Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Drei Wochen im Wald: St.Galler Theologe will wie Gallus leben

Der Theologe Matthias Wenk lässt sich vom Stadtheiligen inspirieren: Für sein «Gallus-Experiment» zieht er drei Wochen in den Wald oberhalb von St.Georgen – mit Hängematte und Hund, aber ohne Handy.
Christina Weder
Bald startet das Experiment: Matthias Wenk mit seinem Hund im Wald am Rütibach. (Bild: Ralph Ribi)

Bald startet das Experiment: Matthias Wenk mit seinem Hund im Wald am Rütibach. (Bild: Ralph Ribi)

Der katholische Theologe und Seelsorger Matthias Wenk tauscht sein Bett gegen eine Hängematte, seine Küche gegen eine Feuerstelle und sein Badezimmer gegen einen Bach. Drei Wochen lang – vom 11. bis zum 30. Juni – will er im Wald oberhalb von St.Georgen leben. Zu diesem Selbstversuch hat ihn der Heilige Gallus inspiriert, der Namenspatron von Stadt und Kanton.

Dieser kam vor rund 1400 Jahren ins Hochtal der Steinach, baute sich eine Einsiedlerklause und legte damit den Grundstein für die Stadt St.Gallen. Er lebte naturverbunden, einfach und auf der Suche nach Gott. An dieser Lebensgestaltung möchte sich Matthias Wenk orientieren. Der 42-Jährige spricht denn auch vom «Gallus-Experiment».

«Ich bin gespannt auf die Erfahrung, der Natur ausgeliefert zu sein, Zeit zu haben und auf elektronische und moderne Kommunikationsmittel zu verzichten.»

Handy, Computer und iPad lässt der Theologe, der zu je 50 Prozent in der ökumenischen Gemeinde Halden und im Team der Cityseelsorge arbeitet, zu Hause.

Kochgeschirr, Schreibzeug und Bücher im Gepäck

Dabei gehe es ihm nicht darum, wie vor 1400 Jahren zu leben. «Ich werde mich nicht in eine Mönchskutte kleiden», sagt Wenk. Und er werde seinen Tag auch nicht damit verbringen, Nahrung zu suchen. Lebensmittel wird er mitnehmen oder sich bringen lassen. Auch Gepäck wird er dabeihaben: Kochutensilien, Schreibzeug und Bücher, vor allem spirituelle Literatur. Im Wald will er über die Wüstenväter wie den Heiligen Antonius lesen. Denn schon früh in der Geschichte des Christentums hatten sich Menschen aus der Gesellschaft zurückgezogen und in die Natur begeben, um ein von Askese, Arbeit und Gebet geprägtes Leben zu führen.

Der Waldplatz, an dem sich Wenk niederlassen will, liegt am Rütibach und ist zu Fuss in einer Viertelstunde von der Bushaltestelle Bach-St.Georgen zu erreichen. Der Revierförster und das Kantonsforstamt haben ihm bei der Suche nach einem geeigneten Standort geholfen. Die Stadtpolizei hat das Projekt schliesslich bewilligt.

Am Rütibach gibt es ein paar Picknicktische, eine Feuerstelle und eine gefasste Quelle. Bald wird Wenk hier seine Hängematte aufhängen und mit einer Plane überspannen, die ihn vor dem Wetter schützt. Wie er seine Tage genau gestalten wird, weiss er noch nicht genau. Auf jeden Fall wolle er «einfach da sein», die Stille und Abgeschiedenheit aufsaugen, meditieren, Notizen für einen Blog machen und natürlich kochen und essen.

Besuch ist im Wald willkommen

Die Auszeit von drei Wochen hat er mit seiner 14-jährigen Tochter und seiner Frau ausgehandelt, die als Waldpädagogin arbeitet und ihm einige Tipps fürs Leben im Wald mitgeben kann. Nur der Familienhund wird ihn begleiten. Dennoch sucht Wenk nicht die totale Abgeschiedenheit. Besuch sei willkommen. Er lädt dazu ein, alleine oder in Gruppen zum Gespräch vorbeizukommen oder an den Meditationen teilzunehmen, die täglich um 12 und 19 Uhr stattfinden. Am Sonntag, 16. Juni, wird er um 11 Uhr im Wald einen Gottesdienst feiern. Eine Woche später, am 23. Juni, gibt es um 17 Uhr ein Konzert mit Naturklängen von Enrico Lenzin.

Über sein Leben im Wald und seine Gedanken will Wenk täglich einen Blogeintrag im Internet veröffentlichen. Damit das trotz Verzicht auf Handy und Computer möglich ist, sucht er Freiwillige, sogenannte Brieftauben, die seine handgeschriebenen Notizen im Wald abholen, sie abfotografieren und einer Kontaktperson übermitteln, die sie online stellt.

Die Stille erfahren

Wenk ist nicht der erste, der sich auf Gallus’ Spuren begibt. 2012, im Jahr des Gallusjubiläums, hatte sich der reformierte Pfarrer Patrick Schwarzenbach für drei Monate in den Wald zurückgezogen. Er lebte in einer Hütte im Steineggwald oberhalb des Wenigerweiers und wollte sich auf eine innere Suche begeben. Wenk hat ihn getroffen und von ihm ein paar Tipps erhalten.

Ein wenig Bammel habe er schon, wenn er an die Nächte im Wald, die Dunkelheit und die fremden Geräusche denke, sagt er. Aber diese Erfahrung wolle er machen und reflektieren. Die Idee zum Gallus-Experiment geht auf ein Projekt zurück, welches das Team der Cityseelsorge im vergangenen Dezember ausgeheckt hatte. Im hektischen Advent eröffnete es in der Innenstadt einen Pop-up-Store, in dem es nichts zu kaufen gab, in dem aber Stille und Ruhe zu finden waren. Beim Gallus-Experiment gehe es ihm nun darum, die Stille, Entschleunigung und Achtsamkeit in der Natur zu erfahren, sagt Wenk. In wenigen Tagen bricht er dazu auf.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.