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«Oft sind Unfälle mit E-Bikes selbst verschuldet»: Die Stadtpolizei verzeichnet für das Coronajahr fast dreimal mehr Unfälle

Die Stadtpolizei St.Gallen vermeldet eine drastische Zunahme von Unfällen mit E-Bikes im Coronajahr. Die Kantonspolizei beobachtet eine ähnliche Entwicklung.

Dinah Hauser
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In der Stadt St.Gallen verzeichnete die Stadtpolizei 2019 zwölf Unfälle mit E-Bikes. 2020 waren es 30.

In der Stadt St.Gallen verzeichnete die Stadtpolizei 2019 zwölf Unfälle mit E-Bikes. 2020 waren es 30.

Bild: Kapo SG

Kaum schmilzt der Schnee und steigen die Temperaturen, zieht es die Menschen an die frische Luft. Das schlägt sich auch in den Unfallstatistiken der Polizeien nieder. «An schönen und warmen Tage, insbesondere an Wochenenden, stellen wir fest, dass sich mehr Unfälle mit Zweirädern ereignen», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Anfang Jahr hatte es zwar intensiv geschneit. Aber an den ersten warmen Tagen war der Schnee bis in hohe Lagen geschmolzen. «Dies zog mehr Menschen nach draussen und in die Höhe, wo wir auch mehr Unfälle verzeichneten.»

Auch während des Coronajahrs ereigneten sich mehr Unfälle mit Zweirädern. Vor allem zwischen März und September seien die Unfallzahlen sehr hoch gewesen, sagt Schneider.

Unfallzahlen mit Velos stabil, mit E-Bikes steigend

Insbesondere E-Bikes tauchen vermehrt in der Unfallstatistik auch. So meldet die Stadtpolizei St.Gallen eine knappe Verdreifachung der Unfälle in 2020 gegenüber dem Vorjahr. 30 Unfälle ereigneten sich alleine mit E-Bikes (Vorjahr 12) auf Stadtgebiet. Die Unfallzahlen mit Velos hingegen sind seit 2017 um die 40er-Marke herum stabil.

Ob sich diese Entwicklung mit Corona erklären lässt? «Die Vermutung liegt nahe», sagt Roman Kohler, Medienchef der Stadtpolizei. Einerseits seien immer mehr E-Bikes im Strassenverkehr unterwegs. Andererseits sei es plausibel, dass mehr Menschen aufgrund der Coronapandemie auf das Velo oder E-Bike umgestiegen sind. «Um den öffentlichen Verkehr zu meiden und sich trotzdem in der Stadt zu bewegen.» Eindeutige Hinweise auf diese Spekulation gebe es jedoch nicht. Unter anderem auch, weil E-Bikes mit einer Geschwindigkeit bis 25 Kilometer pro Stunde nicht gemeldet werden müssen. Sie haben auch kein gelbes Kontrollschild wie die schnellere Variante.

Unfälle meist selbst verursacht

Bei den 30 Unfällen, welche die Stadtpolizei im vergangenen Jahr aufgenommen hat, ist laut Kohler die Ursache häufig auf Selbstverschulden zurückzuführen.

«Vor allem Neulenkerinnen und Neulenker unterschätzen die Geschwindigkeit und den Bremsweg.»

Ist ein Velofahrer oder eine E-Bike-Fahrerin in einen Unfall verwickelt, ist meist diese Person verletzt. «Bei Velos und E-Bikes gibt es keine Knautschzone wie bei Autos», erklärt Kohler das höhere Verletzungsrisiko.

Ähnlich tönt es bei der Kantonspolizei St.Gallen. 2019 waren von 92 Unfällen mit E-Bikes 58 selbst verschuldet. Zu den Ursachen gehören etwa Fahren unter Alkoholeinfluss, nicht angepasstes Fahren oder das Missachten von Vortritten.

Vor allem Personen ab 45 Jahren seien in Unfälle involviert. Während ein herkömmliches Velo durch reine Muskelkraft angetrieben wird, ist das Fahren mit einem E-Bike weniger anstrengend. «Entsprechend benutzen auch Personen ein E-Bike, die körperlich nicht ganz so fit sind. Dazu zählen meist eher ältere Personen», sagt Kapo-Sprecher Schneider.

In der Region Gossau und am See verzeichnet die Kantonspolizei St.Gallen indes mehr Unfälle als andernorts im Kanton. Von einer Häufung will Florian Schneider aber nicht sprechen. «Das sind jene Regionen, wo am meisten Menschen wohnen. Proportional gesehen, gibt es also im ganzen Kanton überall etwa gleich viele Unfälle.»

So schützt man sich im Strassenverkehr

Da Velofahrerinnen und E-Bike-Fahrer zu den verwundbareren Verkehrsteilnehmern gehören, wird empfohlen, sich mit dem Gefährt in sicherer Umgebung vertraut zu machen. Stapo-Sprecher Roman Kohler appelliert an vorausschauendes und defensives Fahren.

«Am besten trägt man auch einen Helm sowie eine Leuchtweste und bringt Reflektoren am Gefährt an.»

Dies, um sich selbst im Verkehr sichtbarer zu machen. Denn auch am helllichten Tag könne es für Autofahrerinnen und Autofahrer schwierig sein, Velofahrende zu sehen. Jedoch sollen sich laut Kohler auch Fahrer von Motorfahrzeugen bewusst sein, dass E-Bikes schneller unterwegs sind als herkömmliche Velos.