Für die Wahlen am Wochenende droht im Kreis Rorschach eine miese Beteiligung – ausser in einer Gemeinde

Fast alle Gemeinden bestätigen: Bis jetzt sind verhältnismässig wenige Wahlcouverts eingetroffen.

Martin Rechsteiner
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Es scheint, als hätten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Region Rorschach dieses Mal weniger Lust auf Wahlen.

Es scheint, als hätten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger der Region Rorschach dieses Mal weniger Lust auf Wahlen.

Tino Dietsche

Sie ist wohl kaum zu schlagen, die Beteiligung an den Kantonsratswahlen am 28.Februar 2016. 43 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger reichten im Wahlkreis Rorschach ihre Wahlzettel ein. Gar 53 Prozent beteiligten sich an der Regierungsratswahl. Damals half wohl der Sog, den umstrittene nationale Vorlagen wie die Durchsetzungsinitiative an der Urne entfalteten.

Vier Jahre später, im Jahr 2020, scheint die seit 2004 stets steigende Beteiligungskurve der Region jedenfalls einen Knick zu bekommen: Nachgefragt bei den Gemeinden rund um Rorschach zeichnet sich vor den Wahlen am kommenden Sonntag anhand der bereits eingegangenen Wahlcouverts ein eher ernüchterndes Bild ab.

Ein Drittel weniger als im Durchschnitt

1008 Couverts hat die Stadt Rorschach bis gestern Donnerstag erhalten. Bei 4135 Stimmberechtigten bedeutet das eine bisherige Beteiligung von 24,4 Prozent. Der langjährige Durch- schnitt der Hafenstadt bei Kantonsratswahlen liegt drei Tage vor der Abstimmung allerdings rund zehn Prozentpunkte höher.

Ähnlich sieht es in Steinach und Rheineck aus. Die Beteiligung dümpelt dort bis anhin bei knapp 19 und rund 23 Prozent. Als etwas wahlfreudiger zeigen sich die Rorschacherberger: Die Gemeinde hat von rund 26 Prozent der Stimmbevölkerung bereits das Couvert erhalten. Auf ähnliche Werte kommen Goldach mit 27,4 und Untereggen mit 27,6 Prozent. In Thal sind es gar 29,8.

Nur eine Gemeinde sticht heraus

Am meisten sticht die Gemeinde Tübach hervor. Dort haben bereits 34,7 Prozent der Stimmbürger ihre Wahlzettel eingeworfen. Ob das damit zu tun hat, dass der Gemeindepräsident für die parallel laufenden Regierungsratswahlen antritt, ist nicht auszuschliessen – in die Couverts hineinschauen kann aber noch niemand. Diese Tatsache bedeutet im Falle ungültiger oder nicht beigelegter Wahlzettel zudem, dass die jetzigen Zahlen allenfalls noch tiefer sind als angenommen.

Trotzdem kann sich bis am Sonntag noch einiges ändern. Schliesslich ist nicht vorhersehbar wie viele Kurzentschlossene ihre Zettel am Wahltag direkt zur Urne bringen. Aus Angst vor dem Corona-Virus bleibt dem Anlass aber möglicherweise der eine oder andere Wähler fern.

Rorschach: Tiefe Stimmenzahlen bei jedem Urnengang

Rorschach ist die grösste politische Gemeinde in ihrem Wahlkreis. Trotzdem stimmen in Thal, Goldach und Rorschacherberg konsequent mehr Leute ab. Der Ausländeranteil der Hafenstadt spielt dabei zwar eine wesentliche Rolle, aber nicht die einzige.
Martin Rechsteiner