Natur & Umwelt
Fremder Fötzel ohne grossen Wert für die Fischerei: Der Sonnenbarsch erobert den Bodensee

Der aus Nordamerika als Aquarienfisch eingeschleppte Sonnenbarsch breitet sich im Bodensee aus. Wer einen dieser bunten Fische fängt, sollte ihn nicht sogleich wieder in den See entlassen. Laut Fischereigesetz ist es nämlich verboten, standortfremde Fische auszusetzen.

Rudolf Hirtl
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Dieser Sonnenbarsch wurde vor wenigen Tagen in der Goldacher Bucht fotografiert.

Dieser Sonnenbarsch wurde vor wenigen Tagen in der Goldacher Bucht fotografiert.

Bild: Tino Dietsche

Im Bodensee leben 36 Fischarten. Darunter auch Flussfischarten, die sich nur zeitweise in den Mündungsbereichen aufhalten. Die genaue Zahl der Fischarten im See verändert sich von Zeit zu Zeit, denn hauptsächlich unkontrollierter Besatz von Aquarienfischen führt dem See nichtheimische Fischarten zu, wie beispielsweise Kaulbarsch oder Stichling.

Hübsch anzuschauender Neubürger

Im Jahr 2014 wurde im Untersee erstmals ein weiterer, bunt gefärbter und hübsch anzuschauender Neubürger entdeckt – der aus Nordamerika eingeschleppte Sonnenbarsch. Auffälliges Merkmal des bis zu 32 Zentimeter langen Fisches ist die «Ohrenklappe», eine Verlängerung der Kiemendeckel, die dunkel ist und einen rötlich-orangen Punkt aufweist.

Mittlerweile ist der Sonnenbarsch auch im Obersee angekommen. Einzelne Meldungen gibt es schon seit zwei bis drei Jahren. Aber erst kürzlich, nach über 1200 Tauchgängen im Bodensee, ist OT-Fotograf Tino Dietsche in der Bucht vor Goldach erstmals ein Sonnenbarsch vor die Kamera geschwommen. Wie bei den meisten Neozoen wird auch die Anwesenheit des Sonnenbarsches kritisch gesehen.

Auswirkungen auf die Fauna im See noch nicht klar

Werden sich die Bestände ausbreiten und möglicherweise zu Schäden führen? Laut Michael Kugler, Fachmitarbeiter Fischerei beim kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei, ist das zur Zeit noch unbekannt. «In Kleingewässern kann der Sonnenbarsch sich stark ausbreiten und problematisch werden. Bei grossen Gewässern wie beispielsweise im Zürichsee, wo er seit etlichen Jahren vorkommt, zeigen die Erfahrungen, dass der Sonnenbarsch als stark uferorientierter Fisch ein Nischendasein pflegt.»

Aus diesem Grund kann der Sonnenbarsch laut Kugler auch kein profitabler Beifang für Berufsfischer sein. «Dazu ist er zu klein. Adulte Sonnenbarsche sind eher Einzelgänger, ein Pärchen verteidigt sein Revier. Schwarmbildung wie es beim heimischen Barsch üblich ist, ist beim Sonnenbarsch nicht zu erwarten.»

Wer gebietsfremde Fische aussetzt, macht sich strafbar

Wer einen Sonnenbarsch fängt und diesen wieder in den See freilässt, macht sich gemäss Bundesgesetz über die Fischerei übrigens strafbar. Mit einer Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen wird nämlich bestraft, wer standortfremde Arten von Fischen einsetzt. Kugler sagt:

«Wir schlagen vor, gefangene Sonnenbarsche tierschutzkonform zu töten – auch wenn sich dadurch das Problem und sein Vorkommen im Bodensee kaum verhindern lässt.»

Und welche Neubürger machen ihm aktuell am meisten Sorgen? «Jeder Neozoon kann das Potenzial für grosse Veränderungen und Sorgen haben. Besonders problematisch im Bodensee sind die starken Vorkommen des Stichlings und der Quaggamuschel. Beide verändern das Ökosystem Bodensee nachhaltig.»