Garnelen aus dem Kaspischen Meer erobern den Bodensee – sehr zur Freude der Eglis

Taucher werden derzeit im See von Garnelen umschwärmt. Besonders in Hafenanlagen findet man sie nachts. Dann steigen sie vom Grund ins Freiwasser. Eglis haben gegen die Eindringlinge nichts einzuwenden, der Speisefisch hat die Neuankömmling zum Fressen gern.

Rudolf Hirtl
Drucken
Teilen
Drei Taucher werden in der Horner Bucht von einem Schwarm Schwebegarnelen begleitet.

Drei Taucher werden in der Horner Bucht von einem Schwarm Schwebegarnelen begleitet.

Tino Dietsche

Gute Sicht bei «angenehmen» sieben Grad Wassertemperatur: Taucher schwärmen von den Bedingungen, die sie aktuell im Bodensee vor Rorschach, Goldach oder Horn vorfinden. Nicht nur Eglis, Welse, Zander, Karpfen und Aale bevölkern die heimische Unterwasserlandschaft, auch fast durchsichtige, sechs bis elf Millimeter kleine Schwebegarnelen tummeln sich in der Bucht. Und weil die Sicht jetzt im Januar um Welten besser ist, als etwa in der wärmeren Jahreszeit, wenn Blütenstaub, Algen und andere Schwebeteile das Wasser im See trüben, bietet sich ein faszinierendes Bild, wenn Garnelen vom Boden aufsteigen und Taucher millionenfach umschwärmen.

Die Ausbreitung der Garnelen begann 2006. Sie sind die Donau hochgekommen und später über Aquarium-Liebhaber in den Bodensee gelangt.
Die Limnomysis benedeni ist daran, den Bodensee zu erobern..

Die Limnomysis benedeni ist daran, den Bodensee zu erobern..

Tino Dietsche

Die Ausbreitung der Schwebgarnele (Limnomysis benedeni) begann 2006. Die von Gewässern rund um das Schwarze Meer stammende Garnele tritt heute im Bodensee in Schwärmen von beachtlicher Grösse auf. Im Herbst 2009 wurde eine weitere Schwebegarnelen-Art (Katamysis warpachowskyi) nachgewiesen.

«Neozoen stehen im Moment noch nicht in Konkurrenz zu anderen Tieren im Bodensee», sagt Peter Rey von der Hydra AG in St.Gallen, auf die Frage, ob die Tiere mit «Migrationshintergrund» nun harmlose Neubürger oder aggressive Invasoren seien. Die Population von Eglis stehe beispielsweise im starken Zusammenhang mit den Garnelen. Garnelen würden von Eglis eifrig gefressen. Gebe es also grosse Garnelenbestände, so würden sich auch die beliebten Speisefische im Bodensee gut vermehren.

Teichmuscheln sind in der Steinacher Bucht praktisch verschwunden

Andererseits seien Garnelen aber ebenso wie Felchen Planktonfresser. Dennoch hätten sie sich bisher nicht als Nahrungskonkurrenten entpuppt, wie anfangs befürchtet. Dies auch deshalb, weil Garnelen im Moment nur vereinzelt in Schwärmen und nicht im ganzen Bodensee auftreten würden.

Als weit grösseres Problem betrachtet auch Peter Rey die Quagga-Muschel, die sich seit rund drei Jahren massenhaft im Bodensee ausbreitet und erheblichen Schaden anrichtet. Das bis zu 40 Millimeter grosse Tier setzt sich beispielsweise in Anlagen der Trinkwasserversorgung fest.

Schwebegarnelen im Bodensee vor Horn.
6 Bilder
Schwebegarnele im Bodensee vor Horn
Die Garnelen sind auch an der Seeoberfläche sichtbar.
Schwebegarnelen im Bodensee vor Horn.
Taucher Auge im Auge mit Schwebegarnelen.
Die Garnelen stehen auf dem Speiseplan von Eglis.

Schwebegarnelen im Bodensee vor Horn.

Bild: Tino Dietsche

In der Steinacher Bucht hat der Neuankömmling die grosse Teichmuschel, die früher im Bodensee deutlich weiter verbreitet war als heute, praktisch verdrängt. Es sei bedauerlich, wenn angestammte Arten verschwinden, sagt Peter Rey, es könne sich so aber unter Umständen auch eine Siedlungsfläche für neue Wasserbewohner bilden.