Galerien statt leerstehende Ladenlokale: Rorschacher Künstler wollen mit ihren Werken die Hafenstadt beleben

Patrick Benz bespielt während drei Monaten die einstigen Räume von Hotelplan. René Etter eröffnet ebenfalls eine eigene Galerie an der Hauptstrasse. Beide wollen mit ihrem Schaffen den Dialog suchen.

Jolanda Riedener
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Migros-Eistee, Aromat oder eine Verpackung der Schraubenfirma Würth – in René Etters Gemälde «rubbish strewn/Hausmüll» erkennt man allerhand. «Die Unmengen an Abfall und die Wegwerfgesellschaft haben mich beschäftigt», sagt der Rorschacher Künstler. Dieses Thema auf seine Art auf die Leinwand zu bringen, war ihm in Zeiten des Klima- und Umweltschutzes wichtig.

Sieben Monate arbeitete er fast täglich am dreiteiligen, 360 Zentimeter breiten und 150 Zentimeter hohen Ölbild. Etter sagt:

«Ich malte so lange, bis von der Leinwand kein Weiss mehr übrig war.»

Ein Leben ohne Malen, das kann sich der 79-Jährige nicht mehr vorstellen. Sein Lebenslauf ist lang: Etter realisierte viele Ausstellungen im In- und Ausland, lehrte und engagierte sich unter anderem als Präsident des Schweizer Siebdruckverbandes. Der Textilmanager für Design lernte bei Johannes Itten, einem bekannten Schweizer Maler und Bauhaus-Kunsttheoretiker, und führte in Urdorf eine Sieb- und Offset-Druckerei. Als er die Fabrik verkaufte, zog er mit seiner Frau vor 20 Jahren an den Bodensee.

René Etter in seinem Atelier in Rorschach: Hier lagern etwa 300 seiner Bilder.

René Etter in seinem Atelier in Rorschach: Hier lagern etwa 300 seiner Bilder.

Bild: Jolanda Riedener

René Etter experimentiert gerne mit verschiedenen Techniken und bezeichnet sich selber als Perfektionist. «Meine Bilder sind wie meine Kinder», sagt er.

Vor 17 Jahren eröffnete er eine Galerie in Rorschach

Im Rorschacher Kettenhaus hatte René Etter bereits von 2003 bis 2007 eine Galerie und lud jeden Monat neue Künstlerinnen und Künstler ein. Jetzt startet Etter erneut einen Versuch und eröffnet am 29. August an der Hauptstrasse 53 eine Galerie, in der er seine eigenen Bilder ausstellen wird. Über die Jahre ist einiges zusammengekommen, etwa 300 grossformatige Werke sind es alleine in seinem Atelier an der Eisenbahnstrasse in Rorschach.

Die neue Galerie wird mittwochs, donnerstags, freitags und samstags von 14 bis 18 Uhr offen sein. Auf eine Vernissage muss er coronabedingt zwar verzichten, am 29. August wird die Galerie deshalb aber ab 10 Uhr den ganzen Tag Besuchern offen stehen.

Aus künstlerischer Sicht habe die Eröffnung des Forum Würth die Hafenstadt bereichert. «Schön wäre, wenn Besucher des Hauses anschliessend in die Galerien in die Stadt kommen.» Dabei könnten Kunstschaffende auch voneinander profitieren. Eine Ausstellung sei auch ein Begegnungsort. Über diesen Austausch freue er sich.

Eine Galerie auf Zeit an bester Lage

Während viele Lokale in Rorschach und andernorts leer stehen, hat der Eigentümer der Hauptstrasse 69 das Lokal an bester Lage dem Bildhauer Patrick Benz zur Verfügung gestellt. Bisher war dort ein Büro von Hotelplan untergebracht. Während zweieinhalb Jahren war sein Atelier im Rahmen des Zwischennutzungsprojekts 1000m2 an der Mariabergstrasse beheimatet. Inzwischen befindet es sich an der Löwengartenstrasse.

Patrick Benz in seiner temporären Galerie an der Hauptstrasse in Rorschach.

Patrick Benz in seiner temporären Galerie an der Hauptstrasse in Rorschach.

Bild: Jolanda Riedener

Nun bezieht Patrick Benz erneut von Juli bis September einen temporären Raum, wo er auch arbeitet. «Es ist ein Schaufenster meiner Tätigkeit», sagt er. Die Leute sind neugierig, die Reaktionen positiv: Es sei wohl das schönste Schaufenster der Stadt. Ihm helfe die Galerie in erster Linie, um als Künstler sichtbar zu werden. Benz sagt:

«Es ist ein knallhartes Business.»

Er müsse schauen, wie er zu Aufträgen komme. Die Nachfrage nach Arbeiten von Steinbildhauern gehe seit Jahren zurück. Benz gestaltet freischaffend oder im Auftrag und ist auch als Maler und Musiker tätig. «Die Idee mit dem Schaufenster hatte ich schon länger», sagt er. Als Ergänzung zum Forum Würth könnte man so Arbeiten von Kunstschaffenden aus der Region zeigen.

Das Schaufenster an der Hauptstrasse in Rorschach lockt viele neugierige Blicke auf sich.

Das Schaufenster an der Hauptstrasse in Rorschach lockt viele neugierige Blicke auf sich.

Bild: Jolanda Riedener

Ein Rorschachtest für Rorschach

Ab dem 1. September um 19 Uhr lädt er zur Ausstellung «Rorschachtest» in die Galerie ein. Die Bilder dazu machen die Besucher gleich selber. Am Eröffnungstag wird auch über den Ursprung des Rorschachtests geredet.

Rorschachtest: Was sieht man in diesem Farbtupfer?

Rorschachtest: Was sieht man in diesem Farbtupfer?

Bild: Jolanda Riedener

Ein weiterer Bestandteil der Ausstellung ist ein Rorschachtest im übertragenen Sinn: Hier soll die Gestaltung der Stadt Rorschach analysiert werden, unter anderem auch mit Stadtvertretern. Ein Stadtgespräch soll etwa öffentliche Plätze analysieren und Verbesserungspotenzial erkennen. Benz versteht sich dabei als gestalterischer Seelsorger. Er sagt:

«Rorschach hat grosses Potenzial. Wir müssen wohl manchmal etwas grösser denken.»

Die Ausstellung ist ab dem 2. September montags, mittwochs und freitags von 9 bis 12 Uhr oder nach Absprache geöffnet.

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