Interview

«Für viele Bands waren wir der Festivalsommer»: Die Veranstalter des Kulturfestivals St.Gallen ziehen Bilanz

Das Kulturfestival St.Gallen ist am Wochenende mit zwei weiteren ausverkauften Abenden zu Ende gegangen. Vom 26. Juni bis 18. Juli fanden im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums 15 Konzertabende, ein Kinderkonzert, ein Kabarettabend und ein Poetry Slam statt. Veranstalter Lukas Hofstetter über das schwierige Organisieren einer Konzertreihe im Coronasommer.

Roger Berhalter
Drucken
Teilen
Im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums St.Gallen waren nur 300 Personen pro Abend zugelassen.

Im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums St.Gallen waren nur 300 Personen pro Abend zugelassen.

Bild: Michel Canonica (2. Juli 2020)

Fast alle Open Airs sind dieses Jahr abgesagt, Sie haben Ihr Kulturfestival dennoch durchgezogen. Hat es sich gelohnt?

Lukas Hofstetter: Ja. Nur schon wegen der vielen positiven Rückmeldungen unserer Besucherinnen und Besucher. Das hat uns umgehauen! Uns haben sogar Leute auf der Strasse dafür gedankt, dass wir das Festival veranstalten. Vor allem an den ersten Abenden herrschte Aufbruchstimmung, weil viele zum ersten Mal nach dem Lockdown wieder im Ausgang waren.

Lukas Hofstetter, OK-Präsident Kulturfestival St.Gallen.

Lukas Hofstetter, OK-Präsident Kulturfestival St.Gallen.

Bild: Adriana Ortiz Cardozo

Hat es sich auch finanziell gelohnt? Immerhin durften Sie pro Abend nur 300 Tickets verkaufen.

Drauflegen werden wir nicht, wir hoffen auf eine schwarze Null. Aber der Aufwand hat sich definitv gelohnt. Für das Konzert von Crimer zum Beispiel hätten wir fünfmal so viele Eintritte verkaufen können... Wir haben das Maximum herausgeholt, das unter diesen Bedingungen möglich war. Von den 18 Anlässen waren 12 ausverkauft und die restlichen sehr gut besucht. Das haben wir uns erhofft, und darauf waren wir finanziell auch angewiesen. Zudem kamen uns die Sponsoren und Partner, das Museum und die Bands entgegen. Wir sitzen zurzeit alle im selben Boot.

Was für Rückmeldungen haben Sie von den Bands erhalten?

Für viele war das Konzert am Kulturfestival das erste seit langem und das einzige Open Air in diesem Jahr. Für sie waren wir sozusagen der Festivalsommer. Entsprechend gross war bei den Musikern die Freude, doch noch auftreten zu können. Einige Bands wie Dachs oder Panda Lux haben bei uns zum ersten Mal neue Songs live gespielt.

Zeitweise stand das Festival auf der Kippe, weil plötzlich wieder schärfere Coronabestimmungen diskutiert wurden. Dachten Sie manchmal an Abbruch?

Wir waren wie auf Nadeln, wenn wir jeweils die neusten Fallzahlen sahen. Am Anfang wurden wir noch von allen Seiten für unseren Mut gelobt. Nach dem Superspreader-Fall in einem Zürcher Club aber kippte die Stimmung. Es gab mehr Kritik, und wir mussten uns öfter rechtfertigen. Jetzt sind wir froh, dass alle Konzertabende noch wie geplant stattfinden konnten.

Wie klappte die Registrierung der Besucher?

Zum Glück haben wir uns von Anfang an für ein Contact-Tracing-System entschieden, das prüft, ob die Handynummer korrekt ist. Die meisten Besucher haben ihre Kontaktdaten problemlos angegeben. Es gab nur wenige Diskussionen.

Nächstes Jahr wollen Sie die Jubiläumsausgabe zum 15-jährigen Bestehen des Festivals nachholen. Sind schon Bands bekannt?

Ausnahmsweise ja. Wir konnten einige internationale Acts, die schon zugesagt hatten, für nächstes Jahr verpflichten. 2021 spielen bei uns zum Beispiel Kosheen, The Dead South und Lola Marsh.

Mehr zum Thema

Dachs, Manuel Stahlberger, Panda Lux, Jas Crw, Velvet Two Stripes: Das Kulturfestival St.Gallen setzt auf Ostschweizer Acts und ist das einzige Open Air weit und breit

Eine der wenigen Veranstaltungen, die im Sommer 2020 trotz Corona stattfinden, ist das Kulturfestival St.Gallen. Vom 26. Juni bis 18. Juli steigen Konzerte im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums. Die ursprünglich gebuchten internationalen Acts sind weggefallen. Jetzt setzen die Organisatoren auf Bands aus der Region.
Roger Berhalter/Linda Müntener