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Fremd im eigenen Land: Ein Gespräch mit Rorschacher Einwanderer

In den Hallen der Feldmühle haben sich am Sonntag Rorschacher mit Migrationshintergrund zum Austausch getroffen. Ihre Erlebnisse lösten Emotionen aus.
Jolanda Riedener

«Viele Menschen gelten in der Schweiz noch immer als Fremde. Sie werden wegen ihrer Herkunft, Pass, Aufenthaltsstatus oder Migrationshintergrund nicht als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft anerkannt», heisst es in der Einladung zum Generationengespräch, das gestern in Rorschach stattgefunden hat. Gut 70 Personen folgten ihr. Das Kollektiv «Ostschweiz mit Migrationsvordergrund» führte das Gespräch in der kühlen Fabrikhalle auf dem Feldmühlareal, geleitetet haben es Nexhla Medii vom Kollektiv und Dani Fels, Dozent an der Fachhochschule St. Gallen.

In diesen Fabrikhallen haben früher Leute aus verschiedenen Ländern Arbeit gefunden, heisst es in der Einführung. Sie wohnten hier, einige kamen als Saisonarbeiter, andere blieben für immer und gründeten eine Familie. Beim Generationengespräch sollen Migranten von ihren Erfahrungen erzählen. Weiter wollen die Veranstalter aufzeigen, dass viele der Migranten Rassismus ausgesetzt sind und keine politischen Rechte haben.

«Ich bleibe Sarde, aber hier ist meine Heimat»

Efisio Prasciolu arbeitete 48 Jahre auf diesem Areal als Sicherheitschef. 3.50 Franken verdiente er pro Stunde. Als er als junger Mann nach Rorschach gekommen sei, habe er sich anpassen müssen. «Man hat mir auch Dinge gesagt, die nicht so schön waren», erinnert er sich. In der Kommunikation sieht er den Schlüssel zur Integration. Heute fühle er sich als Schweizer. Wenn er in seine Heimat Sardinien in die Ferien gehe, habe er Heimweh und wolle bald wieder zurück nach Rorschach, erzählt er.

Efisio Prasciolu im Gespräch mit Dani Fels. (Bild: Jolanda Riedener)

Efisio Prasciolu im Gespräch mit Dani Fels. (Bild: Jolanda Riedener)

Seit 2015 lebt Farida Ferecli in der Schweiz. Sie spricht fliessend Deutsch. Positive Erfahrungen habe sie viele gemacht. Einige hilfsbereite Personen habe sie kennengelernt. Ihre Schilderungen zeigen dennoch, wie schwierig es für sie, ihren Mann und die Tochter war, in der Schweiz zurecht zu kommen. Ferecli studierte in ihrer Heimat Aserbaidschan. «In die Schweiz geflüchtet bin ich nicht wegen des Geldes», sagt sie. Ihre Stimme zittert. Ihr Mann sei in der Politik tätig gewesen, es kam zu Problemen.

«Ich vermisse meine Heimat, meine Freunde und mein Haus»

, sagt sie. Ihre Emotionen nehmen Überhand. In den Zuschauerreihen wird es still. «Es gibt viele, die uns hier nicht haben wollen.» Was sie hier suche, werde sie gefragt – sie solle doch wieder dorthin gehen, von wo sie gekommen sei.

Kinder erleichtern Kontakt zu den Einheimischen

Ihre Geschichte erzählt auch Familie Maliqi. Sowohl Afrim als auch Ajete Maliqi engagieren sich in ihrer Heimatstadt Rorschach. Sie habe gemerkt, dass sie sich zeigen muss, sagt Ajete Maliqi. Ihr Mann Afrim hat die Heimat Kosovo als 14-Jähriger verlassen: «Ich wollte cool sein, deshalb bin ich als Teenager in die Schweiz gekommen.» Sein Vater war als Saisonnier hier. Rassismus im Alltag bekämpft Afrim Maliqi mit Humor. Den Anschluss in der Schweiz zu finden, das sei nicht einfach gewesen.

Mit dem gemeinsamen Sohn habe sich das aber vereinfacht. Rion lebe zwar die Albanische und die Schweizer Kultur. Im Gegensatz zu seinen Eltern habe er aber keinen Rassismus erlebt, sagt der 18-Jährige Rion Maliqi.

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