Spott über den Pflegeheimstreit und ein Preis für Freihof-Gründer Sepp Brunschwiler: Das war das Gossauer Drachenfest

Am Gossauer Drachenfest wurde Sepp Brunschwiler der Drachenpreis verliehen. Und die Schnitzelbänggler spotteten über das Geschehen in Gossau und der weiten Welt.

Johannes Wey
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 Gallomisto
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Alliglattohre
Alliglattohre
Sepp Brunschwiler erhält den Gossauer Drachenpreis.
Guggämusig Gassächlöpfer
Guggämusig Gassächlöpfer
Narr vo Sanggalle
Narr vo Sanggalle
Rorschacher Sittestecher
Die Drey Richter aus Gossau.
Zwei Räppler

Gallomisto

Bild: Urs Bucher

Bissige Kommentare sind es, die das Gossauer Drachenfest ausmachen. Und zwar sowohl in der neusten Ausgabe der Fasnachtszeitung «Drachentöter», die an diesem Mittwoch in der vollbesetzten Hofstube des «Freihofs» präsentiert wird, als auch im Programm der einheimischen und regionalen Schnitzelbänggler. Regelrecht harmonisch sind dagegen die Auftritte der Gossauer Gassächlöpfer.

Im «Drachentöter» wird Alterszentrumsrekurrent Alex K. Fürer die zweifelhafte Ehre zu Teil, dass seine Autobiografie als «Buchtipp des Jahres» beworben wird: «Seine Lebensgeschichte ‹Mein Blick zurück› ist eine einzige Aneinanderreihung von ‹Ich› und ‹Erfolg›», heisst es da. Vermisst wird das Kapitel, wie er als Don Quijote gegen die Sana Fürstenland kämpft und damit sein Denkmal beschädige.

Die Zweiräppler nehmen Fürer ebenfalls aufs Korn:

«D’Bewohner vom Espel reagiered barsch: ‹Nüt goht Fürschi, Alex mer doch am Arsch.›»

Auch in Flawil blieben die Querelen um die Sana Fürstenland nicht ungehört, wie die Alliglattohren beweisen: Beim Abfallentsorgen stossen sie auf jassende Senioren im Container: «Si rüefed ‹goht’s no, sind er dumm? Da isch s’Schwalbeprovisorium!›»

Wirtschaftlicher Niedergang von Gehr bis Beat Breu

Die Drey Richter besingen den Niedergang der Stadt Gossau mit dem Ende der Max Mitschjeta AG und der Bäckerei Gehr. «E grosse Notschtand droht, wo duet das anefiehre? Vom Eschpel müends sogar scho d’Lyt evakuiere.» Dem Investitionsstau in der Stadt widmen sie gar ein mehrstrophiges A-cappella-Stück.

Sepp Brunschwiler erhält den Drachenpreis

Als «Riesenüberraschung» bezeichnet Sepp Brunschwiler die Auszeichnung, die er soeben von der «Drachentöter»-Redaktion erhalten hat. Vor zehn Jahren hat er das Restaurant Freihof, den Schauplatz des Drachenfestes, ins Leben gerufen. An jedem Platz steht ein grüner Drache aus Marzipan, um «10 Jahre Freihof-Sepp» zu feiern. Das Lokal gebe seinem Leben Kurzweile, «ein bisschen Arbeit» und viele schöne Stunden, sagt Brunschwiler.

Vor der Übergabe hält Raumfahrtexperte Men J. Schmidt die Laudatio. Er verhehlt nicht seine Schwierigkeiten, den Preisträger zu ehren und gleichzeitig die Identität noch nicht zu verraten. Denn erstens müsse der Preisträger jemand sein, der sich um Gossau verdient gemacht habe. Davon gebe es nicht viele. Und zweitens würden die Zuschauerinnen und Zuschauer schnell erraten, um wen es sich handeln müsse. «Normalerweise nennt man den Namen gleich am Anfang.»

Brunschwiler habe sich nach seiner Pension mit grosser Hartnäckigkeit seinen Bubentraum erfüllt. Und dabei 50 Arbeitsplätze geschaffen. Schmidt lobt Brunnschwiler auch für den Erhalt eines Stücks Kulturgut: Im Raum steht eine Dampfmaschine aus dem Jahr 1904, die der Restaurantbesitzer eigenhändig restauriert hat.

In seiner ersten Karriere hat Brunschwiler in Arnegg eine Metallbaufirma aufgebaut. Der Personalbestand entwickelte sich von einer Person auf 30. 2007 verkaufte er sein Unternehmen und kaufte stattdessen den seit 2006 geschlossenen «Freihof», um ihn zu neuer Blüte zu bringen.

Den Gehr-Konkurs lassen auch die Zweiräppler nicht unkommentiert. Sie empfehlen dem gescheiterten Zirkusdirektor Beat Breu – das beliebteste Ziel des Spotts an diesem Abend – die Bäckerei zu übernehmen. Und sie rufen das Ende eines weiteren Geschäfts in Erinnerung:

«Ä Fachgschäfft weniger i dä Stadt: D’Dessous-Perle nipplet ab. Nu dä Wolfgang Giella freut das sehr, so git’s z’Gossau weniger Vechehr.»

Die Bioabfuhr nimmt auch Geld mit

Auch die Stadtwerke Gossau kommen zu prominenten Erwähnungen. Im «Drachentöter» mit ihrer Jagd nach Labels wie «Blue Community» und Grüngutcontainern, die das Stadtbild prägen. Auch die Drey Richter widmen sich dem neuen, kostspieligeren Angebot:

«D’Stadt tuet jetzt mit de grosse Kelle aarüehre und mit em Grüenguet au üses Geld abfühere.»

Und natürlich wird auch die Diskussion um ein allfälliges Aussenbecken beim neuen Hallenbad aufgegriffen. Die Themenführerschaft übernehmen aber die Gäste aus Flawil: Die Gossauer Sportvereine stecken in einer Misere, aber in einer selbst gewählten. «Statt Iisatz zeiget d’Spiler d’Tafle: ‹Goalstrejk för beheiztes Bad›», singen die Alliglattohren in Anlehnung an die – ebenfalls oft erwähnte – Greta Thunberg.

Der Sport ist, wie es sich für eine Zeitung gehört, auch dem «Drachentöter» eine ganze Seite wert. Hier wird vom Ausflug des FC Gossau auf den Säntis berichtet, von wo man endlich die Tabellenspitze sehen wolle. «Für d’Tschutter isch es au bequem: S’Bähnli löst s’Abstiegsproblem!»

Und die Drey Richter besingen in ihrem Baslerdialekt dem Höhenflug des FC St. Gallen. Und hoffen, dass er den Titel nicht «veryoungboyst».