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Frische Ideen für den ständigen Markt in St.Gallen gesucht

Einige Jahre schien der ständige Markt auf dem St.Galler Marktplatz ein Auslaufmodell zu sein. Die Zahl der Stände nahm stetig ab. Es schien nur eine Frage der Zeit, bis er verschwinden würde. Davon ist heute keine Rede mehr. Im Gegenteil.
Reto Voneschen
Der ständige Markt auf dem St.Galler Marktplatz ist heute verzettelt. Die Parkplätze rechts sollen bis Herbst verschwinden und die Markthäuschen wieder näher zusammenrücken. (Bild: Urs Bucher)

Der ständige Markt auf dem St.Galler Marktplatz ist heute verzettelt. Die Parkplätze rechts sollen bis Herbst verschwinden und die Markthäuschen wieder näher zusammenrücken. (Bild: Urs Bucher)

Seinen Tiefpunkt erreichte der ständige Markt mit der zweiten Vorlage für die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt. Die Stadt selber schien das Interesse verloren zu haben. Man hatte zeitweise sogar den Eindruck, dass es der Baudirektion nicht ungelegen käme, wenn die maroden grünen Markthäuschen eines ums andere einfach verschwinden würden, um die Bahn für die neue Platzgestaltung freizumachen. Da hatten Politik und Verwaltung allerdings die Rechnung ohne den Wirt, das Stimmvolk gemacht.

Während in der ersten, 2011 gescheiterten Marktplatz-Vorlage noch eine Markthalle vorgesehen war, gab‘s im zweiten Anlauf keine konkreten Aussagen zum ständigen Markt mehr. Die Lösung seiner Probleme schoben die Verantwortlichen in die Zukunft. Was irgendwie nachvollziehbar war, wenn man sah, dass der ständige Markt zu jenem Zeitpunkt nur noch ein Schatten seiner selbst war: Aufgrund von altersbedingten Abgängen bei Marktfahrerinnen und Marktfahrern, aufgrund der unsicheren Zukunft und aufgrund fehlender Unterstützung durch die Stadt war er auf ein Minimum geschrumpft.

Marktfahrer kippen Abstimmungsvorlage

Die Wende kam mit dem Abstimmungskampf um die zweite Marktplatz-Vorlage. Die verbleibenden Marktfahrer rauften sich zusammen, gingen an die Öffentlichkeit und kritisierten, dass sie bei der Erarbeitung der Vorlage übergangen worden waren. Diese Wortmeldung hatte wesentlichen Anteil am Resultat der Abstimmung. «Kein Marktplatz ohne Markt» war einer der zugkräftigsten Slogans der bürgerlichen und gewerblichen Gegner der Vorlage, die 2015 an der Abstimmungsurne versenkt wurde.

Der Klipp-Klapp-Marktstand ist ein Überbleibsel eines früheren Versuchs, den ständigen Markt in St.Gallen attraktiver zu gestalten. Er blieb ein Prototyp, weil die Opposition dagegen aus der Bevölkerung zu gross war. (Bild: Urs Bucher)

Der Klipp-Klapp-Marktstand ist ein Überbleibsel eines früheren Versuchs, den ständigen Markt in St.Gallen attraktiver zu gestalten. Er blieb ein Prototyp, weil die Opposition dagegen aus der Bevölkerung zu gross war. (Bild: Urs Bucher)

Derzeit läuft der Wettbewerb für den dritten Anlauf zur Umgestaltung von Marktplatz und Bohl. Das Resultat wird immer noch genügend Stoff für hitzige Diskussionen liefern, in zweierlei Hinsicht hat die Stadt diesmal ihre Hausaufgaben aber sicher gut gemacht: Der Planungsperimeter wurde eingeschränkt, indem der Blumenmarkt und die Nutzung des Erdgeschosses des Waaghauses nicht mehr dazugehören. Und die Frage des ständigen Marktes wird aktiv und sofort angegangen.

