Stunden die Woche in der Gärtnerei, als Teil der etwa vier- bis sechsmonatigen stationären Therapie.

Alkoholsucht komme am häufigsten vor, gefolgt von Tabletten oder illegalen Substanzen wie Kokain. Früher war die Gärtnerei nur Arbeitsbereich für die Bewohner. Heute wird sie stärker in die Therapie einbezogen. Neben der Gärtnerei gibt es weitere Beschäftigungsbereiche, zum Beispiel in den Bereichen Hauswartung, Küche, Wäscherei oder beim Arbeiten mit Holz und Metall.

«Gartenarbeit hilft bei der Ablenkung vom Alltag und der Sucht»

, sagt Ambühl. Die Beschäftigung in der Natur und Pflanzenwelt, das Schwitzen im Gewächshaus oder der Kontakt mit den Kunden, tue ihnen gut. «Es ist eine realitätsnahe Arbeit und man sieht das Produkt seiner Anstrengung.»

Aufgabe mit sozialen und wirtschaftlichen Aspekten

Bruno Ambühl wohnt unmittelbar an seinem Arbeitsort, in einem Haus, das zum Mühlhof-Areal gehört. Nach dem Agronomie-Studium arbeitete der gebürtige Luzerner Hinterländer als Landschaftsgärtner und im Gartenbau – unter anderem in Genf. Den Innerschweizer Dialekt hat er beibehalten. «An der Stelle hat mich die Kombination aus Sozialem und Fachlichem gereizt», erinnert sich Ambühl. Er entschied sich, seinen Wohnort einmal quer durch die Schweiz, nach Tübach zu verlegen. Bereut habe er den Wechsel seines Lebensmittelpunktes nicht. Die Arbeit mit den Klienten und gleichzeitig die Gärtnerei betriebswirtschaftlich zu führen, das sei immer wieder eine grosse Herausforderung. «Das verlangt viel persönliches Engagement», sagt Ambühl. Es könne immer vorkommen, dass die Klienten das Programm abbrechen oder kurzfristig Therapieblöcke statt der Arbeit im Gewächshaus anstehen. Die Pflanzen müssen trotzdem bewässert und das Gemüse geerntet werden.

«Die Klienten bringen einen schweren Rucksack mit, ihre Probleme belasten sie. Wir geben ihnen einen Boden unter den Füssen: Hier können sie wieder elementare Dinge erleben»

, sagt Ambühl. Natürlich würden ihn die Schicksale beschäftigen. Um seinen Job professionell ausführen zu können, darf er diese nicht zu sehr an sich heran lassen. Dafür sei auch die Unterstützung im Team wichtig. «Man lernt, sich abzugrenzen», sagt Ambühl. Schliesslich gebe es auch viele Erfolgserlebnisse: Manche Ehemalige schauen wieder vorbei, um zu zeigen, dass es ihnen gut geht. Sie sind stolz auf das, was sie erreicht haben. Und sehr dankbar.

Tübacher als Vorreiter von Bioprodukten

Lange bevor der Bioboom in der Region angekommen war, produzierte die Gärtnerei Mühlhof bereits biologisch. Die Nachfrage war entsprechend gross. Dass Bio heute eine breite Masse anspricht, findet Ambühl gut. Für Gesundheit und Umwelt sei dies besser. Der administrative Aufwand sei hingegen gross: Die Gärtnerei muss Arbeitsschritte detailliert festgehalten. Ambühl und sein Team erhalten für ihre Produkte viele positive Rückmeldungen seitens der Kundschaft. «Unsere Rüebli seien mit jenen aus den Läden nicht zu vergleichen, sie schmecken besser und sind länger haltbar. Dieses Lob tut auch den Klienten gut.»

Seinen grünen Daumen legt Bruno Ambühl mit dem Ruhestand nicht ab. «Ich werde vermehrt experimentieren», sagt er. Ein Stück Land dazu fehle ihm noch. Auch werde er Zeit in der Natur verbringen, während Erika Oehler seine Nachfolge antritt.

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