«Problemfall» Bahnhof Gossau: Fürs Paket in die Tiefgarage

An der Parkplatzsituation in der Begegnungszone am Gossauer Bahnhof wird auch der neue Bushof nichts ändern. Das stellt der Stadtrat anlässlich eines Vorstosses klar.

Johannes Wey
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Die Begegnungszone am Bahnhof Gossau gibt wieder Anlass zu einem politischen Vorstoss. (Bild: Jakob Ineichen (25. März 2015))

Die Begegnungszone am Bahnhof Gossau gibt wieder Anlass zu einem politischen Vorstoss. (Bild: Jakob Ineichen (25. März 2015))

Die Postangestellten am Gossauer Bahnhof sollen ihre Kunden in die Tiefgarage schicken. So beantwortet der Stadtrat eine Einfache Anfrage von Silvia Galli ­Aepli (FDP) zum «Problemfall» Bahnhofgelände mit seiner «chaotischen» Parkiersituation.

Die wenigen Kurzzeitparkplätze am Bahnhof genügten den verschiedenen Anspruchsgruppen nicht, kritisierte Galli: Zu den Kunden von Migrolino, Bäckerei und Post kämen auch Taxifahrer oder Private, welche Passagiere zum Zug brächten oder abholten.

Kontrollieren, aber nicht schikanieren

«Die Unwissenheit oder Bequemlichkeit» vieler Autofahrer führe zu einer unbefriedigenden Situation, räumt der Stadtrat in seiner Antwort ein. Deshalb wolle er das Gespräch mit der Post suchen, um deren Mitarbeiter zu sensibilisieren. Im Gestaltungsplan der Überbauung «Perron 3», in der unter anderem die Post untergebracht ist, sei festgehalten, dass Kunden in der unterirdischen, bewirtschafteten Tiefgarage parkieren sollen.

Schon heute würden die Parkplätze in der Begegnungszone verstärkt kontrolliert – wobei man einen Mittelweg suche, um nicht den Eindruck der Schikane zu erwecken. Mit über 300 Parkplätzen im Umfeld der Begegnungszone, davon 80 in der Tiefgarage des «Perron 3», gebe es aber genug Parkiermöglichkeiten.

Eine Verbesserung bringe auch die Realisierung des schon lange durch Rekurse blockierten neuen Bushofs nicht: «Die freiwerdende Fläche soll den Fussgängern zur Verfügung stehen.» Das Bushofprojekt habe keinen Einfluss auf das Verkehrsregime, beantwortet der Stadtrat eine entsprechende Frage.

Stadtrat entscheidet im Mai über Parkgebühren

In Sachen Parkplätze steht Gossau ohnehin eine Neuerung bevor: Am 5. März hat das Stadtparlament den 1. Nachtrag zum Parkierungsreglement erlassen. Einstimmig, obwohl mehrere Parlamentarier zähneknirschend anmerkten, dass sie über einen wichtigen Aspekt nicht bestimmen können: Der Gebührentarif wird vom Stadtrat erlassen. Seine Entwürfe ernteten Kritik: Für Sportvereine und Familien sei es eine Zumutung, dass künftig bei Sportanlagen und Bädern bis am späten Abend Parkgebühren verlangt werden sollen («Tagblatt» vom 7. März). Stadträtin Gaby Krapf-Gubser hielt dagegen, dass eine verstärkte Parkplatzbewirtschaftung im Stadtentwicklungskonzept vorgesehen sei. Die Bedenken würden aber in die Diskussion im Stadtrat einfliessen.

Diese Diskussion ist für Mai vorgesehen, erklärt Krapf nun auf Anfrage. Bevor der Tarif beschlossen wird, muss das Parkierungsreglement nämlich noch öffentlich aufgelegt werden. «Wir gehen sicher nochmals auf die Sportanlagen ein», sagt Krapf. Die Arbeit an der Revision habe im Jahr 2016 begonnen. Damals war Stefan Lehnherr für den Verkehr zuständig, nach dessen Rücktritt übernahm Alex Brühwiler. Weil die Urheber der Vorlage nicht mehr im Stadtrat seien, lohne sich eine vertiefte Betrachtung allemal, sagt Krapf. (jw)

Parkgebühren als Nagelprobe für das Gossauer Konzept zur Stadtentwicklung

Das Bedauern war den Fraktionssprechern im Gossauer Stadtparlament am Dienstag anzuhören, als einer nach dem anderen feststellte, dass der Gebührentarif für die öffentlichen Parkplätze in die Kompetenz des Stadtrats fällt. Der Nachtrag zum Parkierungsreglement wurde hingegen einstimmig angenommen.
Johannes Wey