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Frühmorgens bei den St.Galler Verkehrsbetrieben: Stossverkehr im Busdepot

Für junge und alte Städterinnen und Städter ist es im morgendlichen Berufsverkehr selbstverständlich, den Bus zu benutzen. Wie viel Planung und Präzision es braucht, damit jeder Bus im richtigen Moment am richtigen Ort ist, hat am Freitagmorgen ein Besuch im Busdepot der Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) gezeigt.
Reto Voneschen
Tagwacht im Busdepot der Verkehrsbetriebe St.Gallen. Am Freitag verfolgten Politiker und Medienleute die werktägliche Morgenroutine bei den VBSG. (Bild: Michel Canonica)

Tagwacht im Busdepot der Verkehrsbetriebe St.Gallen. Am Freitag verfolgten Politiker und Medienleute die werktägliche Morgenroutine bei den VBSG. (Bild: Michel Canonica)

2018 wird in der Stadt St.Gallen als Jahr des öffentlichen Verkehrs in Erinnerung bleiben. Hauptbahnhof und Bahnhofplatz als grösste ÖV-Drehscheibe der Ostschweiz sind saniert und umgestaltet. Der Eisenbahntunnel an der Ruckhalde ist bereits eröffnet. Am 17. November nimmt die modernisierte Mühleggbahn den Betrieb wieder auf. Am 25. November entscheidet das Stimmvolk zudem über die Beschaffung neuer Batterie-Trolleybusse für 37,5 Millionen Franken.

Am 9. Dezember wird dann mit dem Fahrplanwechsel auch noch das bisherige Liniennetz der VBSG auf den Kopf gestellt. Und am Horizont zeichnet sich bereits das nächste grosse ÖV-Projekt ab: Die Stadt will bis 2025 100 Millionen Franken in ein neues Betriebszentrum für die Technischen Betriebe an der Zürcher- und Rechenstrasse investieren. Zentraler Teil des Vorhabens ist ein neues Busdepot.

Herzstück des St.Galler ÖV sind die Stadtbusse

Unabhängig von diesen für die regionale Mobilität wichtigen Schritte müssen die rund 250 Chauffeusen und Chauffeure der VBSG mit ihren 72 Trolley- und Dieselbussen Tag für Tag dafür besorgt sein, dass das Herzstück des städtischen ÖV reibungslos funktioniert. Fünf weitere VBSG-Busse sind von einem Depot in Rorschacherberg aus am See unterwegs.

Eine Halle voller Busse: Auf den 3000 Quadratmetern der Einstellhalle im VBSG-Depot stehen über fünfzig Trolley- und Dieselbusse zum Einsatz bereit. (Bild: Michel Canonica)

Eine Halle voller Busse: Auf den 3000 Quadratmetern der Einstellhalle im VBSG-Depot stehen über fünfzig Trolley- und Dieselbusse zum Einsatz bereit. (Bild: Michel Canonica)

Wie viel Planung und Präzision nur schon die Abwicklung des morgendlichen Berufsverkehrs in der Gallusstadt erfordert, wurde am Freitag bei einem Besuch des Busdepots an der Steinachstrasse deutlich. Eingeladen zum informellen Rundgang waren Politiker und Medien. Rund zwei Dutzend Personen folgten dem Ruf und fielen dafür «zu einer unchristlich frühen Zeit» aus dem Bett, wie einer scherzte.

Der Tag hat mehrere Schichten

Freitag, 4.20 Uhr, auf der Steinachstrasse. Sie unterscheidet sich in diesem Moment - noch - nicht von der übrigen Stadt St.Gallen: ruhig, dunkel, menschenleer. Im Busdepot am Ende der Strasse sind die Fenster allerdings bereits erleuchtet. Hinter den Scheiben der riesigen Busgarage ist Bewegung wahrnehmbar. Hier ist das Personal, das zur Frühschicht eingeteilt ist, schon am Vorbereiten.

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Frühmorgens bei den St.Galler Verkehrsbetrieben

In der Abstellhalle des Depots stehen reihenweise Busse. Trolleybusse, Dieselbusse, mit einem Gelenk, mit zwei Gelenken, alle in den rot-weiss-schwarzen Farben der VBSG... Am Rand sitzt in einer Art Glaskasten ein langjähriger VBSG-Angehöriger. Er ist für die Dienstantrittskontrolle zuständig. Er kontrolliert, dass alle eingeteilten Fahrerinnen und Fahrer tatsächlich auch erscheinen und ausfahren.