Sofortmassnahmen für den ständigen Markt

Die Stadt will diesem Markt eine reelle Chance geben, sich neu zu formieren und sich im Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten wieder zu etablieren. Dafür plant sie Sofortmassnahmen. Der ständige Markt soll zusammenrücken und wieder kompakt auftreten. Dafür werden mindestens die beiden untersten Häuschen nach Westen verschoben. Wohin genau ist derzeit noch Gegenstand von Abklärungen und Diskussionen.

Ehrgeiziges Ziel wäre, die Veränderungen bis Ende September zu realisieren. Ob sich der Zeitplan einhalten lässt, hängt von verschiedenen Faktoren ab – unter anderem der Aufhebung von Parkplätzen, aber auch von politischen und juristischen Aspekten.

Die verbleibenden fünf Marktfahrerinnen und Marktfahrer des ständigen Marktes belegen acht Markthäuschen. Ein neuer Anbieter soll im Herbst dazu kommen: Es ist die Bio-Bäckerei Lehmann mit Hauptsitz in Wil, bestätigt Peter Wetli, der Sprecher des ständigen Marktes, auf Nachfrage.

Dieser Anbieter sei schon seit Jahren an den Wochenmärkten in der Stadt St.Gallen präsent. Und er sei mit Sicherheit auch ein Gewinn für die Angebotsvielfalt auf dem ständigen Markt.

Mit kleinem Aufwand viel bewirken

Die Händlerinnen und Händler des ständigen Marktes stehen zu den Sofortmassnahmen, die die Stadt zu ihren Gunsten ergreift. Am Montagabend habe sich das erneut bestätigt, indem man sich einstimmig hinter die von der Stadt vorgeschlagene westliche Variante zum Zusammenrücken gestellt habe, sagt Peter Wetli.

Persönlich findet er «toll», wie Stadt und Marktfahrer jetzt für die Zukunft des ständigen Marktes am gleichen Strick ziehen. Der Prozess habe viel Dynamik gebracht und er glaube, dass es gelingen könne, etwas Neues zu kreieren, sagt der Sprecher des ständigen Marktes.

Die Sofortmassnahme mit dem Zusammenrücken der Stände zeige das. Da werde mit kleinstmöglichem Aufwand etwas Wichtiges erreicht: Der ständige Markt bekomme wieder einen einheitlichen Auftritt.

Positiv ist für Peter Wetli vor allem auch, dass sich die Stadt wieder für den Markt einsetzt. Man spüre bei der Baudirektion das Bemühen, gute Lösungen zu finden. Dafür seien die Marktfahrer dankbar, wenn natürlich auch bei jenen, die schon andere Zeiten erlebt hätten, noch etwas Skepsis vorhanden sei.

Von Rita Zenglein übernommen

Peter Wetli selber führt seit einem Jahr einen eigenen Marktstand. Er hat den Klipp-Klapp-Prototypen von Schwiegermutter Rita Zenglein übernommen. Die langjährige Marktfahrerin mit grosser Stammkundschaft hilft aber immer noch am Stand aus. Etwa wenn der Schwiegersohn mit Medienleuten Gespräche führen muss.

Peter Wetli, Standbetreiber und Sprecher des ständigen Marktes in St.Gallen. (Bild: Reto Voneschen)

Peter Wetli, Standbetreiber und Sprecher des ständigen Marktes in St.Gallen. (Bild: Reto Voneschen)

Die Chance, dass der ständige Markt überleben kann, ist für Peter Wetli jetzt wieder gut. Voraussetzung sei, dass man ihm ein eigenständiges Profil geben könne. Dafür müsse das Angebot vielfältiger werden. Man müsse auf dem ständigen Markt spezielle Frischprodukte finden. Wenn der Mix an solchen Angeboten vielfältig genug sei, werde das wieder Kundinnen und Kunden anziehen, wovon alle Standbetreiber unter dem Strich profitieren könnten.

Mit der Bio-Bäckerei mache der ständige Markt im Herbst einen Schritt in Richtung einer grösseren Vielfalt. Das sei gut, weitere müssten aber folgen, sagt Peter Wetli. Und Interessenten dafür seien erfreulicherweise vorhanden.

