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In St.Gallen ganz legal die Spraydose zücken

Auf der Kreuzbleiche in St.Gallen können Graffiti-Künstler bald amtlich bewilligt ihre Bilder sprayen. Drei Monate lang steht zwischen Reithalle und Skatepark eine 40 Meter lange Wand zur Verfügung.
Roger Berhalter
Farbe im öffentlichen Raum: Bild einer temporären Graffitiaktion der offenen Jugendarbeit 2013 im Stadtpark. (Bild: PD)

Farbe im öffentlichen Raum: Bild einer temporären Graffitiaktion der offenen Jugendarbeit 2013 im Stadtpark. (Bild: PD)

Ist das Kunst oder kann das weg? Bei kaum einer Kunstform wird diese Frage so laut gestellt wie bei Street Art und Graffiti. Für die einen ist es Schmiererei, für die anderen Gestaltung des öffentlichen Raumes. Die einen sehen es als Verschönerung, die anderen als Verschandelung. Das hat sich in der hitzigen Diskussion um das grosse Frauengesicht an der Fassade der Offenen Kirche vor kurzem wieder gezeigt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Städten gibt es in der Stadt St.Gallen bis jetzt keine legale Spraymöglichkeit. Das soll sich nun ändern, zumindest vorübergehend. Die «Offene Jugendarbeit Zentrum» stellt auf der Kreuzbleiche drei Monate lang eine Graffitiwand auf. Vom 21. Juni bis Ende September steht die gut 40 Meter lange Wand allen Street-Art-Künstlern der Region zur Verfügung.

Graffiti als Kunstform an bester Lage

«Wir wollen Graffiti als Kunstform präsentieren und an einem zentralen Ort sichtbar machen», sagt Daniela Epple von «Offene Jugendarbeit Zentrum». Das Bedürfnis nach einer legalen Graffitiwand sei schon seit über 20 Jahren da, Jugendliche würden immer wieder danach fragen. Zwar organisiere die offene Jugendarbeit regelmässig sogenannte «Graffiti Jams»: einmalige Aktionen, bei denen Wände zum Sprayen aufgestellt und kurz darauf wieder abgebaut werden. Nun wolle man den Street-Art-Künstlern eine länger dauernde oder gar permanente Übungsmöglichkeit bieten.

«Unser Ziel ist eine definitive Lösung», sagt Daniela Epple. Um auszuloten, wie eine solche dauerhafte Graffitiwand in St.Gallen aussehen könnte, müsse man aber zuerst Erfahrungen sammeln. Die Graffitiwand auf der Kreuzbleiche ist deshalb auch ein Pilotversuch.


Interview: Das sagt der St.Galler Street-Art-Künstler Dominik Rüegg dazu

Dominik Rüegg (Bild: Urs Bucher)

Dominik Rüegg
(Bild: Urs Bucher)

Warum braucht St.Gallen eine legale Graffitiwand?

Damit sich hier eine Szene entwickeln kann. Junge Sprayer brauchen eine Fläche, um die Technik zu üben. So eine Wand kann auch zum Treffpunkt für die Szene werden.

Wo trifft sich die St.Galler Szene denn heute?

Die nächstgelegenen legalen Graffitiwände befinden sich in Frauenfeld und Winterthur. Als Jugendlicher ging ich oft nach Wil zum Gare de Lion. Oder halt nach Zürich. Da gab es bis vor kurzem den Dosendealer, einen Spraydosenhändler in einer Industriehalle, die zum Malen freigegeben war. Da traf ich jedes Mal St.Galler.

Wie gross ist die Graffitiszene in der Stadt?

Mir sind etwa 20 bis 30 Aktive bekannt. Ich denke aber, dass noch mehr auftauchen werden, wenn die Graffitiwand bei der Reithalle erst einmal steht. Jedenfalls gibt es auch in St.Gallen Street-Art-Künstler, die schweizweit einen Namen haben.

Viele verbinden Graffiti mit Schmierereien und Vandalismus.

Ja, das Wort Graffiti ist im Raum St.Gallen leider immer noch sehr negativ behaftet. Deshalb spreche ich auch lieber von Street Art. Aber auch da kann eine legale Wand helfen. Heute gibt es ja fast keine Möglichkeit, ein qualitativ gutes Graffiti zu präsentieren! Wenn die Leute begreifen, dass auch das eine Kunstform ist, werden hoffentlich noch mehr Flächen zum Sprayen freigegeben. Es gibt in St.Gallen viele Unorte, die man verschönern könnte.

Gibt es Sprayer, die lieber in der Illegalität bleiben?

Ja, die gibt’s, und die wird man mit einer legalen Wand auch nicht abholen. Aber das sind dann auch nicht jene, die man in ein paar Jahren an Kunstfestivals antrifft.

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