Dass der Computer zickt, ist kein Problem

Chauffeusen und Chauffeur treffen seit 4.30 Uhr im Depot ein. Jede und jeder muss auf dem Weg zum Arbeitsplatz, also zu ihrem oder seinem Bus, durch das Büro hinter der Glaswand. Hier erfahren sie, wer mit welchem Bus wo und wann das Depot zu verlassen hat. Notiert ist das auf einem gelben A4-Blatt, das am Freitag gute Dienste leistet, weil der Computer, bei dem sich das Personal sonst anmeldet, gerade streikt.

Blick in den Glaskasten der Dienstantrittskontrolle. (Bild: Michel Canonica)

Blick in den Glaskasten der Dienstantrittskontrolle. (Bild: Michel Canonica)

In den schmalen Gängen zwischen den Bussen sind Fahrerinnen und Fahrer unterwegs. Die einen marschieren von der Anmeldung zu ihrem Bus, andere sind bereits dabei, die vor der Abfahrt obligatorische Rundumkontrolle durchführen. Sie dient gemäss VBSG-Direktor Ralf Eigenmann der Betriebssicherheit, ist aber auch ein Schutz für den Chauffeur: Er kann so Schäden am Fahrzeug, die er nicht verursacht hat, bei dessen Übernahme erkennen und melden.

Ebenfalls in der grossen Halle unterwegs ist der «Reparateur» der Frühschicht. Dieser Mechaniker ist in der Lage, kleinere Schäden an einem Bus noch vor der Ausfahrt zu beheben. Weiter präsent ist ein Fachmann für die Billettautomaten; falls einer streiken sollte, kann er das richten, bevor die ersten Fahrgäste ihr Ticket lösen wollen.

Der erste Bus fährt nach Winkeln

Punkt 4.40 Uhr öffnet sich eines der Tore gegen die Volksbadstrasse hin: Der Trolleybus Nummer 185 «1 - Winkeln via Bahnhof» verlässt als erster angetrieben durch den Dieselhilfsmotor das Depot. Auf der Strasse hält er kurz, dann schnurrt er mit Hilfe des Elektromotors davon und entschwindet in der Dunkelheit.

Der erste Bus des Tages ist unterwegs. Der Trolleybus Nummer 185 fährt nach Winkeln. (Bild: Michel Canonica)

Der erste Bus des Tages ist unterwegs. Der Trolleybus Nummer 185 fährt nach Winkeln. (Bild: Michel Canonica)

Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Alle paar Minuten fährt ein neuer Bus aus dem Depot. Und je länger das dauert, desto kürzer wird der Abstand zwischen den Ausfahrten. Bis kurz nach 7 Uhr werden 62 Busse das Depot verlassen haben und in alle Richtungen ausgeschwärmt sein. Dann herrscht auf dem Liniennetz der VBSG erstmals an diesem Freitag Hochbetrieb. Hunderte wollen von Zuhause oder auch von Postautos und Zügen zu ihren Arbeitsplätzen und Schulbänken gefahren werden.

Für alle Fälle gewappnet

Nach 8 Uhr lässt der Andrang wieder nach. Die ersten VBSG-Busse kehren ins Depot zurück. Am Kaffeeautomaten steht jetzt auch der erfahrene Chauffeur, der ein paar Stunden zuvor die Dienstantritte kontrolliert hat. Er hatte alles andere als einen ruhigen Morgen: Ein Fahrer hat es tatsächlich nicht auf die Zeit ins Depot geschafft - und der Ersatzmann musste einspringen.

Der Mechaniker der Frühschicht ersetzt noch schnell ein Lämpchen. (Bild: Michel Canonica)

Der Mechaniker der Frühschicht ersetzt noch schnell ein Lämpchen. (Bild: Michel Canonica)

«Das kommt vor», sagt VBSG-Direktor Ralf Eigenmann. «Da wir das wissen, haben wir mit dem Dienstantrittskontrolleur immer einen Ersatzfahrer zur Hand.» Man wisse nie, was passiere. Einmal habe man nichts zu tun, ein anderes Mal springe man ein. Das mache den Job spannend, nimmt's der Ersatzmann mit einem Kaffeebecher in der Hand philosophisch. An diesem Freitag ist er bereits nach St.Georgen und in den Stocken gefahren. Dann konnte der eingeteilte Fahrer übernehmen.

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