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«Pelé ist der Grösste»: St.Galler Capoeira-Meister fiebert mit Brasilien

Daniel Gomes de Souza ist einer von 135 brasilianischen Staatsangehörigen, die in der Stadt St.Gallen leben. Er liebt Capoeira – und Fussball. Und er weiss ganz genau, wer Weltmeister wird.
Daniel Wirth
Daniel Gomes (Mitte) alias Dengoso trainiert in der Capoiera União mit Patrick Luan Silva (links) und Antonio Angelo Da Silvia Neto. (Bild: Urs Bucher)

Daniel Gomes (Mitte) alias Dengoso trainiert in der Capoiera União mit Patrick Luan Silva (links) und Antonio Angelo Da Silvia Neto. (Bild: Urs Bucher)

Daniel Gomes de Souza ist die Ruhe selbst. Er sitzt auf einem Stuhl in der Trainingshalle der Capoeira União im Keller der Migros-Filiale an der Langgasse 20. Dort nennen sie den 35-Jährigen nur Dengoso. Dengoso hat den zweithöchsten Grad eines Mestrando. Er unterrichtet Capoeira, eine brasilianische Kampfkunst, die ihren Ursprung in der Sklaverei hat: Weil es den afrikanischen Sklaven in Brasilien untersagt war, einen Kampfsport auszuüben, tarnten sie diesen als Tanz.

2004 wurde Dengoso von einem ehemaligen Trainer für einen Capoeira-Workshop in die Schweiz eingeladen. Der junge Mann packte in Salvador im Bundesstaat Bahia seine Koffer, flog in die Schweiz und blieb hier. «Wegen der Liebe», sagt Daniel Gomes de Souza. Er heiratete eine Schweizerin, mit der er zwei Kinder hat und von der er mittlerweile getrennt lebt. Beruflich ist der Brasilianer in Appenzell tätig, bei der Sepp Fässler AG als Fahrzeugaufbereiter.

Wenn Daniel Gomes de Souza das erzählt, tut er es in perfektem Deutsch; einzig die nasale Aussprache einzelner Vokale macht hörbar, woher er kommt. Mengosos Augen strahlen, und sie legen unweigerlich an Strahlkraft zu, sobald er von der Seleção spricht, der Nationalmannschaft Brasiliens, die als bisher einzige fünf Fussballweltmeisterschaften (1958, 1962, 1970, 1994, 2002) gewonnen hat.

In Brasilien ist der Fussball eine Religion

«In meiner Heimat Brasilien ist der Fussball eine Religion», sagt Gomes. «Ich übertreibe nicht». Wenn die die Seleção spiele, gehe in Brasilien gar nichts mehr. Dann hänge die ganze Nation an den Lippen der Sportkommentatoren, die im Radio oder im Fernsehen über die Länderspiele berichteten. Für Dengoso steht ausser Zweifel, wer an der WM 2018, die vorgestern in Russland begann, Weltmeister wird: Brasilien. Auf die Frage, wer für ihn im Spiel zwischen Brasilien und der Schweiz morgen der Favorit sei, antwortet Gomes mit einem Lächeln. Er will die Schweizer nicht beleidigen. Er ist hochanständig.

Den hohen Stellenwert, den der Fussball in Brasilien geniesst, sieht Daniel Gomes de Souza in der Tatsache, dass er für viele Kinder, die in einer Favela aufwachsen, die einzige Chance ist, aus der Armut, dem Elend zu kommen. Der Fussball biete Aufstiegschancen. Hinzu komme, dass es die Brasilianer ungemein stolz mache, im einzigen Land zu leben, das fünf Weltmeistertitel gewann. «Wir sind Pentacampeão (Fünffachweltmeister)», sagt Dengoso.

Vor vier Jahren habe die ganze brasilianische Hoffnung auf Neymar junior gelegen. Nach dessen verletzungsbedingtem Ausscheiden sei die Seleção gegen Deutschland 1:7 untergegangen. «Brasilien war in Trauer.» Doch jetzt blicke die Fussballnation nach vorne, nach Russland. Neymar sei reifer, noch besser geworden, sagt Gomes. Aber er sei und werde niemals so gut wie Pelé, der im grössten und bevölkerungsreichsten Land Südamerikas O Rei do Futebol (König des Fussballs) genannt wird und mit bürgerlichem Namen Edson Arantes do Nascimento heisst.

Das Spiel zusammen mit Landsleuten anschauen

Morgen Abend geht Daniel Gomes de Souza in die Bar Habana Libre. Dort schaut er sich die Partie Brasilien-Schweiz zusammen mit anderen Brasilianern an. Und was macht er, wenn die Schweiz den haushohen Favoriten schlägt? Jetzt lacht Dengoso zum ersten Mal so richtig herzhaft und will nicht mehr damit aufhören.

Hinweis

Die Brasilianer der Stadt St. Gallen und die Capoeira União präsentieren sich heute Samstag am interkulturellen Begegnungstag. 18 Uhr, Waaghaus auf dem Bohl.

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