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GA-Tageskarten sind kein gutes Geschäft für die Gemeinden

Berg verzichtet wegen der Kosten auf Gemeindetageskarten. Andere Gemeinden sehen darin einen Service.
Laura Manser
Für 40 Franken durch die Schweiz. (Bild: Keystone)

Für 40 Franken durch die Schweiz. (Bild: Keystone)

Einmal mit dem Zug quer durch die Schweiz zu fahren, kostet für Erwachsene ohne Halbtax-Abonnement mehr als 100 Franken. Eine billigere Option bieten viele Gemeinden an: Von den SBB bereitgestellt, können sie ihren Einwohnerinnen und Einwohnern erschwingliche Generalabonnement-Tageskarten verkaufen. Die Tageskarte gilt für das gesamte Streckennetz der SBB sowie für Postautolinien und die meisten Schifffahrts- und Busbetriebe. Vereinzelt gelten sie auch für Privat- und Bergbahnen.

Die Gemeinde Berg SG hat sich bewusst gegen die Tageskarten entschieden und das Angebot nie eingeführt. «Der Gemeinderat hat den Verkauf von SBB-Tageskarten überprüft, aus Kostengründen jedoch auf eine Einführung verzichtet», sagt Gemeinderatsschreiberin Jasmin Oberlin. Aufgrund der SBB-Sparbillette sowie der Vergleichswerte der umliegenden Gemeinden rechne der Gemeinderat mit Verlusten, teilte er im Mai mit.

Verluste als Förderung des ÖV betrachten

Für ein Jahr mit täglich einer Karte im Angebot zahlen die Gemeinden den SBB 14000 Franken. Falls sie pro Tag zwei Tageskarten bereitstellen, bezahlen sie 28000 Franken, und so weiter. Die Stadt St. Gallen hat mit täglich 35 Karten das grösste Angebot in der Region, im Vorjahr waren es sogar 40 Karten pro Tag. In kleineren Gemeinden wie Muolen, Häggenschwil oder Eggersriet stehen täglich nur zwei Stück zur Verfügung.

Obwohl die Auslastung in Muolen im vergangenen Jahr 92 Prozent betrug, erlitt die Gemeinde letztlich einen Verlust. «Dieser wird aber als Förderung des öffentlichen Verkehrs betrachtet», sagt Lea Rutishauser, Leiterin des Einwohneramtes Muolen. Auch Waldkirch musste 2018 ein Defizit hinnehmen. Mit einer Auslastung von nur 78 Prozent belief sich der Verlust auf ungefähr 4790 Franken. Trotzdem wolle die Gemeinde mit dieser Dienstleistung den öffentlichen Verkehr und das Angebot stärken und attraktiver machen, wie Gemeindepräsident Aurelio Zaccari sagt.

Die Stadt St. Gallen hingegen erreichte mit den vergünstigten Tarifen einen Ertragsüberschuss von rund 42200 Franken. Allerdings ist der Personalaufwand in der Zahl nicht enthalten. Der Stadt gehe es nicht darum, einen Gewinn zu erzielen, wie Stephan Wenger, Leiter der Bevölkerungsdienste der Stadt St. Gallen, sagt:

«Es ist eine freiwillige Leistung der Stadtverwaltung und wir achten darauf, dass unsere Kosten für Personal und Infrastruktur gedeckt sind.»

Auch die Gemeinde Wittenbach bietet die Karten an, konnte aufgrund von Ferienabwesenheiten aber keine Auskunft über die Daten geben.

So viele Tageskarten verkauften die Gemeinden in 2018

Gemeinde Anzahl Eingekaufte Anzahl Verkaufte Auslastung in % Kosten für ein Jahr in CHF Umsatz in CHF Preis pro Karte in CHF
Eggersriet 730 650 90 28'000 26'200 40
Muolen 730 670 92 28'000 26'800 40
Mörschwil 1'460 1'416 97 56'000 56'360 40
Häggenschwil 730 640 88 28'000 26'665 44
Gaiserwald 1'460 1'336 93 56'000 58'000 44
Stadt Gossau 3'650 3'447 95 140'000 156'037 45
Stadt St.Gallen 14'240 13'459 90 490'000 604'300 48
Andwil 730 620 85 28'000 27'500 45
Waldkirch 1'460 1'138 78 56'000 51'210 45

In allen neun in der Grafik dargestellten Gemeinden ist der Beliebtheitsgrad der Tageskarten äusserst hoch. Laut Lea Rutishauser sei die Dankbarkeit der Käuferinnen und Käufer in Muolen spürbar, das Angebot werde geschätzt. Das treffe auch auf St. Gallen zu, «auch wenn über die digitalen Kanäle der SBB und Aktionen der Grossverteiler die Konkurrenz grösser geworden ist», sagt Stephan Wenger. Anderer Meinung ist Gemeinderatsschreiber Andreas Giger aus Eggersriet. Laut ihm haben die Sparbillette der SBB «kaum eine Auswirkung» auf die Verkaufszahlen der Gemeinde Eggersriet.

SBB-Sparbillette erst nach Pendlerzeit verfügbar

Der Vorteil an den Gemeindetageskarten ist, dass sie den ganzen Tag und somit auch während der Stosszeiten gültig sind. «Morgens um 6 Uhr stehen noch keine SBB-Sparbillette zur Verfügung. Unsere Tageskarten können jederzeit benutzt werden», sagt Wenger. Und wo kommt man an die Karten? Grundsätzlich müssen die gekauften Tickets direkt im Gemeindehaus beim Einwohneramt abgeholt werden. In den Gemeinden Gaiserwald und Andwil gibt es auch Postzustellungen, in Andwil jedoch mit einem Aufpreis von fünf Franken. Die Stadt St. Gallen bietet nach Onlinekäufen nur Postzustellungen an.

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