Mit den anderen Märkten auf dem Marktplatz, dem Wochen- oder dem Bauernmarkt, will Peter Wetli «ein stärkeres Miteinander» anstreben. Für ihn ist es daher sehr positiv, dass diese Märkte im Rahmen der Neuordnung in die Nähe des ständigen Marktes rücken sollen.

Kurzzeit-Parkplätze für die Kundschaft?

Dem dritten Anlauf für die Neugestaltung von Marktplatz und Bohl steht Peter Wetli, Standbetreiber und Sprecher des ständigen Marktes in St.Gallen, positiv gegenüber. Er habe das Gefühl, dass man noch nie so nahe an einer Lösung gewesen sei.

Die Interessen vieler Gruppen seien in die Rahmenbedingungen für den Gestaltungswettbewerb eingeflossen. Mit diesen Vorgaben sei eine kreative, urbane Lösung möglich. Und wenn dann alle, die profitierten, Ja zu dieser Lösung sagen könnten, sei die dritte Marktplatz-Abstimmung kein Problem.

Gesucht ist eine einfache und praktische Lösung

Die «Märktler» hätten keine grossen Ansprüche ans Neugestaltungsprojekt. Sie hätten vor allem kein Interesse daran, dass der ständige Markt «vergoldet» werde. Gesucht sei eine einfache, praktische Lösung, die es dem Markt erlaube, zur Attraktivität des Platzes und damit der Innenstadt beizutragen.

Schon mit der Umsetzung der Sofortmassnahmen werde man diesbezüglich etwas erreichen können, ist Peter Wetli überzeugt: «Wir sind so mit die Ersten, die daran gehen können, das Konzept ‹Zukunft Innenstadt› mit Leben zu füllen!»

Bei der Erarbeitung der definitiven Lösung für den ständigen Markt sind dessen Händlerinnen und Händler in der Person von Peter Wetli eingebunden: Er sitzt im Gremium, das die Entwürfe der am Gestaltungswettbewerb teilnehmenden Büros begutachtet und beurteilt.

Selber habe er schon auch Ideen, was bezüglich Neugestaltung gut für den ständigen Markt sei, schmunzelt er. Darüber wolle er aber jetzt nicht sprechen. Der Ball liege bei den Kreativen, bei den Planern. Er sei jedenfalls gespannt darauf, was diese ausheckten.

Ein Zückerchen für die Motorisierten?

Und dann wird Peter Wetli doch noch konkret: Die Aufhebung der Parkplätze auf Marktplatz und Blumenmarkt ist ihm nicht ganz geheuer. Er hat keine Probleme damit, dass jene vom Platz verbannt werden, die hier Runden drehen, um ihre Blechkarossen dem Volk vorzuführen.

Er ist aber nicht sicher, wie die teilweise motorisierte Kundschaft auf die längeren Anmarschwege aus den Parkhäusern zu den Marktständen und zu den Geschäften der Innenstadt reagieren wird. Peter Wetli hat auch eine Idee, wie man das Problem angehen könnte: mit einer «Be- und Entladezone» im Bereich der heutigen Fahrbahnen auf dem Marktplatz.

Für ihn braucht es ein paar Kurzzeitparkplätze, auf denen man das Auto während des Einkaufens für zwanzig Minuten abstellen kann. Natürlich gegen eine Gebühr, die für zwanzig Minuten durchaus zwei Franken betragen dürfe, sagt er.

Auf regionale Kundschaft angewiesen

Ob so etwas mehrheitsfähig ist, kann Peter Wetli nicht sagen. Die Idee will er aber auf jeden Fall in der Diskussion behalten: «Wir dürfen nichts verpassen, was uns Kundschaft in die Stadt bringt. Mit der Stadtbevölkerung allein ist es nämlich nicht möglich, auf Dauer ein attraktives Stadtzentrum zu erhalten.» Damit das gelinge, sei man einfach auf die Konsumentinnen und Konsumenten aus dem Umland angewiesen. (vre)

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