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Kommentar

Kellen-Knatsch: Der FC Rorschach-Goldach muss sein Platzhirsch-Gehabe ablegen

Rund um die Sportanlage Kellen herrscht dicke Luft: Der FC Rorschach-Goldach hat auf eigene Faust Essen und Trinken verkauft, was den Pächter des Restaurants bei der Sportanlage ärgert. Dass der FC, wie von ihm selbst gefordert, zum alleinigen Pächter des Sporttreffs würde, wäre nicht fair.
Martin Rechsteiner
Martin Rechsteiner. (Michel Canonica)

Martin Rechsteiner. (Michel Canonica)

Vergangene Woche hat Markus Hundsbichler, Präsident des FC Rorschach-Goldach 17, zur ausserordentlichen HV geladen. Der Grund waren die Streitereien rund um die Sportanlage Kellen. Zum Anlass waren nicht nur Vereinsmitglieder eingeladen, sondern auch der Goldacher Gemeindepräsident und Präsident des Zweckverbands Kellen, Dominik Gemperli. Die HV war ein Mix aus Stellungnahmen von Hundsbichler und Vorwürfen und Warnungen vor einem finanziellen Defizit, auf das der Verein zusteuert.

Zu Beginn der Hauptversammlung betonte Hundsbichler, es gehe nicht gegen jemanden, sondern um die Zukunft des FC. Doch vor versammeltem Verein geisselte er Gemeindepräsident Gemperli, indem er Passagen seines Blogs aufgriff und zerriss. Gemperli selbst durfte sich zu dem Zeitpunkt nicht wehren.

Dabei ging es Hundsbichler vor allem darum, einige Dinge aus seiner Sicht richtigzustellen, die seinen Austritt aus dem Zweckverband Kellen betrafen. So behauptete er, er habe dort bereits im Januar wegen drohender Interessenskonflikte das Handtuch werfen wollen, die anderen Mitglieder hätten ihn aber nicht gehen lassen. Nur, um dann im April, in seiner Abwesenheit, wegen der Kellen-Angelegenheit seinen Rauswurf zu bestimmen – genau mit dem Argument sich beissender Interessen. Falls das stimmt, war es tatsächlich nicht die wohlüberlegteste und feinste Art, wie der Zweckverband mit Präsident Dominik Gemperli gehandelt hat. Hin wie her, dass die Geschichte an der Hauptversammlung so viel Platz bekommen hat, zeigt, dass es scheinbar doch nicht nur um die Zukunft des FC geht. Persönliche Aspekte schwingen mit, Machtspiele werden ausgetragen.

Der FC-Präsident betonte an dem Abend zudem mehrmals, dass sowohl der Zweckverband als auch das Wirtepaar regelmässig gegen Abmachungen verstossen hätten. Auch wenn das wahr sein sollte, ist es für Aussenstehende kaum überprüfbar. Denn beide Seiten behaupten jeweils das Gegenteil. Schuldzuweisungen füllen die Kassen des FC aber ebenso wenig wie der neidische Blick zu Genfer Clubs, die von ihren Gemeinden scheinbar höhere Unterstützungsbeträge erhalten. Ideen, wo im Verein Sparpotenzial brachliegt oder mit welchen Aktionen der FC Rorschach-Goldach 17 seine Finanzen aufbessern könnte, kamen an dem Abend nicht zur Sprache.

Die Tatsache, dass der FC Rorschach-Goldach 17 Integrationsarbeit leistet, Jugendlichen eine sinnvolle Beschäftigung bietet und wichtig ist für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Region, ist nicht von der Hand zu weisen. Auch, dass dabei viele Stunden Freiwilligenarbeit geleistet werden, Leute ihre gesamte Freizeit opfern, ist nicht selbstverständlich. Nur: Das geschieht auch in anderen Vereinen. Und auch bei ihnen fallen Kosten an durch Lager, durch Leiter- und Trainerausbildungen und durch Materialausgaben. Dass der FC, wie von ihm selbst gefordert, zum alleinigen Pächter des «Sporttreffs» würde, wäre nicht fair. Nicht fair gegenüber dem Pächter-Paar, das den Betrieb aufgebaut hat, ihn betreibt, auch wenn der FC nicht spielt, und bei einer Übernahme vorerst auf der Strasse stünde. Und nicht fair gegenüber anderen Vereinen, welche die «Kellen» ebenfalls nutzen und selbst auch zusehen müssen, wie sie finanziell über die Runden kommen.

An etwas führt deshalb kein Weg vorbei: Der FC muss sein Platzhirsch-Gehabe ablegen. Er ist zwar der grösste Verein der Region, hat dadurch aber keinen Anspruch auf Privilegien gegenüber anderen. Was ihm aber zusteht, ist die Möglichkeit, bei Spielen eine Festwirtschaft zu betreiben, um über die Runden zu kommen. Im ganzen Streit müssen zudem Machtansprüche und persönliche Angelegenheiten zurückgesteckt werden. Das gilt für alle Beteiligten. Sonst wird eine Lösung schwierig. Immerhin scheint ein gewisser Verhandlungswille auf allen Seiten zu bestehen. Ansonsten wäre der runde Tisch mit den Streitparteien heute Abend nicht zustande gekommen.

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