Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Für Schmetterlinge braucht es keine Gesetze»: Der Züchter Marc de Roche ist seit 18 Jahren fasziniert von Schmetterlingen

Der Berner Marc de Roche nennt sich Papa Papillon und engagiert sich für die bunten Insekten. Ein Gespräch am Waldrand über seine Leidenschaft und seinen Einsatz. Am Abend hält er einen Vortrag in Wittenbach.
David Grob
Marc de Roche alias Papa Papillon mit einem Wiener Nachtpfauenauge. (Bild: Urs Bucher, 2. Mai 2019)

Marc de Roche alias Papa Papillon mit einem Wiener Nachtpfauenauge. (Bild: Urs Bucher, 2. Mai 2019)

Ein gelbes Rapsfeld am Waldrand beim zürcherischen Rickenbach, die sanften Hügel des Thurtals im Hintergrund. Eine Filmcrew dreht, telefoniert, braust über die Feldwege und versucht hektisch den Drehplan aufzuholen. Und daneben, ruhig, zufrieden und gelassen: Marc de Roche, der sich selbst Papa Papillon nennt, Vater der Schmetterlinge.

Seit 2001 züchtet de Roche Raupen und Schmetterlinge. «Wenn in einem Film oder in der Werbung Raupen gebraucht werden, bin ich die Bezugsquelle.» Der Berner, gross, graue, zerzauste Haare, Schalk in den Augen und Brille mit dickem Rand, verbringt seine Tage derzeit in der Ostschweiz: am Donnerstag am Filmdreh, am Freitag in Wittenbach zu Gast. Am Morgen besucht er die Primarschule, abends hält er einen Vortrag. Dann spricht er, worüber er am liebsten spricht: über Schmetterlinge.

Vom EDV-Fachmann zum Züchter

Es genügt ein Stichwort und de Roche erzählt, über seine Leidenschaft, sein Anliegen und wie er, der ehemalige EDV-Fachmann, vor 18 Jahren, kurz vor der Pension, zu seinem Hobby gekommen ist. Ein Zufall war es.

De Roche entdeckte beim Spazieren auf Brennnesselblättern «schwarze Würmer», wie er sagt, sammelte diese ein und setzte sie auf die Brennnesseln in seinem Garten. Doch am nächsten Tag waren sie verschwunden.

«Ich verstand nichts von Raupen, aber viel vom Internet. Also stellte ich eine Frage in einem entsprechenden Forum.»

Die Antwort folgte bereits vier Stunden später. Zu nahe an der Strasse seien seine Brennnesseln, es habe Eisenpartikel auf den Blättern, Gift für die Raupen. De Roche startete einen zweiten Versuch mit neuen Raupen, dieses Mal auf Brennnesselblättern hinter seinem Haus und weiter von der Strasse entfernt. Der Versuch glückte und de Roches Leidenschaft war entfacht. Er begann Raupen zu sammeln und in Zuchtanlagen hinter seinem Haus und später am Berner Hausberg, dem Gurten, aufzuziehen. «Es war aber keine innere Berufung, sondern eher ein Zufall.»

Sein Handy klingelt, der Produktionsleiter. Wir müssten den Gesprächsort wechseln, sagt de Roche, bald wird die Filmcrew in der Nähe drehen. Ortswechsel. Eine saftige Wiese am Waldrand.

Ein Lobbyist der Schmetterlinge

«Haben Sie eine politische Botschaft, Herr de Roche?» Er hält inne, blickt zur Seite und sagt: «Schauen Sie, ein Taubenschwänzchen – so, jetzt lasse ich mich nicht mehr ablenken!» Klar sei er grün, wobei, wohl eher grünliberal. Denn er möchte die Verantwortung nicht auf den Staat abschieben, sondern plädiert für den Einsatz des Einzelnen. Er versteht sich als Lobbyist der Schmetterlinge und möchte die Leute mit seinem Wissen aufklären und aufrütteln.

«Jeder kann selber etwas beitragen. Für Schmetterlinge braucht es keine Gesetze.»

Und doch vermisst de Roche grosse Würfe in der Politik. Das Insektensterben etwa, sagt er, sei ein Drama, das unbedingt ernster genommen werden müsste.

Zwei Schmetterlinge gaukeln über die saftige Wiese, zwei Aurorafalter. «Ein Pärchen. Das hintere ist das Männchen», sagt de Roche und verweist auf dessen Flugbewegung. Immer wieder zeigt der Schmetterlingsvater auf die farbigen Insekten. Hier ein Weissling, dort ein Perlmuttfalter. Ein gutes Zeichen, findet de Roche, der Bauer versprühe sicher keine oder nur wenige Pestizide auf seinen Feldern. «Schmetterlinge sind ein Symbol für eine intakte Natur.»

Seit fünf Jahren möchte de Roche bereits kürzertreten. Denn in den Sommermonaten, von Mai bis August, sei sein Engagement ein Vollzeit-Job. «Ich hoffe, dass mein Enkel mein Business einst übernimmt», sagt er mit einem Augenzwinkern. Doch vorerst geht Papa Papillon weiter selbst seiner Leidenschaft nach und versucht, sein Wissen an die Leute zu bringen. Am Freitagabend auch in Wittenbach.

«So, jetzt haben Sie aber genug für einen ganzen Roman», sagt de Roche und lacht.

Hinweis: Vortrag am Freitag, 3. Mai 2019, um 19.30 Uhr im «Hirschen» an der Dorfstrasse 36 in Wittenbach.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.